Stehender männlicher Akt
Carel Fabritius
um 1646
Die Studie zeigt einen jungen Mann, der sich auf einen gepolsterten Pfeiler stützt und sein Nacktsein ungezwungen vorführt, während er sinnend zur linken Seite blickt. Sie entstand um 1646. Damals setzte sich Rembrandt in drei Radierungen erstmals mit der männlichen Aktfigur auseinander. Während zwei dieser Blätter jeweils eine Einzelfigur wiedergeben, zeigt die zur selben Zeit entstandene Radierung Het Rolwagentje denselben jungen Mann in zwei verschiedenen Stellungen. Es wird angenommen, dass Rembrandt während des Aktstudiums unmittelbar auf der Druckplatte arbeitete. Darüber hinaus sind von dem gleichen Modell drei Zeichnungen von verschiedenen Mitarbeitern bekannt, in denen dieselbe Pose von einer jeweils anderen Position aus aufgenommen wurde.
Aufgrund der unterschiedlichen Perspektiven kann man sogar rekonstruieren, wo sich der Lehrmeister und seine Schüler befanden. Die linke Position nahm der Zeichner der Albertina-Studie ein, Peter Schatborns Forschungen zufolge Carel Fabritius. Neben ihm saß Rembrandt, der unmittelbar auf der Kupferplatte arbeitete, rechts vom Meister befand sich Samuel van Hoogstraten (dieses Blatt in Paris, Musée du Louvre, Département des Arts graphiques, Inv. RF 4713), und ganz rechts arbeitete der Schüler, dessen Zeichnung sich im British Museum London befindet (Inv. Oo,9.94). So vermittelt dieser Komplex aus gezeichneten Studien und Rembrandts Radierung einen einmaligen Einblick in die Lehrmethoden des Künstlers.
Bosch, Bruegel, Rubens, Rembrandt. Meisterwerke der Albertina, hg. von K. A. Schröder und C. Metzger, Albertina, Wien, Ostfildern 2013, Abb. 147, S. 306.
IIIFPermalinkhttps://sammlungenonline.albertina.at/objects/29692/stehender-mannlicher-aktImage Request