Das alte Rathaus in Amsterdam während seines Abbruchs
Rembrandt Harmensz. van Rijn
um 1647
Die Zeichnung gibt das alte Amsterdamer Rathaus wieder. Dieser mittelalterliche Komplex wurde abgerissen, weil in der unmittelbaren Umgebung das neue, von #Jacob van Campen entworfene Rathaus errichtet werden sollte, dessen Pläne 1648 offiziell genehmigt wurden. Zunächst wurden die Flügel an der Rückseite des kleinen Hauptgebäudes abgetragen, das während der Bauarbeiten am neuen Rathaus weiter funktionieren sollte. Doch in der Nacht vom 6. auf 7. Juli 1652 brach ein großes Feuer aus, das das alte Rathaus und die angrenzenden Bauwerke zum Großteil vernichtete.
Die um 1647 entstandene Skizze der Albertina gibt den Abbruch des alten Rathauskomplexes vor dem Brand wieder. Mit schwarzer Kreide fasste Rembrandt das architektonische Konglomerat in knappen Strichen schematisch zusammen, wobei er die unterschiedlich strukturierten Flächen subtil voneinander absetzte. Mit den dunklen Akzenten der aus dem Bauschutt hinausragenden Pfahlstümpfe, die sich markant von der helleren Bausubstanz abheben, erzielte er eine wirkungsvolle atmosphärische Abstufung. In der Mitte ragt der Turm vom alten Rathaus auf, rechts davon zeichnet sich der schmale, spitze Turm des ehemaligen St. Elisabeth-Hospitals ab. Wie in letzter Zeit festgestellt wurde, hat Rembrandt die Fenster des großen Turmes sehr vereinfachend und nur in allgemeinen Umrisslinien wiedergegeben. Er ließ die Sonnenuhr weg, während das breite, vierfach gegliederte Fenster, das im Gesamtkomplex einen schweren, dunklen Akzent setzt, vielleicht eine freie Zusammenfassung mehrerer kleiner Fenster bildet.
Rembrandt, hrsg. Klaus Albrecht Schröder und Marian Bisanz-Prakken, Wien 2004, Abb. 179, S. 360.
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