Drei Studien eines Elefanten, daneben ein Wärter
Rembrandt Harmensz. van Rijn
um 1637
Von Rembrandt sind drei Zeichnungen bekannt, die aller Wahrscheinlichkeit nach einen weiblichen asiatischen Elefanten wiedergeben. Zwei von ihnen befinden sich in der Albertina, ein drittes Blatt ist im Besitz des British Museum in London. Das Medium dieser Zeichnungen ist die schwarze Kreide, die sich zur Wiedergabe der runzeligen Haut und der schwerfälligen Bewegungen des exotischen Tieres optimal eignete.
Von den beiden Albertina-Blättern ist das signierte und 1637 datierte durch seine detaillierte, fast porträthafte Ausführung das zweifellos repräsentativste und berühmteste Exemplar (Inv. 17558). Die vorliegende Zeichnung hat vor allem den Charakter einer mehrfachen Bewegungsstudie, bei der Rembrandt dasselbe Tier als Dreiergruppe in verschiedenen Stellungen - im Gehen, im Liegen und im Stehen - festhielt; hier hob er vor allem die Umrisslinien hervor. Am detailliertesten wurde der vollständig sichtbare, gehende Elefant gezeichnet, der außerdem Korrekturen am Kopf, am Rüssel und am linken Vorderbein aufweist. Auch hier erreichte Rembrandt eine höchst subtile Charakterisierung des dargestellten Tieres, von den schwerfälligen Bewegungen des massiven, eckigen Körpers, den unterschiedlichen Biegungen des Rüssels bis zu dem stechenden Blick des kleinen, in feine Falten eingebetteten Auges. Der lebhafte Charakter dieser Studie wird durch den flüchtig skizzierten Wächter mit bestimmt.
Es ist nicht ausgeschlossen, das Rembrandt jenen weiblichen Elefanten dargestellt hat, der unter dem Namen "Hansken" - wie in mehreren Quellen berichtet wird - in verschiedenen Ländern Europas vorgeführt wurde. Dieses Tier wurde 1630 in Ceylon geboren und starb 1655. In einer 1653 datierten Zeichnung von #Jan van Goyen ist zu sehen, wie ein Elefant - möglicherweise Hanske - dem Publikum vorgeführt wurde: Das Blatt zeigt zwei hohe Zelte, rundherum befinden sich Figuren; auf einem Aushängeschild mit einem Elefanten sind Seiltänzer abgebildet (The J. Paul Getty Museum, Malibu). Die Kunststücke des Tieres konnten also gegen Bezahlung besichtigt werden.
Etwa ein Jahr nach der Entstehung dieser Zeichnungen gab Rembrandt in seiner Radierung "Der Sündenfall" (Inv. DG1926/38) einen Elefanten wieder, der mit erhobenem Rüssel klein im Hintergrund erscheint. Obwohl das Tier in seiner Stellung an den gehenden Elefanten der Dreiergruppe erinnert, ist diese miniaturhafte Wiedergabe von dem unmittelbar wirkenden Realismus der beiden Albertina-Blätter jedoch weit entfernt.
In jüngster Zeit wurde für die Dreiergruppe eine Datierung zwischen 1644 und 1646 vorgeschlagen, die vor allem auf dem älteren Erscheinungsbild des Tieres beruht (vgl. Roscam Abbing/Tuynman 2006)
Rembrandt, hrsg. Klaus Albrecht Schröder und Marian Bisanz-Prakken, Wien 2004, Abb. 70, S. 170.
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