Rembrandt Harmensz. van Rijn, Drei Studien eines Elefanten, daneben ein Wärter, Inv. Nr.: 8900
Drei Studien eines Elefanten, daneben ein Wärter
Rembrandt Harmensz. van Rijn, Drei Studien eines Elefanten, daneben ein Wärter, Inv. Nr.: 8900
Credit: ALBERTINA, Wien Image: ALBERTINA, Wien

Drei Studien eines Elefanten, daneben ein Wärter

Rembrandt Harmensz. van Rijn

um 1637




Künstler:in (Leiden 1606 - 1669 Amsterdam)
Dateum 1637
Object TypeZeichnung
Object typeDrawing
Materials / TechniquesSchwarze Kreide; Quetschfalten in der re. oberen Ecke.
Dimensions23,9 x 35,4 cm
CreditALBERTINA, Wien
Object number8900
Markingsl.u. Herzog Albert von Sachsen-Teschen (Lugt 174)
Text

Von Rembrandt sind drei Zeichnungen bekannt, die aller Wahrscheinlichkeit nach einen weiblichen asiatischen Elefanten wiedergeben. Zwei von ihnen befinden sich in der Albertina, ein drittes Blatt ist im Besitz des British Museum in London. Das Medium dieser Zeichnungen ist die schwarze Kreide, die sich zur Wiedergabe der runzeligen Haut und der schwerfälligen Bewegungen des exotischen Tieres optimal eignete.
Von den beiden Albertina-Blättern ist das signierte und 1637 datierte durch seine detaillierte, fast porträthafte Ausführung das zweifellos repräsentativste und berühmteste Exemplar (Inv. 17558). Die vorliegende Zeichnung hat vor allem den Charakter einer mehrfachen Bewegungsstudie, bei der Rembrandt dasselbe Tier als Dreiergruppe in verschiedenen Stellungen - im Gehen, im Liegen und im Stehen - festhielt; hier hob er vor allem die Umrisslinien hervor. Am detailliertesten wurde der vollständig sichtbare, gehende Elefant gezeichnet, der außerdem Korrekturen am Kopf, am Rüssel und am linken Vorderbein aufweist. Auch hier erreichte Rembrandt eine höchst subtile Charakterisierung des dargestellten Tieres, von den schwerfälligen Bewegungen des massiven, eckigen Körpers, den unterschiedlichen Biegungen des Rüssels bis zu dem stechenden Blick des kleinen, in feine Falten eingebetteten Auges. Der lebhafte Charakter dieser Studie wird durch den flüchtig skizzierten Wächter mit bestimmt.
Es ist nicht ausgeschlossen, das Rembrandt jenen weiblichen Elefanten dargestellt hat, der unter dem Namen "Hansken" - wie in mehreren Quellen berichtet wird - in verschiedenen Ländern Europas vorgeführt wurde. Dieses Tier wurde 1630 in Ceylon geboren und starb 1655. In einer 1653 datierten Zeichnung von #Jan van Goyen ist zu sehen, wie ein Elefant - möglicherweise Hanske - dem Publikum vorgeführt wurde: Das Blatt zeigt zwei hohe Zelte, rundherum befinden sich Figuren; auf einem Aushängeschild mit einem Elefanten sind Seiltänzer abgebildet (The J. Paul Getty Museum, Malibu). Die Kunststücke des Tieres konnten also gegen Bezahlung besichtigt werden.
Etwa ein Jahr nach der Entstehung dieser Zeichnungen gab Rembrandt in seiner Radierung "Der Sündenfall" (Inv. DG1926/38) einen Elefanten wieder, der mit erhobenem Rüssel klein im Hintergrund erscheint. Obwohl das Tier in seiner Stellung an den gehenden Elefanten der Dreiergruppe erinnert, ist diese miniaturhafte Wiedergabe von dem unmittelbar wirkenden Realismus der beiden Albertina-Blätter jedoch weit entfernt.
In jüngster Zeit wurde für die Dreiergruppe eine Datierung zwischen 1644 und 1646 vorgeschlagen, die vor allem auf dem älteren Erscheinungsbild des Tieres beruht (vgl. Roscam Abbing/Tuynman 2006)

Rembrandt, hrsg. Klaus Albrecht Schröder und Marian Bisanz-Prakken, Wien 2004, Abb. 70, S. 170.

Catalogue raisonné
  • Benesch 1954-1957, Bd. 2, Nr. 458, Abb. 516
  • Benesch 1973, Bd. 2, Nr. 458, Abb. 547
  • Bibliography
  • Schönbrunner/Meder 1896-1908, Bd. 3, Nr. 283, Abb.
  • Hofstede de Groot 1906, Nr. 1468
  • Benesch 1935, S. 28
  • AK Amsterdam 1935, Nr.43
  • AK Albertina 1956, Nr. 29
  • AK Albertina 1969/70, Nr. 13
  • Slatkes 1980, S. 8, Anm. 8
  • AK Berlin u. a. 1991/92, Bd. 2, Zeichnungen, Nr.13
  • A.K. A Quintessence of Drawing. Masterpieces from the Albertina, hg. von T. Krens und K. Oberhuber, Solomon R. Guggenheim Museum New York, Mailand 1997, Nr. 52
  • A.K. Von Dürer bis Rauschenberg. Eine Quintessenz der Zeichnung. Meisterwerke aus der Albertina und dem Guggenheim-Museum, hg. von T. Krens und K. Oberhuber, Deutsche Guggenheim Berlin, 1998, Nr. 27
  • A.K. Rembrandt, hg. von K. A. Schröder und M. Bisanz-Prakken, Albertina, Wien 2004, Nr. 70 (M. Bisanz-Prakken)
  • A.K. Rembrandt and his time. Masterworks from the Albertina (Vienna), Milwaukee 2005, Nr. 24
  • Michiel Roscam Abbing, Pierre Tuynman, Rembrandts Drawings of the Elephant Hansken, in: Rembrandt 2006. Essays and New Rembrandt Documents, 2 Bde, Leiden 2006, Bd. 1, S. 173-190, S. 173-190
  • Klaus Albrecht Schröder (Hg.), AK, Die Gründung der Albertina. 100 Meisterwerke der Sammlung, Ostfildern 2014, S. 156.
  • Albertina, Rubens bis Rembrandt, hrsg. von Klaus Albrecht Schröder, Bad Vöslau: Grasl Druck & Neue Medien 2003, Abb. 47
  • Michiel Roscam Abbing, Rembrandts olifant. Inhet spoor van Hansken, Amstelveen 2016, S. 41
  • Provenance
  • Kaiserliche Hofbibliothek
  • Herzog Albert von Sachsen-Teschen
  • Online resources
    IIIF Logo IIIFPermalinkhttps://sammlungenonline.albertina.at/objects/29765/drei-studien-eines-elefanten-daneben-ein-warterImage Request
    Last edited26.07.2021

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