Lambert Doomer, Die Via Mala mit Rheinbrücke, Inv. Nr.: 9022
Die Via Mala mit Rheinbrücke
Lambert Doomer, Die Via Mala mit Rheinbrücke, Inv. Nr.: 9022
Credit: ALBERTINA, Wien Image: ALBERTINA, Wien

Die Via Mala mit Rheinbrücke

Lambert Doomer

1692




Künstler:in (Amsterdam 1624 - 1700 Amsterdam)
Date1692
Object TypeZeichnung
Object typeDrawing
Materials / TechniquesSchwarze Kreide, Feder in Braun, aquarelliert
Dimensions24,2 x 40,9 cm
CreditALBERTINA, Wien
Object number9022
InscribedKarton: "Rheinbrücke bei Z [...?], Graubünden / OB"
Signedl.u. "Doomer f. / 1692"
Markingsr. u. Herzog Albert von Sachsen-Teschen (Lugt 174)
Text

Lambert Doomer unternahm 1646 eine Schiffsreise nach Frankreich mit Zwischenstation auf der Isle of Wight. Im Mai dieses Jahres hielt er sich in Nantes auf, wo er seine Brüder besuchte, die sich dort als Makler niedergelassen hatten. Von Nantes aus fuhr er zusammen mit seinem 19-jährigen Kollegen #Willem Schellinks (Inv. 15179) über die Loire nach Paris und Le Havre weiter. Das von Schellinks geführte Tagebuch gibt Auskunft über die Aufenthalte der beiden Künstler, die in verschiedenen Städten topografische Skizzen anfertigten. Anders als bei den nach eigenen Skizzen wiederholten Ansichten handelt es sich bei der 1692 datierten Ansicht "Die Via Mala mit Rheinbrücke" um jene Kategorie von Zeichnungen, die Doomer nach Arbeiten anderer Künstler geschaffen hat. In unserem Fall ist er von Landschaftsblättern ausgegangen, die der italianisierende Künstler #Jan Hackaert (1628 - nach 1685) in den Jahren 1655/56 während seines Aufenthalts in der Schweiz angefertigt hatte. Zur Darstellung gelangte in diesen Arbeiten die 1586 erbaute, flussabwärts von Zillis (Ziraun) gelegene Brücke über den Hinterrhein. In seiner freien Verarbeitung dieses Motivs geht es Doomer – der die Schweiz nie bereist hat – offenbar weniger um die topografische Genauigkeit als vielmehr um die Vermittlung einer dunstigen Atmosphäre, die von suggestiven Lichtstimmungen geprägt ist. Im dramatischen Helldunkel scheint der Einfluss von #Rembrandt, der sich zum Beispiel auch in Doomers hier ebenfalls ausgestellter Zeichnung "Dorfstraße mit Scheunendurchfahrt" (Inv. 9030) deutlich manifestiert, immer noch nachzuwirken. Gleichzeitig verweist die Zeichnung in dem schweren Felsrepoussoir oder dem weit entfernten, hoch aufragenden Schloss auf den imaginären Charakter der spätmanieristischen flämischen Landschaftskunst, die sich im späten 17. Jahrhundert bei vielen niederländischen Künstlern einer großen Beliebtheit erfreute.

Das Zeitalter Rembrandts, Ausstellungskatalog, hg. von K. A. Schröder und M. Bisanz-Prakken, Albertina, Wien, Ostfildern 2009, Abb. 132, S. 280.

Catalogue raisonné
  • Sumowski 1979-1992, Bd. 2, Nr. 435, Abb.
  • Bibliography
  • Schulz 1974, S. 33, Nr. 266, Abb. 14
  • A.K. Das Zeitalter Rembrandts, hg. von K. A. Schröder und M. Bisanz-Prakken, Albertina, Wien, Ostfildern 2009, Nr. 132 (M. Bisanz-Prakken)
  • Provenance
  • J. Tonneman, Amsterdam (Auktion Amsterdam, 21.10.1754, T, Nr. 38)
  • J. van der Schley, Amsterdam (Auktion Amsterdam, 18.10.1779, F, Nr. 65)
  • Simon de Fokke, Amsterdam (Auktion Amsterdam, 6.12.1784, T, Nr. 1215)
  • Sammlung Gottfried Winckler (1731–1795), Leipzig
  • Herzog Albert von Sachsen-Teschen
  • Online resources
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    Last edited07.07.2021