Die schlafende Mutter des Künstlers
Egon Schiele
1911
Die schlafende Mutter des Künstlers ist als Querformat die realistische Darstellung einer Liegenden: Die Mutter ruht auf einer Couch, den Kopf leicht erhöht auf einem Kissen abgestützt. Wie Schiele die Signatur platziert hat, legt jedoch eine Orientierung der Zeichnung als Hochformat nahe. Aus dem Schlaf wird damit plötzlich ein traumähnlicher Schwebezustand, der die Gravitationskraft aufhebt. Die Banalität einer realistischen Komposition wird erst durch die der Signatur folgenden Drehung des Blatts zu einer für Schiele so typischen asymmetrischen Komposition. Was im Querformat hinter der Mutter ein Wandbehang ist, wird im Hochformat zum räumlich nicht fixierbaren Muster. Erst im Hochformat entsteht der Eindruck der existentiellen Ortlosigkeit, wird die Gravitation außer Kraft gesetzt. Die daraus resultierende Mehrdeutigkeit ist kohärent mit Schieles Freiheit im Umgang mit dem Naturvorbild.
Rahmenaußenmaß 68,7 × 55,1 × 3,5 cm
Schiele lenkt die Rezeption und fixiert den Betrachter im Akt des Beobachtens. Die Reihe an scheinbar durch Schlaf oder Trance entrückten Frauenzeichnungen von 1911 geht einher mit der für dieses Jahr charakteristischen Verortung der Figuren; ihre sonst in Schieles Werk kaum vorkommende Einbettung in ein räumlich-gegenständlich definiertes Umfeld.
Die "Schlafende Mutter" Schieles ist als Querformat eine realistische Darstellung einer Liegenden. Die Mutter ruht auf einer Couch, den Kopf hat sie leicht erhöht auf einem Kissen abgestützt. Die Signatur legt jedoch eine Orientierung der Zeichnung als Hochformat nahe. Aus dem Schlaf wird damit schlagartig ein traumähnlicher Schwebezustand, der die Gravitationskraft aufhebt. Die Banalität der realistischen Komposition mit der Fülle der Motive in der unteren Blatthälfte wird erst durch die der Signatur folgenden Drehung des Blatts zu einer für Schiele so typischen asymmetrischen Komposition. Was im Querformat hinter der Mutter ein Wandbehang ist, wird im Hochformat zum räumlich nicht fixierbaren Muster. Erst im Hochformat entsteht der Eindruck der existentiellen Ortlosigkeit. Erst im Hochformat wird die Gravitation außer Kraft gesetzt. Die daraus resultierende Mehrdeutigkeit ist kohärent zu Schieles Freiheit im Umgang mit dem Naturvorbild.
#Erwin Mitsch bevorzugt meist #Rudolf Leopolds Deutung der Signatur als reines Dekorationselement, das nichts über die vom Künstler intendierte Blattorientierung besagt. Mit #Pia Müller-Tamm neigen wir zu der Ansicht, dass die "konsequente Lesart der Zeichnungen nach Maßgabe der Signatur" der Schieleschen Intention entspricht (Müller-Tamm 1995, S. 36).
gekürzt aus: Klaus Albrecht Schröder (Autor und Hg.), Egon Schiele (Kat. Ausst., Albertina, Wien 2005/2006), München, Berlin, London, New York 2005, S. 166-168.
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