Mädchenbildnis (Elisabeth Maître)
Pierre-Auguste Renoir
1879
Porträtaufträge sichern Renoir am Beginn seiner künstlerischen Laufbahn ein finanzielles Einkommen, bevor er Ende der 1870er-Jahre zu einem der bekanntesten und gefragtesten Bildnismaler der Pariser Gesellschaft avanciert. Das spontan wirkende Kinderporträt zeigt die sechsjährige Elisabeth Maître (1873–1960), die Nichte von Renoirs Freund Edmond Maître, einem Kunstsammler und Musikliebhaber. Renoir gibt sie natürlich und ungezwungen in Halbfigur wieder. Betont malerische Qualitäten und ein extrem nahsichtiger Blickwinkel verleihen dem Bildnis eine starke Präsenz und forcieren den direkten Bezug zum Betrachter, auch wenn Elisabeth ihren Blick zur Seite gewandt hat. Für die Darstellung des reizenden Modells greift Renoir auf die Pastelltechnik als adäquates Medium zurück. Er knüpft damit bewusst an die Tradition des 18. Jahrhunderts an, als in Frankreich das Pastell gerade auf dem Gebiet der Porträtkunst eine Blütezeit erlebte.
Renoir already relies on portrait commissions to secure him an income in the early days of his career as an artist before he becomes one of the most renowned and sought-after portrait painters of Parisian society in the late 1870s. Conveying a feeling of spontaneity, the present likeness shows the six-year-old Elisabeth Maître (1873–1960), the niece of Renoir’s friend Edmond Maître, an art collector and music lover. Renoir depicts her in a natural and casual half figure. Emphatically painterly qualities and an extreme close-up perspective lend the subject a strong presence and enforce a direct relationship with the viewer, though Elisabeth looks aside. Renoir uses pastels as an adequate medium for rendering his charming model. With this technique he deliberately took up a tradition of the eighteenth century when pastels had their heyday in France particularly in the field of portraiture.
Rahmenaußenmaß 67,1 × 57,8 × 7,7 cm
Während bei #Monet, #Pissarro und #Sisley die Landschaft dominiert, kommt bei Renoir der Darstellung des Menschen eine übergeordnete Bedeutung zu. Er behandelt das Porträt mit derselben Freiheit in der technischen Ausführung wie seine Impressionisten-Freunde die Beobachtungen der Natur. Renoirs Leidenschaft für die Schönheit und Sinnlichkeit des weiblichen Körpers fand ihre Entsprechung nur noch in der Begeisterung, die er für den Zauber von Kindern empfand.
Zu Beginn sicherten Porträtaufträge Renoir sein finanzielles Auskommen, bevor er Ende der 1870er-Jahre zu einem der bekanntesten und gefragtesten Bildnismaler der Pariser Gesellschaft avancierte. Ein eindrucksvolles Beispiel dafür ist das repräsentative Gruppenbild "Madame Charpentier mit ihren Kindern" von 1879 (The Metropolitan Museum of Art, New York). Ihr Mann war der berühmte Verleger #Georges Charpentier, einer der wichtigsten Förderer Renoirs. Er veranstaltete 1879 in den Räumen der Zeitschrift "La vie moderne" eine Ausstellung mit Pastellen des Künstlers, unter denen sich auch das im selben Jahr entstandene "Mädchenbildnis" befunden haben dürfte (Ehrlich White 1984, S. 88).
Das frische, spontan wirkende Kinderporträt zeigt die sechsjährige Elisabeth Maître (1873-1960), die Nichte von Renoirs Freund #Edmond Maître, einem Kunstsammler und Musikliebhaber. Renoir gibt sie natürlich und in ungezwungener Haltung wieder. Sie sitzt von der Lehne eines Fauteuils bildwirksam umfangen, dicht an den vorderen Bildrand gerückt, vor einem neutralen Hintergrund, dessen Farbigkeit mit dem intensiven Blau ihres Kleides kontrastiert. Diese betont malerischen Qualitäten und der nahsichtige Blickwinkel verleihen dem Bildnis seine starke Präsenz und forcieren den direkten Bezug zum Betrachter, auch wenn Elisabeth ihren Blick zur Seite gewandt hat. Für die Darstellung des reizenden Modells greift Renoir auf die Pastelltechnik als adäquates Medium zurück. Er knüpft damit bewusst an die Tradition des 18. Jahrhunderts an, als in Frankreich das Pastell gerade auf dem Gebiet der Porträtkunst eine Blütezeit erlebte. Im Unterschied zu der dichten, malerisch breit angelegten Oberflächengestaltung der Rokokopastelle kennzeichnet seine impressionistischen Arbeiten jedoch ein offenes, transparentes, stark bewegtes Strichsystem.
Christine Ekelhart, in: Klaus Albrecht Schröder (Hg.), Die großen Meister der Albertina (Kat. Best. Albertina, Wien 2008), Petersberg 2008, Nr. 187.
Wie für andere der Modernität verpflichtete Maler des späten 19. Jahrhunderts - Edouard Manet, Edgar Degas oder später auch Henri Toulouse-Lautrec - stand für den Impressionisten Renoir der Mensch im Zentrum des künstlerischen Interesses. Nachdem der junge Maler im Laufe der 1870er Jahre mit unglaublich lebendig wirkenden Figurenbildern Aufsehen erregt hatte, stieg er schnell zu einem der meist beachteten Porträtisten der Pariser Gesellschaft auf. Eindrucksvollstes Beispiel hierfür ist das grossformatige Gruppenbildnis Madame Charpentier mit ihren Kindern von 1878, das heute dem Metropolitan Museum in New York gehört.
Madame Charpentier war die Gattin des wohlhabenden Pariser Verlegers Georges Charpentier, der zu den wichtigsten Förderern des jungen Renoir zählte. 1879 veranstaltete er in den Räumlichkeiten der Zeitschrift La Vie moderne für den Künstler eine Ausstellung mit Pastellbildern, unter denen sich auch das vorliegende Mädchenbildnis befunden haben soll2. Das zauberhafte Werk zeigt die sechsjährige Elisabeth Maître (1873 - 1960), eine Nichte von Renoirs Freund Edmond Maître. Dieser Freund, den Renoir 1871 ebenfalls porträtierte, war ein hochbegabter Musiker, der sein Leben als Beamter auf der Pariser Präfektur verdiente3. Die kleine Elisabeth sitzt, von einer rotbraunen Stuhllehne hinterfangen, unmittelbar vor dem Betrachter, schaut aber mit einem Anflug von Schüchternheit an ihm vorbei in die Ferne. In ihrem himmelblauen Kleid wirkt sie adrett wie eine kleine Prinzessin; ihre langen braunen Haare werden von einer blauen Schleife zusammengehalten, und an ihrem Ohrläppchen funkelt eine winzige Perle.
1 Vgl. John Rewald, Die Geschichte des Impressionismus, Köln 1957. S. 223 f.. 242 f. und 247 f.
2 Vgl. Barbara Ehrlich White. Renoir: His Life, Art and Letters, New York 1984, S.88.
3 Das Porträt ist abgebildet in der oben zitierten Monographie von Barbara Ehrlich White auf S. 39.
zitiert aus: R. & H. Batliner Art Foundation (Hg.), Rudolf Koella (Konzept und Red.)/Felix Billeter (Wiss. Mitarb.), Verborgene Meisterwerke (Kat. Best. R. & H. Batliner Art Foundation, Vaduz 2005), Wien 2005, S. 28, Nr. 186.
IIIFPermalinkhttps://sammlungenonline.albertina.at/objects/305543/madchenbildnis-elisabeth-maitreImage Request