Venedig, die rosa Wolke (Ankerplatz bei der Giudecca)
Paul Signac
1909
Im März 1908 besucht Signac die Lagunenstadt zum zweiten Mal. Wie sehr ihn die Serenissima erneut in ihren Bann zieht, zeigt das vorliegende Großformat. Wie Claude Monet in seinen Venedigbildern aus derselben Zeit lässt Signac kalte und warme Farben gleichzeitig erklingen. Der Betrachter befindet sich auf der Fondamenta delle Zattere und schaut gegen die ins Abendlicht getauchte Isola di San Giorgio Maggiore. Palladios charakteristische Kirchenfassade, die ebenso leicht zu erkennen ist wie der schlanke Turm des Campanile der Kirche, leuchtet im sanften Licht der untergehenden Sonne. Darüber schwebt eine rosa Wolke, welche die Segelschiffe im Vordergrund in smaragdgrüne Schattentöne hüllt. Signac malt das Bild nicht en plein air, sondern im folgenden Jahr auf der Grundlage von vor Ort angefertigten Studien im Atelier.
In March 1908, Signac visited the Venetian lagoon for the second time. This large painting shows how the Serenissima captivated him once again. Like Claude Monet in his pictures of Venice from the same period, Signac played with cold and warm tones of colour. Bathed in the evening light, the Isola di San Giorgio Maggiore is viewed from the Fondamenta delle Zattere. Palladio’s characteristic church façade, which is as easily recognisable as is the slender tower of the campanile, glows in the soft light of the setting sun. A pink cloud above casts emerald green shadows on the sailing boats in the foreground. Signac did not execute this picture en plein air, but painted it in the following year in the studio, based on sketches made in situ.
Rahmenaußenmaß: 98 × 118 × 10,5 cm
Nach ersten Versuchen im Stile des Impressionismus schloss sich Signac 1884 dem vier Jahre älteren Georges Seurat an, der mit dem alten Pissarro den Kern der neoimpressionistischen Bewegung bildete. Während sich der introvertierte Seurat seinen Kollegen gegenüber eher distanziert verhielt, war Signac bestrebt, die Methoden des neuen Malstils zu erläutern und zu verbreiten. 1898-1899 publizierte er die Abhandlung D'Eugène Delacroix au néo-impressionisme, die den Divisionismus von der Farbtheorie des genialen Romantikers Delacroix herzuleiten versucht und die schließlich dazu führen sollte, dass Signac nach dem frühen Tod Seurats 1891 zum Chefideologen des Neoimpressionismus wurde.
Signac war ein leidenschaftlicher Segler, der sich mit seinem Boot bis in ferne Gewässer vorwagte. Kein anderer Maler der Zeit stellte so oft Hafenmotive dar wie er - ausgenommen vielleicht der holländische Maler Jongkind (1819-1891), über den Signac 1927 nicht zufällig ein Buch veröffentlichte1. Zu Signacs Entdeckungen gehörten unter anderen die Hafenstädte La Rochelle und Saint-Tropez, wo er sich 1897 niederließ.
Nachdem Signac Venedig 1904 ein erstes Mal besucht hatte, kehrte er im März 1908 in die Lagunenstadt zurück. Wie sehr ihn die Serenissima erneut in ihren Bann zog, zeigt unter anderem das vorliegende Großformat. Signac malte das Bild jedoch nicht vor dem Motiv, was angesichts der beträchtlichen Dimensionen kaum möglich gewesen wäre, sondern es ist erst im folgenden Jahr auf der Grundlage von in Venedig angefertigten Studien entstanden.
Der Betrachter befindet sich auf der Giudecca und schaut gegen die ins Abendlicht getauchte Isola di San Giorgio Maggiore. Palladios charakteristische Kirchenfassade, die ebenso leicht zu erkennen ist wie der schlanke Turm, der an den Campanile auf dem Markusplatz erinnert, leuchtet im sanften Licht der untergehenden Sonne. Darüber schwebt - Helligkeit reflektierend - eine rosa Wolke, welche die Segelschiffe im Vordergrund in smaragdgrüne Schattentöne taucht.
1 Paul Signac, Jongkind, Paris 1927.
zitiert aus: R. & H. Batliner Art Foundation (Hg.), Rudolf Koella (Konzept und Red.)/Felix Billeter (Wiss. Mitarb.), Verborgene Meisterwerke (Kat. Best. R. & H. Batliner Art Foundation, Vaduz 2005), Wien 2005, S. 58, Nr. 200.
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