Frau mit Kreuz
Nikolai Suetin
1928
1919 schließt sich der junge Suetin an der neuen revolutionären Kunstschule in Witebsk den Verfechtern der neuen Kunst – abgekürzt: UNOVIS – an, deren Vorbild ihr charismatischer Lehrer Kasimir Malewitsch ist. Nachdem Suetin 1922 mit Malewitsch nach St. Petersburg an das Staatliche Institut für künstlerische Kultur (GINCHUK) gewechselt hat, entwickelt er sich zu einem der wichtigsten Anhänger des Suprematismus. Mit dieser radikalsten Ausformung der abstrakten Kunst in Russland wird das Ziel verfolgt, Kunst in das alltägliche Leben einzubringen. So übertragen die Künstler ihre Maximen auch auf die Architektur sowie auf Gebrauchsgüter wie Möbel oder Porzellan. Das Bild Frau mit Kreuz von 1928, welches nach der Schließung des GINCHUK entsteht, macht Suetins Suche nach einer Balance zwischen gegenstandsloser Kunst und alltäglicher Welt deutlich.
In 1919, the young Suetin joined the Advocates of New Art (UNOVIS) group at the revolutionary art school in Vitebsk whose partisans followed the example of its charismatic teacher Kazimir Malevich. After Suetin had switched over to the State Institute of Artistic Culture (GINCHUK) in Saint Petersburg together with Malevich in 1922, he became one of the key supporters of Suprematism. This most radical form of abstract art in Russia aimed at introducing art into everyday life. Its proponents also applied their principles to architecture as well as to objects of utility such as furniture and porcelain. Suetin’s Woman with Cross from 1928, painted after GINCHUK had been shut down, exemplifies the artist’s search for a balance between nonrepresentational art and the everyday world.
Rahmenaußenmaß: 54,4 × 40 × 4,5 cm
1919 hatte sich der junge Suetin an der neuen revolutionären Kunstschule in Witebsk den Bejahern der neuen Kunst - abgekürzt: UNOWIS - angeschlossen, deren Vorbild ihr charismatischer Lehrer Kasimir Malewitsch war. Nachdem der junge Künstler 1922 mit Malewitsch nach St. Petersburg an das Staatliche Institut für künstlerische Kultur - kurz GINCHUK genannt gewechselt hatte, entwickelte er sich zu einem der wichtigsten Anhänger des Suprematismus. Mit dieser radikalsten Ausformung der abstrakten Kunst in Russland wurde das Ziel verfolgt, Kunst in das alltägliche Leben einzubringen. So übertrugen die Künstler ihre Maximen auch auf die Architektur sowie auf Gebrauchsgüter wie Möbel oder Porzellan. Auch das Bild Frau mit Kreuz von 1928, welches nach der Schließung des GINCHUK entstand, macht Suetins Suche nach einer Balance zwischen gegenstandsloser Kunst und alltäglicher Welt deutlich. Gegenständlich betrachtet zeigt er eine menschliche Halbfigur, die ein Kreuz schultert. Ob damit ein Heiliger oder vielleicht sogar Christus gemeint ist, lässt sich nicht sagen, denn die Figur wurde so stark stilisiert, bis alles Individuelle ausgemerzt war. Hat der Oberkörper die Form eines Trapezes, so setzt sich der Kopf aus zwei aneinander gefügten Kreissegmenten zusammen. Auf ganz Weniges reduziert ist auch die Palette des Künstlers, und da es sich bei den Farben vor allem um Rot- und Brauntöne handelt, verstärkt sich der Eindruck noch, dass es sich bei dieser Figur gar nicht um einen Menschen, sondern um eine Puppe handelt.
zitiert aus: R. & H. Batliner Art Foundation (Hg.), Rudolf Koella (Konzept und Red.)/Felix Billeter (Wiss. Mitarb.), Verborgene Meisterwerke (Kat. Best. R. & H. Batliner Art Foundation, Vaduz 2005), Wien 2005, S. 228, Nr. 205.
