Wasserliebe
Christian Ludwig Attersee
1990
Rahmenaußenmaß: 117,7 × 118,2 × 4,5 cm
Die Liebe zum Wasser ist dem aus Pressburg stammenden Künstler Christian Ludwig, der sich nach dem unter Wassersportlern sehr beliebten See im Salzkammergut Attersee nennt, seit seiner Jugend eigen. Als professioneller Sportsegler erntete er sogar internationalen Ruhm. Auch in Attersees Malerei spielt das Thema Wasser eine wichtige Rolle, allerdings in stark verschlüsselter Form. Wie Baselitz oder Lüpertz pflegt dieser Künstler die Realität nämlich stark ins Surreale zu verfremden. Im Frühjahr und Sommer 1990 arbeitete Attersee an zwei Bilderzyklen, die er poetisch Wasserliebe und Wassertanz nannte.l Das vorliegende, ganz in Hellblau und Weiß gehaltene Gemälde gehört, wie sein Titel beweist, in den ersten dieser beiden Zyklen. Eigenwillig daran ist, dass der Künstler hier auch den Rahmen bemalte, der damit bruchlos in das Bild einbezogen scheint, und nicht weniger ungewöhnlich ist der äußerst körperhaft wirkende krustige Farbauftrag. Die Deutung des Bildmotivs fällt schwer. Über einer glatten Wasserfläche mit extrem tiefem Horizont hängt ein riesiger Haifisch mit stark hervortretenden Augen, auf dessen furchterregender Schnauze eine kleine Maus hockt. Es scheint, als wolle der Räuber der See dem kleinen Säugetier behilflich sein, seinen Durst zu stillen. Wäre dies nicht wahre Wasserliebe?
1 Vgl. Ausst.-Kat. Christian Ludwig Attersee: Boot zur Braut, zwölf Feuchten zur Sonne, Museum moderner Kunst, Stiftung Ludwig. Wien 1993, S. 83.
zitiert aus: R. & H. Batliner Art Foundation (Hg.), Rudolf Koella (Konzept und Red.)/Felix Billeter (Wiss. Mitarb.), Verborgene Meisterwerke (Kat. Best. R. & H. Batliner Art Foundation, Vaduz 2005), Wien 2005, S. 396, Nr. 4.
