Traum ist es
Sam Francis
1962/63
Rahmenaußenmaß (DLR-GE42DL): 69,3 × 58,5 × 5,4 cm
Als sich der junge amerikanische Maler Sam Francis unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg in Paris niederließ, wurde er dort schnell zu einem der wichtigsten Vertreter der abstrakten Kunst. Ausgehend vom französischen Surrealismus, insbesondere von der Lehre des psychischen Automatismus, und tief beeindruckt von der ostasiatischen Tuschmalerei, entwickelte er im Laufe der fünfziger Jahre eine spezifische Methode der gestischen Abstraktion, die er nicht nur auf die Technik des Aquarells, sondern mit ebenso großer Meisterschaft auf die viel schwerer zu kontrollierende Ölmalerei anwandte. Bei dieser sehr spontanen Gestaltungsweise, die ihre Impulse ganz aus der Bewegung der Hand bezieht, wird die Farbe so flüssig aufgetragen, dass sie auf dem Malgrund Lachen bildet und in benachbarte Farbflächen eindringen kann. Wie leicht Sam Francis diese Technik von der Hand ging, zeigt sehr schön das Ölbild Traum ist es aus den Jahren 1962-1963, das, weil die Farbe sehr flüssig und durchscheinend aufgetragen ist, auf den ersten Blick fast wie ein Aquarell wirkt. Und wie meisterhaft ist es dem Künstler hier doch gelungen, die mit soviel technischer Raffinesse auf die Fläche getuschten Formen als völlig zufällig und spontan erscheinen zu lassen. Einen gegenständlichen Bezug sucht man in solchen Werken vergeblich; nicht einmal etwas vage Metaphorisches lässt sich darin ausmachen. Dass die quallenartigen Formen auf dem vorliegenden Bild an Meeresgetier oder an große Wasserblasen erinnern mögen, ist nicht angestrebt, sondern rein zufällig. Ebenso rätselhaft mutet aber auch der Bildtitel an: Handelt es sich dabei vielleicht um ein Zitat, oder wollte der Künstler damit zum Ausdruck bringen, er gehe, wenn er ein Bild male, wie im Traum vor?
Meistens tragen die Werke von Sam Francis indes keine Titel. Das gilt auch für die beiden kurz nach dem besprochenen Ölbild entstandenen Aquarelle in der Sammlung Batliner (Inv. DL306, Inv. DL307).
zitiert aus: R. & H. Batliner Art Foundation (Hg.), Rudolf Koella (Konzept und Red.)/Felix Billeter (Wiss. Mitarb.), Verborgene Meisterwerke (Kat. Best. R. & H. Batliner Art Foundation, Vaduz 2005), Wien 2005, S. 366, Nr. 69.
