835 Les penseurs
Friedensreich Hundertwasser
1982
Rahmenaußenmaß 95,8 × 95,8 × 7,3 cm
Der als Friedrich Stowasser 1928 in Wien geborene
Friedensreich Hundertwasser - das Pseudonym kann nur Programm gewesen sein - war lange das Enfant terrible der
internationalen Kunstszene. Sein
hoch gestecktes Ziel, Kunst
und Leben wieder näher zusammenzuführen, verfolgte er nicht nur als Maler und Graphiker, sondern
auch als ebenso produktiver Architekt
und Designer.
Mit dem 1982 entstandenen, äußerst dekorativ
wirkenden Bild Die Denker (Inv. GE145DL), das zu den Hauptwerken
des exzentrischen Künstlers gehört, scheint er wie
so oft politische Hoffnungen versinnbildlicht zu haben.
Sieben Figuren bewegen sich auf den
Betrachter zu, wobei von ihren Körpern nur gerade die weit ausholenden Beine
und Füße zu sehen sind.
Den Rest verbergen große flache Scheiben, die die Figuren anstelle von Köpfen
vor sich hertragen.
Auf diese Scheiben sind konzentrisch unregelmäßige Ringformen gezeichnet, die an
die Wachstumsringe von 388 Baumstämmen
erinnern. Links
oben schultert eine der Figuren zudem einen
starr ausgestreckten - also wohl
toten - Mann.
Die Aussage des Bildes ist schwer zu deuten. Verkörpert
die solidarisch vorwärts
stürmende Menschengruppe vielleicht die in
die Zukunft führende Straße zum Sozialismus, wie
sie ein anderes Bild des Künstlers in der
Sammlung Batliner mit eben diesem Titel
versinnbildlicht (Inv. GE222DL)? Eine geradeaus führende Straße
ist jedenfalls auch hier mit
dicken grünen Linien eingezeichnet.'
1 Im seinem neuen Werkverzeichnis äußert sich Hundertwasser etwas anders zu diesem Bild: «Eigentlich
sollte es ein Bild gegen die nivellierende herzlose
Architektur-Diktatur sein, die das Individuum Mensch erdrückt ...». Vgl. Andrea Christa Fürst, Hundertwasser, Werkverzeichnis, Köln 2002, Band II, Nr. 833.
zitiert aus: R. & H. Batliner Art Foundation (Hg.), Rudolf Koella (Konzept und Red.)/Felix Billeter (Wiss. Mitarb.), Verborgene Meisterwerke (Kat. Best. R. & H. Batliner Art Foundation, Vaduz 2005), Wien 2005, S. 388, Nr. 89.
