Kleines Lärchenbäumchen
Max Weiler
1987
Rahmenaußenmaß: 83,5 × 83,5 × 4 cm
Je älter Max Weiler wird – er stirbt 2001 im hohen Alter von 91 Jahren –, umso skizzenhafter wird seine Malerei. Dies schon deshalb, weil er nun anstatt Ölfarbe von Hand angerührte Eitempera verwendet, die von ihrer Konsistenz her viel weniger fett ist und die Bilder deshalb leichter und luftiger erscheinen lässt. Oft fühlt man sich geradezu an die fernöstliche Tuschpinselmalerei erinnert, die Weiler in der Tat sehr bewundert hat.
Der andere Grund, weshalb diese Bilder so skizzenhaft anmuten, erklärt sich aus dem Weg, den der Künstler bei ihrer Ausführung gegangen ist. Wie ihre Titel beweisen, stellen alle diese Bilder zwar ein Stück Natur dar – bei den vorliegenden Beispielen handelt es sich um Pflanzen und Bäume. Dies bedeutet aber nicht, dass diese Motive auf einen spontanen Augeneindruck zurückgehen, sie also „nach der Natur“ gemalt wurden. Wie man seit kurzem weiß, liegen ihnen Skizzen auf sogenannten „Probierblättern“ zugrunde. Was auf diesen kleinen Papieren mit Pinsel und Farbe festgehalten ist, stellt einerseits eine Art Fingerübung zur Lockerung der Hand dar, andererseits diente es dem Künstler als Vorlage für großformatige Bilder.[1]
Weiler selber beschrieb 1981 diese Arbeitsweise so: „Ich suche auf Probierblättern spannende Teile heraus, zeichne sie, so groß ich sie brauche, nach. Dieses [Vorgehen] scheint primitiv zu sein. Aber warum verfahre ich so? Weil es Dinge sind von mir und doch nicht von mir und ich sie in großem Maße meinen Bildgesetzen unterwerfen kann. – Natur und doch in unbewusster Verbindung mit meinem Wesen. Formal mir möglichst fremd gemacht und doch mit der Möglichkeit der gänzlichen Hereinnahme in mich. Durch Technik entfremdet, dem gewöhnlichen Malertrott entzogen und doch genommen und benützt. Und so lasse ich es wieder in das Unbewusste entschwinden.“[2]
Dass es sich bei diesen Bildern im Grunde um vergrößerte Zeichnungen handelt, spürt man als Betrachter umso deutlicher, als sie immer auf weißem Grund liegen. Umgekehrt können Weilers Zeichnungen so riesige Ausmaße annehmen, dass sie mehr wie Bilder wirken.[3] Anders ausgedrückt: In Max Weilers Schaffen liegen das Zeichnerische und das Malerische stets eng beieinander und inspirieren sich gegenseitig.
[1] Vgl. Margret Boehm, „Von mir entdeckt und doch Natur“ – Max Weilers „Probierpapiere“. Im Ausst.-Kat. Max Weiler. Die Natur der Malerei, Essl Museum Kosterneuburg / Wien 2010, S. 32 ff.
[2] A.a.O. S. 73.
[3] Vgl. dazu den Ausst.-Kat Max Weiler – Der Zeichner. Albertina Wien 2011.
R. & H. Batliner Art Foundation (Hg.), Rudolf Koella (Konzept und Red.), R. & H. Batliner Art Foundation. Neuerwerbungen 2005-2011 (Kat. Best. R. & H. Batliner Art Foundation, Vaduz 2012), Vaduz 2012, S. 104, Kat. 110.
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