Egon Schiele, Sitzender Frauenakt mit aufgestützten Ellbogen, Inv. Nr.: 31632
Sitzender Frauenakt mit aufgestützten Ellbogen
Egon Schiele, Sitzender Frauenakt mit aufgestützten Ellbogen, Inv. Nr.: 31632
Credit: ALBERTINA, Wien Image: ALBERTINA, Wien

Sitzender Frauenakt mit aufgestützten Ellbogen

Egon Schiele

1914




Im Sitzenden weiblichen Akt mit aufgestützten Ellbogen strebt Schiele eine komplizierte Verschraubung des Körpers mit vielfältigen Verkürzungen und Überschneidungen an. Ruhig blickt die Frau dem Betrachter in die Augen. Durch die Kombination mit der exzessiven Sexualität der Frau liegt ihre provokative Wirkung geradezu in der Unausweichlichkeit der visuellen Ansprache des Betrachters: Das Modell betrachtet die Besichtigung seines Körpers.



Künstler:in (Tulln 1890 - 1918 Wien)
Date1914
Object TypeZeichnung
Object typeDrawing
Materials / TechniquesBleistift, Deckfarben, auf Japanpapier
Dimensions48 × 32 cm
Rahmenaußenmaß 68,2 × 46,5 × 3,4 cm
CreditALBERTINA, Wien
Object number31632
Inscribedverso: "Dem verdienstvollen Gründer des Schiele-Archivs, Herrn Max Wagner, in Hochschätzung und Dankbarkeit Heinrich Benesch (18.6.1946)"
SignedM.u. "EGON / SCHIELE / 1914" umrahmt;
MarkingsSammlerstempel: verso Stempel Schiele Archiv
Text

Im „Sitzenden weiblichen Akt mit aufgestützten Armen“ strebt der Künstler eine komplizierte Verschraubung des Körpers mit vielfältigen Verkürzungen und Überschneidungen an. Rudolf Leopold hat auf deren Verwandtschaft zur männlichen Aktfigur in #Ferdinand Hodlers „Der Frühling“ von 1901 (Museum Folkwang, Essen, http://sammlung-online.museum-folkwang.de/eMuseumPlus?service=ExternalInterface&module=collection&objectId=3028&viewType=detailView§) hingewiesen (Leopold 1972, S. 314). Selbst Details wie der unnatürlich vorspringende Hüftknochen der Frau sind bei #Hodler vorgebildet. Die exzentrische Komposition mit einer fast geradlinien Vertikalen auf der rechten Körperseite und – asymmetrisch dazu – dem ausladenden weggeklappten linken Bein verbindet in einer Falllinie die signalhaft rot akzentuierten Konzentrationspunkte von Mund, Brustwarze und Genital. Ruhig blickt die Frau dem Betrachter in die Augen: Durch die Kombination mit der exzessiven Sexualität der Frau liegt ihre provokative Wirkung geradezu in der Unausweichlichkeit der visuellen Ansprache des Betrachters. Das Modell betrachtet die Besichtigung ihres Körpers. Bis heute macht diese Blickregie zwischen dem exponierten Modell und dem Betrachter die Brisanz dieser offenherzigen Werke Schieles aus. #Müller-Tamm hat auch darauf hingewiesen, dass das offen dargelegte und ausgestellte Geschlecht so wie Brustwarzen zu einem, dem Auge gleichwertigen magischen Zentrum werden können: daher rührt das Prinzip der Auszeichnung der primären und sekundären Geschlechtsmerkmale mit anaturalistischen Farben.

Klaus Albrecht Schröder (Autor und Hg.), Egon Schiele (Kat. Ausst., Albertina, Wien 2005/2006), München, Berlin, London, New York 2005, S. 285-286.

Catalogue raisonné
  • Kallir Drawings 1990/1998, 1490
  • Bibliography
  • AK Albertina 1948, Nr. 194
  • AK Zürich 1958, Nr. 65
  • Benesch 1958, S. 62
  • AK Albertina 1959 a, Nr. 87
  • AK Darmstadt 1967, Nr. 66, Abb.
  • AK Albertina 1968, Nr. 230, Abb.
  • Leopold 1972, Tafel 141
  • Comini 1974, Tafel 122
  • AK München 1975, Nr. 220, Abb.
  • Wilson 1980, Tafel 73
  • Whitford 1981, Abb. 114
  • AK Hamburg 1981, Nr. 215, Abb.
  • Malafarina 1982, Tafel XXVI, Nr. D 69
  • AK Albertina 1990, Nr. 118, Abb.
  • Steiner 1991, S. 58
  • Fischer 1994, S. 100
  • Schröder 1995, S. 105
  • AK Paris 2001 a, S. 145, Abb.
  • AK Amsterdam 2005, S. 107, Abb.
  • Klaus Albrecht Schröder (Autor und Hg.), Egon Schiele (Kat. Ausst., Albertina, Wien 2005/2006), München, Berlin, London, New York 2005, Nr. 157
  • Helmut Friedel und Helena Pereña (Hg.), Egon Schiele "Das unrettbare Ich". Werke aus der Albertina, Ausst.- Kat. Städtische Galerie im Lenbachhaus München, Köln 2011, Nr. 108
  • Klaus Albrecht Schröder, in: Museo Guggenheim Bilbao (Hg.), Egon Schiele. Obras del Albertina Museum, Viena, (Kat. Ausst., Museo Guggenheim Bilbao, Bilbao 2012/2013), Bilbao 2012, S. 156-157 (in spanischer Sprache)
  • Provenance
  • Heinrich Benesch (1862-1947), Wien
  • 1946 Geschenk an Max Wagner (1882-1954), Wien
  • 1955 erworben von dessen Witwe Johanna Wagner (1884-1957), Wien

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    Last edited29.11.2024