Sitzender Frauenakt mit aufgestützten Ellbogen
Egon Schiele
1914
Im Sitzenden weiblichen Akt mit aufgestützten Ellbogen strebt Schiele eine komplizierte Verschraubung des Körpers mit vielfältigen Verkürzungen und Überschneidungen an. Ruhig blickt die Frau dem Betrachter in die Augen. Durch die Kombination mit der exzessiven Sexualität der Frau liegt ihre provokative Wirkung geradezu in der Unausweichlichkeit der visuellen Ansprache des Betrachters: Das Modell betrachtet die Besichtigung seines Körpers.
Rahmenaußenmaß 68,2 × 46,5 × 3,4 cm
Im „Sitzenden weiblichen Akt mit aufgestützten Armen“ strebt der Künstler eine komplizierte Verschraubung des Körpers mit vielfältigen Verkürzungen und Überschneidungen an. Rudolf Leopold hat auf deren Verwandtschaft zur männlichen Aktfigur in #Ferdinand Hodlers „Der Frühling“ von 1901 (Museum Folkwang, Essen, http://sammlung-online.museum-folkwang.de/eMuseumPlus?service=ExternalInterface&module=collection&objectId=3028&viewType=detailView§) hingewiesen (Leopold 1972, S. 314). Selbst Details wie der unnatürlich vorspringende Hüftknochen der Frau sind bei #Hodler vorgebildet. Die exzentrische Komposition mit einer fast geradlinien Vertikalen auf der rechten Körperseite und – asymmetrisch dazu – dem ausladenden weggeklappten linken Bein verbindet in einer Falllinie die signalhaft rot akzentuierten Konzentrationspunkte von Mund, Brustwarze und Genital. Ruhig blickt die Frau dem Betrachter in die Augen: Durch die Kombination mit der exzessiven Sexualität der Frau liegt ihre provokative Wirkung geradezu in der Unausweichlichkeit der visuellen Ansprache des Betrachters. Das Modell betrachtet die Besichtigung ihres Körpers. Bis heute macht diese Blickregie zwischen dem exponierten Modell und dem Betrachter die Brisanz dieser offenherzigen Werke Schieles aus. #Müller-Tamm hat auch darauf hingewiesen, dass das offen dargelegte und ausgestellte Geschlecht so wie Brustwarzen zu einem, dem Auge gleichwertigen magischen Zentrum werden können: daher rührt das Prinzip der Auszeichnung der primären und sekundären Geschlechtsmerkmale mit anaturalistischen Farben.
Klaus Albrecht Schröder (Autor und Hg.), Egon Schiele (Kat. Ausst., Albertina, Wien 2005/2006), München, Berlin, London, New York 2005, S. 285-286.
IIIFPermalinkhttps://sammlungenonline.albertina.at/objects/3092/sitzender-frauenakt-mit-aufgestutzten-ellbogenImage Request