Park Bild
Paul Klee
1933, 254 (X 14)
Die einzelnen Pinselstriche erscheinen an vielen Stellen mit zu viel Nachdruck gesetzt, die von ihnen gebildeten Ströme, Flächen und Kringel zu absichtsvoll voneinander abgeleitet, als dass man in "Park bild" eine auf gute Form zielende Komposition erkennen könnte. Die für Klees Kunst ungewöhnlich heftigen Verdichtungen am rechten Bildrand und die Unregelmäßigkeit im Rhythmus des Pinselauftrags passen weder zu den gleichmäßigen Oberflächenstrukturen seiner "Tüpfelbilder" der frühen 30er-Jahre noch zu den wie aus Fasern zusammengesetzten, plastisch wirkenden Figurationen dieser Zeit. Mit Hilfe des Bildtitels kann man sich eine von tosenden Elementen umströmte, entfernte Pflanzengruppe vorstellen, die von einem Gewässer gespiegelt wird. Den Vordergrund bilden vom rechten Rand in den Bildausschnitt herabhängende Zweige sowie ein "Baum", der die untere Bildhälfte vertikal durchschneidet und sich mit seiner Krone an jene fernere Pflanzengruppe anschließt. Für diese konkrete Auslegung ist allerdings sehr viel Fantasie vonnöten, da der Künstler hierfür keine ausreichenden Anhaltspunkte liefert. Die Mehrdeutigkeit im Formalen zeigt sich, wenn man den rechten Bildrand der Komposition als den unteren nimmt und sie damit nach rechts ins Querformat kippt. Das Blatt bekommt auf diese Art ein "Gesicht", zumindest in Gestalt eines von Haarbüscheln umwogten Fokus auf Stirn, Augen- und Nasenpartie eines menschenähnlichen Kopfes. Ob mit oder ohne Absicht, greift Klee mit der Asymmetrie der Augenzone sowie mit der die Stirn dominierenden Kombination aus Rot- und Rosatönen ähnliche Eigenschaften einer sehr bekannten Fassung seiner Selbstbildnisse auf: Die Darstellung "Baldgreis" oder "Senecio" von 1922 (WV 181, Kunstmuseum Basel) bezog sich mit ihren Titeln nicht nur auf das Ende der Jugend des damals 42-jährigen Bauhauslehrers, sondern auch auf das weltweit verbreitete Gewächs Senecio. Die im lateinischen "senex" (Greis) wurzelnde wissenschaftliche Bezeichnung dieser Pflanze spielt auf die Ähnlichkeit der weißen Fruchtkronen verblühter Exemplare mit menschlichem Greisenhaar an. Als Greiskraut im Deutschen wird es durch Lautverschiebung auch Kreuzkraut genannt. Damit ist der Bezug zur Kreuzform gegeben, die nicht nur das Selbstporträt von 1922 prägt. Sie ist auch in unserem Blatt in Gestalt der in der Bildmitte bzw. im "Stirnbeinansatz" des Gesichtausschnitts einander kreuzenden Bildachsen recht auffallend. Klee mag das "Kreuz" des Altwerdens im Entstehungsjahr, als Hitler in Deutschland die Macht übernahm, als besonders belastend empfunden haben. Er hatte mit seiner Familie nach dem Wechsel von dem bereits 1931 durch die Nationalsozialisten bedrängten Bauhaus zu einer Professur an der Düsseldorfer Akademie nach Monaten der Trennung endlich eine gemeinsame Bleibe in Düsseldorf gefunden (Klee 1979, 6. April 1933). Am 21. April 1933 wurde er dort jedoch fristlos von seinem Posten beurlaubt.
Marietta Mautner Markhof, in: Klaus Albrecht Schröder (Hg.), Die großen Meister der Albertina (Kat. Best. Albertina, Wien 2008), Petersberg 2008, Nr. 246.
