Südliche Landschaft mit Gebirgszug und Flussebene
Jan de Bisschop
um 1650-1660
Jan de Bisschop, der nach 1652 als Rechtsanwalt am Haager Gerichtshof tätig war, trat als bedeutender Kenner der Antike hervor. Darüber hinaus erlangte er mit seinen Zeichnungen und druckgrafischen Arbeiten große Berühmtheit. Über seine Ausbildung besteht keine Sicherheit; man vermutet aber, dass er in Amsterdam nach der Vollendung der Lateinschule von #Bartholomeus Breenbergh, der sich zwischen 1619 und 1629 in Rom aufgehalten hatte (siehe Inv. 9366), unterrichtet wurde. Bei ihm könnte er weitere in Rom entstandene Zeichnungen von Künstlern wie #Herman van Swanevelt, #Cornelis van Poelenburch, #Claude Lorrain oder #Nicolas Poussin studiert haben.
Das umfangreiche zeichnerische Œuvre von Jan de Bisschop (siehe Inv. 10112) enthält Kopien nach Gemälden, Zeichnungen und Stichen von zeitgenössischen und alten Meistern, Zeichnungen nach antiken Skulpturen, einige wenige Porträts und Genreszenen sowie eine große Gruppe von Stadtansichten und Landschaftszeichnungen. Obwohl de Bisschop nie in Italien war, weisen viele seiner Landschaftsblätter einen südlichen Charakter auf. Umso erstaunlicher ist die Tatsache, dass er die südlichen Lichtverhältnisse höchst überzeugend zu vermitteln wusste. Dies gilt besonders für die vorliegende Zeichnung, in der eine Hügellandschaft, die an die römische Campagna denken lässt, vom schräg einfallenden Sonnenlicht beschienen wird. Die Darstellung lebt von den Gegenlichteffekten: Die hellen, vom Pinsel ausgesparten Papierstellen heben sich suggestiv von den Lavierungen ab. So lösen sich die Landschaftsformen in Licht- und Schattenpartien auf, wobei die verschiedenen Nuancen der Tinte subtil ineinanderfließen und der Esel und sein Begleiter markante Akzente bilden. Der leicht erhöhte Betrachterstandpunkt ermöglicht einen weiten Blick über die Ebene. In einem erstaunlich kleinen Format wird hier ein höchst konzentrierter Eindruck von Räumlichkeit und südlicher Atmosphäre vermittelt.
Die oben beschriebene Laviertechnik ist charakteristisch für de Bisschops Zeichenstil der 1650er-Jahre. Ein wesentliches Merkmal seiner Arbeiten ist die rostbraune, aus Tusche und Kupferrot hergestellte Mal- und Zeichensubstanz, die im 18. Jahrhundert als "Bisschops Inkt" bezeichnet wurde.
Marian Bisanz-Prakken, in: Klaus Albrecht Schröder (Hg.), Die großen Meister der Albertina (Kat. Best. Albertina, Wien 2008), Petersberg 2008, Nr. 93.
IIIFPermalinkhttps://sammlungenonline.albertina.at/objects/30957/sudliche-landschaft-mit-gebirgszug-und-flussebeneImage Request