Eine kesselputzende Küchenmagd und zwei scherzende Männer
Jacob Toorenvliet
frühe 1680er-Jahre
Zu den für Jacob Toorenvliet charakteristischen Motiven gehören Darstellungen von einzelnen oder in kleinen Gruppen arrangierten Halbfiguren, oft in Gestalt von ungleichen Paaren, mythologischen Liebespaaren oder Männern und Frauen beim Musizieren. Das Bildmotiv der Küchenmagd, deren Arbeit von männlichen Zudringlichkeiten unterbrochen wird, ist mehrfach bei Toorenvliet anzutreffen, so auch in der ausgestellten Zeichnung. Drei Hauptfiguren bestimmen die Szene: die im Zentrum stehende junge Frau, die im Begriff ist, einen auffällig glänzenden Kupfertopf zu polieren; der im einem Fantasiekostüm des 16. Jahrhunderts bekleidete, offensichtlich in angeheitertem Zustand befindliche Mann, der seinen Arm um den Hals der kaum widerstrebenden Küchenmagd legt, und ein weiterer, im Schatten stehender Mann - ein Diener? - auf der linken Seite, der einen Krug hält und auf einen auffällig im Vordergrund platzierten Krautkopf zeigt. Diese eindeutig erotisch geprägte Szene spielt sich vor einer antiken Idealkulisse ab - ein Hinweis auf Toorenvliets italienische Inspirationen. Im Typus des um die Frau werbenden Mannes scheint sich der Künstler an der italienischen Porträttradition des 16. Jahrhunderts orientiert zu haben. Auf Toorenvliets Verbundenheit mit der Leidener Feinmalerei verweist die sorgfältige Wiedergabe des Krautkopfes und des kupfernen Topfes. Flämisch inspiriert erscheint die lockere Kreide- und Pinselarbeit zu sein, die sich vor allem in der Wiedergabe des Liebespaares manifestiert, wobei die schwarze und die rote Kreide - wie in vielen anderen Zeichnungen von Toorenvliet - eine wichtige Rolle spielen.
Das Blatt ist vermutlich in den frühen 1680er-Jahren entstanden; die Signatur "Toornvliet" (statt "Toorenvliet") zeigt sich erst in den Werken, die der Künstler nach seiner 1679 erfolgten Rückkehr aus Wien geschaffen hat. Gleichzeitig ist festzuhalten, dass es im Verlaufe der 1680er-Jahre zu einer Abnahme der halbfigurigen Kompositionen zugunsten von Darstellungen mit mehreren Figuren gekommen ist.
Innerhalb des zeichnerischen Œuvres des Künstlers steht die bildhaft durchgeführte Arbeit ganz für sich, wobei die Möglichkeit, dass sie im Rahmen einer Serie entstanden ist, nicht auszuschließen ist.
Das Zeitalter Rembrandts, Ausstellungskatalog, hg. von K. A. Schröder und M. Bisanz-Prakken, Albertina, Wien, Ostfildern 2009, Abb. 105, S. 226.
IIIFPermalinkhttps://sammlungenonline.albertina.at/objects/31011/eine-kesselputzende-kuchenmagd-und-zwei-scherzende-mannerImage Request