Joseph Fischer, Abendgesellschaft im Palais Fries, Inv. Nr.: DG2007/349
Abendgesellschaft im Palais Fries
Joseph Fischer, Abendgesellschaft im Palais Fries, Inv. Nr.: DG2007/349
Credit: ALBERTINA, Wien Image: ALBERTINA, Wien

Abendgesellschaft im Palais Fries

Joseph Fischer

1800




Der aus einem alten Schweizer Patriziergeschlecht stammende Moritz von Fries (1777–1826) galt um 1800 als einer der reichsten Männer der österreichischen Monarchie. Zwischen 1794 und 1797 hatte er in Leipzig studiert und stand dort durch Vermittlung seines Erziehers Franz Christian Lerse mit dem Goethe-Kreis in Kontakt. 1800 heiratete er die Prinzessin Maria Josefa Hohenlohe-Waldenburg-Schillingfurst und damit in eines der ältesten Häuser des Hochadels (Doppelporträt von François Gérard, 1804; Wien, Belvedere).

Im Palais der Familie am Wiener Josefsplatz im 1. Bezirk (heute: Palais Pallavicini) gab der Graf regelmäßig Abendgesellschaften, bei denen Hochadel und Kunstliebhaber aufeinandertrafen. Eine solche Soirée ist in diesem "nach der Natur" radierten Blatt dargestellt. Man betrachtete und diskutierte gemeinsam über Werke aus der umfangreichen Kunstsammlung des Grafen, in dessen Besitz sich 300 Gemälde (u.a. von Rembrandt, Raphael, Dürer und van Dyck) sowie Zeichnungen (u.a. die Entwürfe Fügers zu Klopstocks Messiade oder Lavaters Sammlung physiognomischer Porträtstudien, die Fries nach Lavaters Tod erworben hatte), 100.000 Kupferstiche sowie eine Bibliothek mit 16.000 Bänden befanden. Der vor dem präsentierten Blatt in der Mitte stehende Mann mit steiler Stirn und nachdenklich aufgestütztem Arm ist unverkennbar Herzog Albert von Sachsen-Teschen, der sicherlich auch häufig an den – nur wenige Schritte von seinem eigenen Palais entfernten – Soiréen am Josefsplatz teilnahm.

Ludwig von Beethoven, der im Palais musizierte, widmete seine siebente Symphonie Moritz von Fries, der ihm dafür einen jährlichen Sold von mehreren tausend Gulden zusicherte. Ab 1810 hatte Fries jedoch zunehmend finanzielle Probleme und war gezwungen, seine berühmte Kunstsammlung aufzulösen. 1816 kam es zu Versteigerungen in Amsterdam, London und Wien, wo Albert von Sachsen-Teschen über 100 Zeichnungen erwarb, darunter Werke von Rembrandt, Peter Paul Rubens, Albrecht Dürer sowie Peter Lely und Sébastien Le Clerc. Der Graf, der 1825 die nicht standesgemäße französische Tänzerin Fanny Münzenberg, alias Lombard, geheiratet hatte, ging nach Paris, wo er ein Jahr später verarmt verstarb. Das tragische Schicksal des einst so reichen Mannes regte Ferdinand Raimund angeblich 1833 zu seinem Stück »Der Verschwender« an.

 



Künstler:in (Wien 1769 - 1822 Wien)
Date1800
Object TypeDruckgraphik
Object typePrint
Materials / TechniquesAquatinta und Ätzradierung
DimensionsBlatt: 17 x 25 cm
CreditALBERTINA, Wien
Object numberDG2007/349
Inscribedd'après nature par J. Fischer, 1800
WatermarkWasserzeichen entlang des linken Bildrandes
Bibliography
  • Albertina-Studien, 1963, II, S. 89, Abb. 3: AK Prince de Ligne, 1982, Nr. 4.09
  • AK 200 Jahre Albertina, 1969, S. 128, Nr. 190
  • Eva Michel, „Vielleicht die schönste und erlesenste in Europa“. Die Sammlung Herzog Alberts von Sachsen-Teschen. In: Ausst.-Kat. Die Gründung der Albertina. 100 Meisterwerke der Sammlung, hrsg. von Klaus Albrecht Schröder, Ostfildern 2014, S. 13–33, hier S. 24, Abb. ebenda, S. 25.
  • Provenance
  • Alter Bestand (Hofbibliothek)

  • IIIF Logo IIIFPermalinkhttps://sammlungenonline.albertina.at/objects/310555/abendgesellschaft-im-palais-friesImage Request
    Last edited18.03.2026

    Heinz Stangl, Abendgesellschaft, Inv. Nr.: 41897
    Heinz Stangl
    1993