Vexierbild: Buhlszene
Peter Flötner
um 1538
Ein Vexierbild verschleiert mittels optischer Verzerrungen etwas, was nur für die Eingeweihten sichtbar sein soll, die eine solche Augentäuschung zu enträtseln wissen. Eine praktische Anwendung kennen wir aus dem Alltag, nämlich als auf die Straßenoberfläche applizierte Verkehrszeichen, die sich den sich mit dem Auto, zu Rad oder zu Fuß Nähernden durch die optische Verkürzung formgerecht darbieten. Die Verzerrung kann so extrem sein, dass in Normalansicht eine Identifizierung des Motivs kaum möglich ist. Zu alledem wird das verfremdete Motiv gerne in die tiefenräumliche Staffelung einer Landschaft integriert.
So zeigt das Blatt links auf dem Lotterbett ein sogenanntes ungleiches Paar aus junger Frau und altem Mann, das sich ein Stelldichein gibt. Sie greift ihm in die Börse und gibt die Beute an einen jungen Galan weiter, während hinter dem Alten ein Narr mit der obszönen Geste des Gehörnten feixt. Die Landschaft rechts ist Schauplatz weiterer Geselligkeiten.
Am linken Bildrand fordert ein Auge dazu auf, scharf nach rechts über das Blatt zu blicken, und schon wird man Zeuge schamlosesten Treibens: Die Männer tauschten die Rollen, das junge Glück hat sich der Kleidung entledigt und fummelt ungeniert an den äußeren Geschlechtsteilen des Partners. Der Alte ist gleichfalls entblößt und damit auch bloßgestellt: Mit der Ansage »AVS .DV. ALTER .TOR« weisen ihm die Liebenden die Tür.
vgl. Christof Metzger in: Faszination Papier, hrsg. von Ralph Gleis, Katharina Hövelmann, Elsy Lahner, Eva Michel (Ausst.-Kat. Albertina, Wien), Wien 2025, S. 46
