White Clock Painting
Ross Bleckner
2009
Rahmenaußenmaß: 127 × 127 cm
Blumenbilder gibt es im Schaffen von Ross Bleckner viele, und sie treten in ganz verschiedenen Phasen seiner künstlerischen Entwicklung auf. Die beiden Beispiele aus der Sammlung Batliner (siehe auch Inv. GE339DL) stammen aus neuester Zeit, und beide zeichnen sich durch eine besondere Farbenpracht aus. Allerdings kann man nicht erkennen, um welche Blumen es sich handelt. Wie im Bild AC over DG (Inv. GE313DL) bewegt sich der Malstil auf dem schmalen Grat zwischen Nachahmung und freier Erfindung, und wie dort ist die Formenwelt in einen Bildraum gebettet, der weder vorne noch hinten, weder unten noch oben kennt. Würde man diese Bilder verkehrt herum aufhängen, würde dies wohl kaum jemand bemerken.
Der Haupteindruck, der von diesen beiden Bildern ausgeht, ist der einer dekorativen Flächenfüllung, ähnlich wie dies gewisse europäische Maler um 1900 anstrebten. So fühlt man sich nicht nur an die Blumenbilder von Odilon Redon erinnert, sondern auch an die frühen Abstraktionen des Schweizers Augusto Giacometti. Beide sind Maler, für die nicht der Inhalt ihrer Bilder, sondern die Form wichtig war.
Ganz ohne symbolischen Hintersinn sind aber Bleckners Blumenbilder nicht. Wie der Titel dieses Bildes belegt, imitiert hier das runde Blumenarrangement das Zifferblatt einer Uhr. Die Uhr gilt seit eh und je als ein Memento mori: Sie erinnert daran, dass wir alle sterblich sind. Aber auch die Blumen sind ja, weil sie schnell welken, in der Stilllebenmalerei des 17. Jahrhunderts oft als Symbol der Vergänglichkeit eingesetzt.
R. & H. Batliner Art
Foundation (Hg.), Rudolf Koella (Konzept und Red.), R. & H. Batliner Art
Foundation. Neuerwerbungen 2005-2011 (Kat. Best. R. & H.
Batliner Art Foundation, Vaduz 2012), Vaduz 2012, S. 132, Kat. 15.
