Waldlandschaft mit Eberjagd
Gerrit Battem
1670er-Jahre
Gerrit Battem ist vor allem wegen seiner sorgfältig ausgeführten, fein detaillierten Landschaftsgouachen bekannt, die zu mehreren Bewunderern ihren Weg fanden. Auch Herzog Albert von Sachsen-Teschen erwarb von diesem Künstler insgesamt sieben Gouachen, die dessen ganzes thematisches Spektrum abdecken. So besitzt die Albertina von Battem eine frühe Grisaille mit der Darstellung eines Kalvarienbergs, eines der seltenen Stadtpanoramen (Inv. 10789) sowie fünf imaginäre Landschaftsdarstellungen. Aus der letztgenannten Kategorie werden hier drei Ansichten gebirgiger Flusslandschaften präsentiert (Inv. 10791, 10792, 10793), die trotz ihres Fantasiecharakters eine erstaunlich unmittelbare Frische besitzen. Die meisten der imaginären Landschaftsgouachen von Battem sind vermutlich in den 1670er-Jahren entstanden. Sowohl in der Wahl seiner Motive als auch in der Kombination verschiedener Stilelemente ging Gerrit Battem äußerst eklektisch vor. In seinen kulissenartig angelegten Szenerien brachte er die verschiedenen Landschafts- und Architekturelemente versatzstückmäßig an; manchmal findet sich ein und dasselbe Motiv in mehreren Kompositionen wieder. Seine Inspirationsquellen reichen dabei von den Landschaften #Pieter Bruegels des Älteren sowie #Roelant Saverys und weiterer flämischer Meister um 1600 bis zu seinem Lehrmeister, dem Rembrandt-Schüler #Abraham Furnerius, oder aber #Herman Saftleven, von dessen Werk er zwischen 1667 und 1669 in Utrecht Kenntnis erlangen konnte. Vor allem die imaginären Rheinlandschaften Saftlevens (Inv. 9052) könnten Battem wesentlich angeregt haben. In der Gouache "Waldlandschaft mit Eberjagd" gemahnt die malerische Dichte der Waldpartie mit der von einem Baumstamm gebildeten Überbrückung des brausenden Gewässers wiederum an Saverys Waldansichten, etwa an die "Felsige Waldlandschaft mit Bachübergang" (Inv. 9064). Das Motiv der Eber- oder Hirschjagd ist bei Battem häufig anzutreffen. Die beiden Landschaften (Inv. 10791, 10793), die vom Typus her weder als holländisch noch als italienisch zu bezeichnen sind, werden von einem goldenen, südlich anmutenden Licht dominiert, das den Farben eine besondere Klarheit verleiht. Auch in dieser Hinsicht erinnern die Gouachen von Battem an Saftlevens imaginäre Darstellungen von felsigen Flusslandschaften. Die das vorgerückte 17. Jahrhundert kennzeichnende Renaissance der älteren Ideallandschaft kann als Gradmesser für eine Ästhetik angesehen werden, die von einer Vorliebe für das Kleinteilige und Preziöse bestimmt ist. Innerhalb dieser Geschmacksrichtung nimmt Gerrit Battem mit seinen autonomen Landschaftsgouachen einen unverwechselbaren Platz ein.
Das Zeitalter Rembrandts, Ausstellungskatalog, hg. von K. A. Schröder und M. Bisanz-Prakken, Albertina, Wien, Ostfildern 2009, Abb. 151, S. 316-320.
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