Leda und der Schwan
Cornelis Bos
zwischen 1526 und 1556
Der griechischen Mythologie zufolge wurde Leda, die Gattin des Königs von Sparte, von Zeus in Gestalt eines Schwans verführt und wurde gleichzeitig von ihm und ihrem Mann schwanger. Sie gebar zwei Eier mit vier Kindern, Helena, Pollux, Klytaimnestra und Kastor. Das erotische Motiv erfreute sich großer Beliebtheit und wurde von Michelangelo in einem seiner wenigen Tafelbilder durch die explizite fokussierte Schilderung der sexuellen Vereinigung und Ledas gelassen-genießende Haltung auf provokative Weise umgesetzt. Das 1530 fertiggestellte Gemälde für Alfonso I. d'Este, den Herzog von Ferrara, wurde 1532 von Antonio Mini, einem Mitarbeiter Michelangelos, nach Lyon gebracht, später kam es nach Fontainebleau, wo es angeblich im 17. Jahrhundert aufgrund der unmoralischen Darstellung zerstört werden sollte. Das Original scheint tatsächlich verloren, ist aber durch mehrere Gemäldekopien und Stiche überliefert. In Cornelis Bos‘ äußerst detailliertem Kupferstich (Inv. It/II/16/28; das vorliegende Exemplar Inv. DG2010/261 ist eine spiegelbildliche Wiederholung), der wahrscheinlich direkt auf dem Gemälde basiert, sind neben Ledas linkem Fuß die beiden Knaben zu erkennen, davor im Ei die ungeborene Helena (die spätere Auslöserin des Trojanischen Krieges). Auffallend und irritierend ist der extrem muskulöse Körper der Leda, der trotz der aufgesetzten Brust wenig weiblich wirkt und vielmehr ein männliches Modell vermuten lässt.
