Cornelis Bos, Leda und der Schwan, Inv. Nr.: DG2010/261
Leda und der Schwan
Cornelis Bos, Leda und der Schwan, Inv. Nr.: DG2010/261
Credit: ALBERTINA, Wien Image: ALBERTINA, Wien

Leda und der Schwan

Cornelis Bos

zwischen 1526 und 1556




Der griechischen Mythologie zufolge wurde Leda, die Gattin des Königs von Sparte, von Zeus in Gestalt eines Schwans verführt und wurde gleichzeitig von ihm und ihrem Mann schwanger. Sie gebar zwei Eier mit vier Kindern, Helena, Pollux, Klytaimnestra und Kastor. Das erotische Motiv erfreute sich großer Beliebtheit und wurde von Michelangelo in einem seiner wenigen Tafelbilder durch die explizite fokussierte Schilderung der sexuellen Vereinigung und Ledas gelassen-genießende Haltung auf provokative Weise umgesetzt. Das 1530 fertiggestellte Gemälde für Alfonso I. d'Este, den Herzog von Ferrara, wurde 1532 von Antonio Mini, einem Mitarbeiter Michelangelos, nach Lyon gebracht, später kam es nach Fontainebleau, wo es angeblich im 17. Jahrhundert aufgrund der unmoralischen Darstellung zerstört werden sollte. Das Original scheint tatsächlich verloren, ist aber durch mehrere Gemäldekopien und Stiche überliefert. In Cornelis Bos‘ äußerst detailliertem Kupferstich (Inv. It/II/16/28; das vorliegende Exemplar Inv. DG2010/261 ist eine spiegelbildliche Wiederholung), der wahrscheinlich direkt auf dem Gemälde basiert, sind neben Ledas linkem Fuß die beiden Knaben zu erkennen, davor im Ei die ungeborene Helena (die spätere Auslöserin des Trojanischen Krieges). Auffallend und irritierend ist der extrem muskulöse Körper der Leda, der trotz der aufgesetzten Brust wenig weiblich wirkt und vielmehr ein männliches Modell vermuten lässt.



Künstler:in (Den Bosch 1506 - 1556 Groningen)
Nach (Caprese 1475 - 1564 Rom)
Datezwischen 1526 und 1556
Object TypeDruckgraphik
Object typePrint
Materials / TechniquesKupferstich
DimensionsBlatt: 27,7 x 40,7 cm
CreditALBERTINA, Wien
Object numberDG2010/261
Signedl.u. "MIHAEL.ANGELUS.INV." im Druck
Im Kontext der Sammlung
Dieses Blatt befindet sich auf Seite It/II/16/29 des Klebebandes Italien nach Sektionen II/16. Der Band ist Teil der historischen Druckgrafiksammlung Herzog Alberts von Sachsen-Teschen und seiner Gemahlin Marie Christine. Die Druckgrafiken dieser Sammlung werden in ledergebundenen Folianten verwahrt, die traditionell als „Klebebände“ bezeichnet werden. Die Sammlung als solche ist nach europäischen Kunstlandschaften gegliedert und umfasst die Bereiche Deutsch, Frankreich, Holland und die Niederlande, Italien sowie England. Der Klebeband, in welchem sich die vorliegende Seite befindet, umfasst Arbeiten aus dem Raum Italien. Er gehört in der Sammlungsstruktur zur Sektion 2, welche vornehmlich Druckgrafiken nach Vorlagen anderer Künstlerinnen und Künstler enthält. Der Urheber der Komposition unterscheidet sich also in der Regel von jener Person, die die grafische Umsetzung ausführte. Es ist der 16. Klebeband dieser Sektion. Über den Bereich „Verbundene Objekte“ können Sie den gesamten Klebeband einsehen.
Die historischen Klebebände der Albertina konnten in einem umfassenden Forschungs- und Digitalisierungsprojekt erschlossen und digital zugänglich gemacht werden. Insgesamt umfasst die Sammlung der Albertina 1436 historische Folianten, davon beinhalten 749 die Druckgrafiken des herzoglichen Sammlerpaares. Mehr zum Projekt
Catalogue raisonné
  • Hollstein Dutch & Flemish III.124.54
  • Bibliography
  • Michelangelo - Zeichnungen eines Genies, Ausst. Kat. bearb. v. A. Gnann, Albertina Wien 2010/2011, S. 255f., unter Nr. 76-77, Abb. S. 256
  • Provenance
  • Altbestand Albertina

  • IIIF Logo IIIFPermalinkhttps://sammlungenonline.albertina.at/objects/321000/leda-und-der-schwanImage Request
    Last edited08.08.2022