Kaiser Maximilian wird im Beisein seiner Schutzheiligen Christus empfohlen
Hans Springinklee
1515/17
Der als Verstorbener dargestellte Kaiser ist im Begriff, auf die Fürbitte seiner hochkarätigen Schutzpatrone hin und wegen seiner vortrefflichen Taten und Tugenden von Christus selbst ins Paradies eingelassen zu werden, allem Anschein nach unter Umgehung der zeitlichen Sündenstrafen im Fegefeuer. Wie die beiden Holzschnitte mit den Schutzheiligen von Österreich und dem hl. Koloman (Inv. DG1934/442, Inv. DG1935/984) entstammt das mehrere Jahre vor dem tatsächlichen Tod Maximilians 1519 entstandene Blatt der Zusammenarbeit des Johannes Stabius mit Albrecht Dürer und seiner Werkstatt für die Ehrenpforte (Inv. DG1935/973). Sein Wappen – Königsadler mit Poetenlorbeer – findet sich am Sockel links unten. Auch die klassische Freisäulenstellung des römischen Triumphbogens folgt der hybriden Formensprache der Ehrenpforte, wenn sie etwa links einen Spitzbogen begleitet. Der Bildaufbau folgt prinzipiell dem eines Epitaphs, auf dem der Verstorbene von seinem Schutzpatron zumeist der Gottesmutter anempfohlen wird. Dem Rang des Verstorbenen entsprechend erfährt diese Anordnung hier eine bemerkenswerte Steigerung, denn Maria ist nun mit dem Jesuskind selbst unter die Fürsprecher eingereiht, womit Christus sogar doppelt präsent ist. Direkt hinter dem Kaiser stehen die beiden für ihn zeitlebens wichtigsten Ordenspatrone: der hl. Georg für den gleichnamigen, von seinem Vater 1469 gestifteten Orden und der hl. Andreas für den Orden vom Goldenen Vlies. Tatsächlich hätten nach Maximilians 1514 abgefasstem Testament 21 Mitglieder des Georgsordens in den Vliesorden aufgenommen werden sollen, eine funktionelle Verzahnung, die vor allem dem stets dahindämmernden Georgsorden zugutegekommen wäre. Ebenso könnte Maximilian ein Kapitel aus Mitgliedern beider Orden für sein unausgeführtes Grabstift vorgeschwebt haben (Schauerte 2011, S. 397). Sprechendstes Bildsymbol ist zweifellos die Sphaira, die der segnende Christus in Händen hält. Sie korrespondiert mit jener bei den kaiserlichen Insignien, die Maximilian vor der Himmelspforte niedergelegt hat. Diese erinnern zugleich an Funeralwaffen, die im Trauerkondukt mitgeführt und danach in der Grabkirche ausgestellt werden.
Hrsg. Eva Michel und Maria Luise Sternath, Kaiser Maximilian I. und die Kunst der Dürerzeit, Wien 2012, Abb. 129, S. 385.
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