Hans Springinklee, Kaiser Maximilian wird im Beisein seiner Schutzheiligen Christus empfohlen, …
Kaiser Maximilian wird im Beisein seiner Schutzheiligen Christus empfohlen
Hans Springinklee, Kaiser Maximilian wird im Beisein seiner Schutzheiligen Christus empfohlen, Inv. Nr.: DG1950/216
Credit: ALBERTINA, Wien Image: ALBERTINA, Wien

Kaiser Maximilian wird im Beisein seiner Schutzheiligen Christus empfohlen

Hans Springinklee

1515/17




Der als Verstorbener dargestellte Kaiser verschafft sich durch die Fürsprache seiner hochkarätigen Schutzpatrone und wegen seiner vortrefflichen Taten und Tugenden Einlass ins Paradies, an dessen Pforte Christus den Kaiser empfängt. Unter die Fürsprecher Maximilians hat sich auch Maria mit dem Jesuskind eingereiht, womit Christus sogar doppelt präsent ist. Direkt hinter dem Kaiser stehen die beiden für ihn zeitlebens wichtigsten Ordenspatrone: der heilige Georg für den gleichnamigen, von seinem Vater 1469 gestifteten Orden und der heilige Andreas für den Orden vom Goldenen Vlies. Das sprechendste Bildsymbol ist zweifellos die Sphaira, die der segnende Christus in Händen hält. Sie korrespondiert mit dem Reichsapfel der kaiserlichen Insignien, die Maximilian vor der Himmelspforte niedergelegt hat.


Künstler:in (Nürnberg 1490/95 - um 1540 Nürnberg)
Date1515/17
Object TypeDruckgraphik
Object typePrint
Materials / TechniquesHolzschnitt
Dimensions40,5 x 37,9 cm
CreditALBERTINA, Wien
Object numberDG1950/216
Im Kontext der Sammlung
Dieses Blatt befindet sich auf Seite D/I/15/19 des Klebebandes Deutsch nach Sektionen I/15. Der Band ist Teil der historischen Druckgrafiksammlung Herzog Alberts von Sachsen-Teschen und seiner Gemahlin Marie Christine. Die Druckgrafiken dieser Sammlung werden in ledergebundenen Folianten verwahrt, die traditionell als „Klebebände“ bezeichnet werden. Die Sammlung als solche ist nach europäischen Kunstlandschaften gegliedert und umfasst die Bereiche Deutsch, Frankreich, Holland und die Niederlande, Italien sowie England. Der Klebeband, in welchem sich das gezeigte Werk befindet, ist aus der Reihe, die den deutschen Sprachraum umfasst. Er gehört in der Sammlungsstruktur zur Sektion 1, welche vornehmlich Grafiken beinhaltet, bei welchen Erfindung und druckgrafische Ausführung meist in der Hand derselben Künstlerin bzw. desselben Künstlers liegt. Es ist der 15. Klebeband dieser Sektion. Über den Bereich „Verbundene Objekte“ können Sie den gesamten Klebeband einsehen.
Die historischen Klebebände der Albertina konnten in einem umfassenden Forschungs- und Digitalisierungsprojekt erschlossen und digital zugänglich gemacht werden. Insgesamt umfasst die Sammlung der Albertina 1436 historische Folianten, davon beinhalten 749 die Druckgrafiken des herzoglichen Sammlerpaares. Mehr zum Projekt
Text

Der als Verstorbener dargestellte Kaiser ist im Begriff, auf die Fürbitte seiner hochkarätigen Schutzpatrone hin und wegen seiner vortrefflichen Taten und Tugenden von Christus selbst ins Paradies eingelassen zu wer­den, allem Anschein nach unter Umgehung der zeitlichen Sündenstrafen im Fegefeuer. Wie die beiden Holzschnitte mit den Schutzheiligen von Österreich und dem hl. Koloman (Inv. DG1934/442, Inv. DG1935/984) entstammt das mehrere Jahre vor dem tatsächlichen Tod Maximilians 1519 entstandene Blatt der Zusammenarbeit des Johannes Stabius mit Albrecht Dürer und seiner Werkstatt für die Ehrenpforte (Inv. DG1935/973). Sein Wappen – Königsadler mit Poetenlorbeer – findet sich am Sockel links unten. Auch die klassische Freisäulenstellung des römischen Triumphbogens folgt der hybriden Formensprache der Ehrenpforte, wenn sie etwa links einen Spitzbogen begleitet. Der Bildaufbau folgt prinzipiell dem eines Epitaphs, auf dem der Verstorbene von seinem Schutzpatron zumeist der Gottesmutter anempfohlen wird. Dem Rang des Verstorbenen entsprechend erfährt diese Anordnung hier eine bemerkenswerte Steigerung, denn Maria ist nun mit dem Jesuskind selbst unter die Fürsprecher eingereiht, womit Christus sogar doppelt präsent ist. Direkt hinter dem Kaiser stehen die beiden für ihn zeitlebens wichtigsten Ordenspatrone: der hl. Georg für den gleichnamigen, von seinem Vater 1469 gestifteten Orden und der hl. Andreas für den Orden vom Goldenen Vlies. Tatsächlich hätten nach Maximilians 1514 abgefasstem Testament 21 Mitglieder des Georgs­ordens in den Vliesorden aufgenommen werden sollen, eine funktionelle Verzahnung, die vor allem dem stets dahindämmernden Georgsorden zugutegekommen wäre. Ebenso könnte Maximilian ein Kapitel aus Mit­gliedern beider Orden für sein unausgeführtes Grabstift vorgeschwebt haben (Schauerte 2011, S. 397). Sprechendstes Bildsymbol ist zweifellos die Sphaira, die der segnende Christus in Händen hält. Sie korrespon­diert mit jener bei den kaiserlichen Insignien, die Maximilian vor der Himmelspforte niedergelegt hat. Diese erinnern zugleich an Funeralwaf­fen, die im Trauerkondukt mitgeführt und danach in der Grabkirche ausgestellt werden.

Hrsg. Eva Michel und Maria Luise Sternath, Kaiser Maximilian I. und die Kunst der Dürerzeit, Wien 2012, Abb. 129, S. 385.

Catalogue raisonné
  • D.I., 78
  • Gb. 1343
  • Hollstein LXXV, 18
  • Bibliography
  • Ausst.-Kat. Berlin 1983, Nr. C 4
  • Ausst.-Kat. Wetzlar 2002, Nr. 929
  • Ausst.-Kat. Bremen 2003, Nr. 30
  • Ausst.-Kat. Albertina 2012, Nr. 129 (Th. Schauerte)
  • Provenance
  • Altbestand Hofbibliothek

  • IIIF Logo IIIFPermalinkhttps://sammlungenonline.albertina.at/objects/321492/kaiser-maximilian-wird-im-beisein-seiner-schutzheiligen-chriImage Request
    Last edited28.07.2021