Bacchus mit jungem Faun
Hendrick Goltzius
um 1595-1600
Rahmenaußenmaß 83 × 66,1 × 3,1 cm
Hendrick Goltzius gehörte zu den ersten Künstlern, die großformatige Zeichnungen als autonome Kunstwerke schufen. Herausragend innerhalb dieser Kategorie sind die »penwercken« – virtuose, das feine Lineament des Kupferstichs imitierende Federzeichnungen, die der Künstler auf Papier, Pergament oder Leinwand ausführte. Ein prominenter Sammler dieser exklusiven Arbeiten war Kaiser Rudolf II.
Auch in dem großen, auf Pergament ausgeführten Federkunststück, das Bacchus mit jungem Faun darstellt, erzielt der Künstler mit durchgehend weichen Linien höchst subtile, an den Kupferstich erinnernde Oberflächenwirkungen und Lichteffekte. Sowohl in der Ovalform als auch in der Wiedergabe der beiden Figuren stimmt die präsentierte Zeichnung weitgehend mit Goltzius’ um 1595 geschaffenem Kupferstich überein (Hollstein 66).
Aufgrund der Nahsichtigkeit des mythologischen Paares wirkt die Szene durchaus intim; verstärkt wird dieser Eindruck durch den zärtlichen Blickkontakt zwischen den beiden Halbfiguren. Mit einer vertraulichen Geste legt der junge Faun seinen Arm um die Schulter des lächelnden Gefährten. Im Fokus der Darstellung steht die rechte Hand des Knaben, mit der er seinem Partner eine Traube an den Mund führt. In Stimmungs- und Realitätsgehalt ist dieses »penwerk« von den früheren, manieristisch geprägten mythologischen Szenen des Künstlers schon weit entfernt.
Bosch, Bruegel, Rubens, Rembrandt. Meisterwerke der Albertina, hg. von K. A. Schröder und C. Metzger, Albertina, Wien, Ostfildern 2013, Abb. 89, S. 188.
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