Landschaft mit Venus und Adonis
Hendrick Goltzius
1596
In den mittleren 1590er-Jahren scheint die Landschaft bei Hendrick Goltzius erstmals als selbstständige Gattung auf. Am Anfang dieser Reihe von rund 20 Blättern steht die Fantastik seiner durch Reiseeindrücke inspirierten Gebirgslandschaften, an deren Ende die schlicht-realistische Wiedergabe von Motiven aus der Umgebung von Haarlem.
Das Venus und Adonis darstellende Liebespaar, bei dem sich Goltzius auf die Schilderung im 10. Buch der Metamorphosen des Ovid stützt, ist unauffällig in weiträumige Natur versetzt. Zwischen den Wolken zeigt sich nochmals Venus in ihrem von Schwänen gezogenen Wagen. Kurz darauf sollte Adonis von einem wilden Eber getötet werden, den der eifersüchtige Kriegsgott Mars geschickt hatte. Venus, über den Verlust ihres Geliebten untröstlich, lässt aus seinem Blut eine Blume sprießen, das Adonisröschen. So wurde sein Schicksal zum Symbol von Absterben und Wiedererwachen der Natur.
In ihrer Natürlichkeit sind Venus und Adonis, die von ihren Jagdhunden und dem Gott Cupido begleitet werden, von den früheren manieristischen Idealgestalten des Künstlers weit entfernt. Das von rechts hereinfallende Licht, das die menschlichen Körper subtil modelliert, unterstützt ihren Realismus. Auf souveräne Weise vereinte Goltzius hier die Arbeit »uyt den gheest« (aus dem Geist) mit dem Studium »naer het leven« (nach dem Leben). Diese sich einander ergänzenden Begriffe fanden in der niederländischen Kunst um 1600 ihren theoretischen wie praktischen Niederschlag.
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