Im "Haagsche Bos" (Haager Wald)
Joris van der Haagen
1658
Joris van der Hagen war vermutlich in Arnheim bei seinem Vater #Abraham in der Lehre; 1639 zog er nach Den Haag, wo er 1656 Mitbegründer der Konfraternität "Pictura" war (van der Haagen 1932, S. 16-22). Van der Hagen ist als Maler und Zeichner von Landschaften bekannt, die er nicht nur in seiner eigenen Umgebung, sondern auch während seiner Reisen durch das Niederrheingebiet und in der Umgebung von Kleve studiert hat. In seinem umfangreichem malerischem und zeichnerischem Œuvre wurden Einflüsse von #Jacob van Ruisdael wie auch von italianisierenden Künstlern festgestellt. Arnold Houbraken schätzte die Zeichnungen Joris van der Hagens höher ein als die Gemälde (Houbraken 1753, Bd. 3, S. 203).
Das hier dargestellte "Haagsche Bos", ein nahe Den Haag gelegenes Naturgebiet mit einem alten Baumbestand, wurde nicht nur von van der Hagen, sondern auch von Künstlern wie #Roelant Roghman, #Simon de Vlieger oder #Anthonie Waterloo in vielen, oft großformatigen Blättern festgehalten. Das ausgestellte Blatt ist ein herausragendes Beispiel für diesen um die Jahrhundertmitte beliebten Typus der weiträumigen Walddarstellungen.
In etwa zwanzig Zeichnungen, entstanden zwischen 1653 und 1669, hielt van der Hagen das "Haagsche Bos" fest. Die meisten dieser Blätter wurden auf blauem Papier ausgeführt, die graubraune Papierfarbe der präsentierten Zeichnung ist weniger häufig vertreten. Charakteristisch für van der Hagen ist das Zusammengehen der monumentalen Gesamtwirkung und der behutsamen, kleinteiligen Arbeitsweise. In der 1658 datierten Albertina-Zeichnung werden die größeren, flächig angelegten Formen von fein detaillierten Blättermassen überlagert; die weiter differenzierenden Akzente in schwarzer Ölkreide wirken durch die grobfaserige Papierstruktur umso lebendiger. Einen räumlichen Effekt vermitteln die langen, diagonalen Schatten im Vordergrundbereich, besonders in ihrem Kontrast zur weit entfernten Baumkulisse. Die Darstellung lebt vom Spiel der subtilen Helldunkelnuancen - vom gedämpften, durch die Blättermassen gefilterten Tageslicht und den leuchtenden Sonnenstreifen im schattigen Bodenbereich bis zur diffusen Transparenz der Bäume und der langen Mauer im Hintergrund. Der markant akzentuierten Einspänner im Mittelgrund lässt die Landschaft umso räumlicher erscheinen.
Das Zeitalter Rembrandts, Ausstellungskatalog, hg. von K. A. Schröder und M. Bisanz-Prakken, Albertina, Wien, Ostfildern 2009, Abb. 140, S. 298.
IIIFPermalinkhttps://sammlungenonline.albertina.at/objects/32195/im-haagsche-bos-haager-waldImage Request