Anonym, Augsburg 1515, Dietrich von Plieningen überreicht Kaiser Maximilian I. und Herzog Ludwi…
Dietrich von Plieningen überreicht Kaiser Maximilian I. und Herzog Ludwig X. von Bayern sein Werk (Übersetzung des Sallust)
Anonym, Augsburg 1515, Dietrich von Plieningen überreicht Kaiser Maximilian I. und Herzog Ludwig X. von Bayern sein Werk (Übersetzung des Sallust), Inv. Nr.: DG1968/134
Credit: ALBERTINA, Wien Image: ALBERTINA, Wien

Dietrich von Plieningen überreicht Kaiser Maximilian I. und Herzog Ludwig X. von Bayern sein Werk (Übersetzung des Sallust)

Anonym

1515




Umkreis (Straßburg um 1480/85 - 1520 tätig)
Date1515
Object TypeDruckgraphik
Object typePrint
Materials / TechniquesHolzschnitt
DimensionsBlatt: 23,4 x 16,8 cm
CreditALBERTINA, Wien
Object numberDG1968/134
Edition1. Zustand. (2. Zustand mit Namen Herzog Wilhelms "H. Wilhalm" als Titelblatt für Plieningens Plinius-Übersetzung; nicht in der Sammlung vorhanden.)
InscribedBeschriftung Mitte links: »MAXIMILI / AN.IMP[ERATOR]«, Mitte rechts: ».H.LVDBIG«; auf der eigentlichen Recto-Seite Typendruck in Rot: »Des hochberom / pten Latinischen histori schrei= / bers Salustij: zwo schon histo= / rien: Nemliche[n] von des Catiline[m] / vnd auch des Jugurthen krie= / gen […]«
Text
In der Absicht, nach jahrhundertelangen Landesteilungen und bluti­gen familiären Fehden Einheit und Frieden Bayerns in alle Zukunft zu wahren, erließ 1506 Herzog Albrecht IV. das Primogeniturgesetz. Demnach sollte der männliche Erstgeborene alleiniger Erbe sein. Bereits 1508 übernahm Herzog Wilhelm IV. die Regierung über alle bayerischen Lande, sein jüngerer Bruder Ludwig X. musste sich mit einer Apanage und dem Titel eines Grafen von Vohburg begnügen. Endlich volljährig, erhob Ludwig dennoch Ansprüche auf die Mitregierung und bat Kaiser Maximilian I., den Onkel der herzoglichen Brüder, um Hilfe. Einen Bruderkrieg vor Augen, erließ Maximilian am 29. September 1514 in Innsbruck einen Schiedsspruch, der, altem wittelsbachischem Famili­enbrauch gemäß, eine neuerliche Machtaufteilung bestimmte: Wilhelm regierte schließlich von München aus die oberbayerischen Territorien, Ludwig mit Landshut als Residenz die niederbayerischen Landesteile.

Hauptstreiter für Ludwigs Forderungen waren die Landstände, als deren Sprecher der humanistisch gebildete Doktor im jus civilis, Dietrich von Plieningen (1453–1520), auftrat. Auch vor dem Kaiser er­schien Plieningen als Wortführer, war er doch 1508 von Maximilian zum Ritter geschlagen und wenig später zum »kaiserlichen Rat von Haus aus« ernannt worden. Nebenher reüssierte er als Übersetzer antiker Autoren. Nun geboten es politisches Kalkül und persönlicher Respekt, im Vorfeld geplanter Publikationen durch schmeichlerische Geleitwor­te an eines der begehrten kaiserlichen Druckprivilege zu gelangen: Als Plieningen Anfang 1513 seine Übersetzung des Sallust vollendete, wid­mete er das Werk Maximilian, der im Dezember 1514 schließlich das er­wünschte Mandat erteilte. 1515 erschien in Landshut der Druck, ergänzt um eine zweite Widmung an Herzog Ludwig. Der Frontispizholzschnitt zeigt, eingebettet in opulente Renaissanceornamentik, den Moment, als Plieningen mit demutsvoll gebeugten Knien dem Kaiser und seinem herzoglichen Herrn das Opus überreicht.

Der Text des Sallust beschreibt Aufstieg und Fall des Catilina sowie den aus einem Thronerbenstreit entfesselten »Jugurthinischen Krieg«. Sein Übersetzer beklagt in der Widmung an Herzog Ludwig all jene Menschen, die (wie Catilina und Jugurtha) Macht erhalten oder an sich reißen, ohne ihre Herkunft und ihr Vaterland zu schätzen. Ein solcher Appell ist nur vor dem Hintergrund der Ereignisse des Jahres 1514 zu verstehen. Als wenig später der Holzschnitt auch Plieningens Übersetzung von der Lobsagung des Plinius auf die Herrschaft Trajans vorangestellt wurde, widmete man kurzerhand die Figur des Ludwig in die seines Bruders Wilhelm um. Nichts, so die Quintessenz der hier an Wilhelm gerichteten Vorrede, sei trefflicher als ein guter, keuscher Fürst. Und auch Maximilian solle aus den Exempeln der alten Römer lernen. Ganz im humanistischen Sinne versteht Plieningen also Geschichte als magistra vitae, um den »gemainen nutzen« als Richtschnur für das eige­ne politische Handeln zu wählen.


Hrsg. Eva Michel und Maria Luise Sternath, Kaiser Maximilian I. und die Kunst der Dürerzeit, Wien 2012, Abb. 44, S. 206.
Catalogue raisonné
  • Dodgson, II, 1911, p. 269, 3
  • Bibliography
  • Dodgson, Bd. II, 1911, S. 269, 3
  • Baldass, Bildnisse Maximilians, Jb. 1913/14, S. 307, Fid. 36
  • Schottenloher 1930, S. 15 – 16, Nr. 21
  • Zimmermann 1932, S. 171 – 172
  • AK Maximilian 1959, Nr. 452
  • AK Maximilian 1969, Nr. 377.
  • Denkmale der deutschen Könige und Kaiser, Bd. 2, hrsg. von Percy Ernst Schramm und Hermann Fillitz in Zsarb. mit Florentine Mütherich, München 1978, S. 100, Kat.-Nr. 172
  • Gerlach 1993, S. 99 – 104, 215 – 226
  • Ausst.-Kat. Albertina 2012, Nr. 44 (C. Metzger)
  • Provenance
  • Altbestand Hofbibliothek

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    Last edited27.07.2021

    Barthel Beham, Herzog Ludwig von Bayern, Inv. Nr.: DG1930/819
    Barthel Beham
    1532