Dietrich von Plieningen überreicht Kaiser Maximilian I. und Herzog Ludwig X. von Bayern sein Werk (Übersetzung des Sallust)
Anonym
1515
Der Text des Sallust beschreibt Aufstieg und Fall des Catilina sowie den aus einem Thronerbenstreit entfesselten »Jugurthinischen Krieg«. Sein Übersetzer beklagt in der Widmung an Herzog Ludwig all jene Menschen, die (wie Catilina und Jugurtha) Macht erhalten oder an sich reißen, ohne ihre Herkunft und ihr Vaterland zu schätzen. Ein solcher Appell ist nur vor dem Hintergrund der Ereignisse des Jahres 1514 zu verstehen. Als wenig später der Holzschnitt auch Plieningens Übersetzung von der Lobsagung des Plinius auf die Herrschaft Trajans vorangestellt wurde, widmete man kurzerhand die Figur des Ludwig in die seines Bruders Wilhelm um. Nichts, so die Quintessenz der hier an Wilhelm gerichteten Vorrede, sei trefflicher als ein guter, keuscher Fürst. Und auch Maximilian solle aus den Exempeln der alten Römer lernen. Ganz im humanistischen Sinne versteht Plieningen also Geschichte als magistra vitae, um den »gemainen nutzen« als Richtschnur für das eigene politische Handeln zu wählen.
Hrsg. Eva Michel und Maria Luise Sternath, Kaiser Maximilian I. und die Kunst der Dürerzeit, Wien 2012, Abb. 44, S. 206.
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