Rauchende und trinkende Bauern unter einer Sommerlaube
Adriaen van Ostade
um 1675
Der Vater von Adriaen van Ostade und dessen jung verstorbenem Bruder Isaac war Leinweber. Vermutlich ging Adriaen bei Frans Hals in die Lehre. 1636 wurde er Mitglied der Bürgermiliz und ab 1647 bekleidete er wichtige Funktionen in der Haarlemer Malergilde. Die Brüder widmeten sich in erster Linie dem Bauerngenre, als dessen unbestrittene Hauptvertreter sie bis heute gelten. Adriaens OEuvre vermittelt allerdings nicht die ländliche Wirklichkeit. Es zeigt Typen, deren Derbheit durch ungehemmtes Benehmen zum Ausdruck kommt – belächelt vom städtischen Bürger, der in diesem triebhaften Verhalten des Bauernstandes ein komisches Element sah. Mit seinen burlesken Darstellungen stand Adriaen van Ostade in der Tradition der niederländischen Bauernsatire, die seit dem Mittelalter in der volkstümlichen Dichtung und im 16. Jahrhundert auch in der bildenden Kunst ihren Ausdruck fand – vor allem bei Pieter Bruegel d. Ä.
Die beiden hier gezeigten Arbeiten von Adriaen van Ostade (Inv. 17564, Inv. 17597) datieren aus der späten Zeit nach 1670, in der ungefähr die Hälfte seiner Zeichnungen entstanden ist. In dieser Phase hat das bildmäßig durchgearbeitete Aquarell die Funktion des Gemäldes zu einem wesentlichen Teil übernommen. Mit welcher Präzision Van Ostade in seinen Aquarellen vorgegangen ist, zeigt sich deutlich in dem Blatt Wirtshausstube mit trinkenden, rauchenden und Tric Trac spielenden Bauern von 1678. Innerhalb der feinen Federkonturen sind die Farben sorgfältig angelegt. Große Aufmerksamkeit gilt den zahllosen Details des Interieurs und den quasi zufällig verstreuten Gebrauchsgegenständen und Lebensmitteln. Ein weiches, harmonisches Licht umfasst den ganzen Innenraum und lässt die unterschiedlichen Oberflächenwerte zur Geltung kommen. Das Burleske tritt in diesen Arbeiten zugunsten einer gewissen Romantisierung zurück.
Eine andere Seite seines Könnens zeigt die Skizze Rauchende und trinkende Bauern unter einer Sommerlaube, die als Vorlage für ein sorgfältig ausgeführtes, 1675 datiertes Aquarell diente (Paris, Fondation Custodia; siehe Schnackenburg 1981, Bd. 1, Nr. 257, Taf. 123). Die Funktion der Albertina-Zeichnung geht aus den durchgegriffelten Linien hervor, mit denen die Komposition auf die Papierfläche des definitiven Aquarells übertragen wurde. Die Vorzeichnung ist in sehr skizzenhaften Federlinien angelegt und nur flüchtig aquarelliert. Die linearen Präzisierungen und die koloristischen Verfeinerungen erfolgten im Zuge der endgültigen Ausführung.
Bosch, Bruegel, Rubens, Rembrandt. Meisterwerke der Albertina, hg. von K. A. Schröder und C. Metzger, Albertina, Wien, Ostfildern 2013, Abb. 142, S. 294.
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