Frans van Mieris d. Ä., Kranke Frau im Bett, Inv. Nr.: 17599
Kranke Frau im Bett
Frans van Mieris d. Ä., Kranke Frau im Bett, Inv. Nr.: 17599
Credit: ALBERTINA, Wien Image: ALBERTINA, Wien

Kranke Frau im Bett

Frans van Mieris d. Ä.

1663




Künstler:in (Leiden 1635 - 1681 Leiden)
Date1663
Object TypeZeichnung
Object typeDrawing
Dimensions26,2 x 23,8 cm
CreditALBERTINA, Wien
Object number17599
Signedr.u. "F. van Mieris fect / Anno 1663." (die Ziffer "3" ist die [eigenhändige?] Korrektur einer noch sichtbaren "4")
Markingsr.u. Herzog Albert von Sachsen-Teschen (Lugt 174)
Text

Fans van Mieris ragte nicht nur als Maler, sondern auch als Zeichner heraus; seine Talente auf diesem Gebiet werden von Arnold Houbraken betont (Houbraken 1753, Bd. 3, S. 2 f.). Aufgrund seiner zeichnerischen Kreativität unterscheidet er sich wesentlich von seinem Lehrmeister #Gerard Dou, dem Hauptvertreter der Leidener Feinmalerei, von dem nur einige wenige Arbeiten auf Papier bekannt sind. Die Wende von skizzenhaften Darstellungen zu bildmäßig gestalteten, sorgfältig detaillierten Kompositionen vollzog sich bei Frans van Mieris ab 1660. Die delikaten, beim Kaufpublikum sehr beliebten Arbeiten wurden – wie die hier ausgestellte, 1663 datierte Zeichnung – häufig auf Pergament ausgeführt, sodass sie materiell wie künstlerisch an den Status der Gemälde heranreichten. Die minutiöse, monochrome Arbeitsweise nahm ihren Ausgang von der Tradition der "Federkunststücke", die im späten 16. Jahrhundert von #Hendrick Goltzius eingeleitet worden war und im 17. Jahrhundert ihre weitverzweigte Fortsetzung fand, zum Beispiel bei Willem van de Velde I (siehe Inv. 10038).
Das hier gezeigte Motiv der kranken, in ihrem Bett liegenden Frau wurde von #Rembrandt in den 1630er-Jahren in mehreren Zeichnungen aufgegriffen. Die Unterschiede zwischen seiner Bildauffassung und der von van Mieris könnten nicht größer sein: Während sich Rembrandt in wenigen expressiven Linien und großzügigen Lavierungen auf die Essenz des Ausdrucks und auf das Helldunkel konzentriert, strebt van Mieris rund drei Jahrzehnte später einen völlig gegenteiligen Effekt an. Ein weiches Licht modelliert die von einem geteilten Bettvorhang gerahmte Szene und erhellt die ermattete, von großen Polstern gestützte Kranke. In feinsten Nuancen der schwarzen Kreide und des Pinsels differenziert der Künstler zwischen den verschiedenen Valeurs der Textilien, der Gegenstände aus Glas und Metall sowie der Partien von Gesicht und Händen; im Zentrum steht dabei das blasse Gesicht mit den geschwollenen Augenlidern. Diese melancholische Szene wirkt wie ein intimer Mikrokosmos, der von der Ästhetik der schillernden Oberflächenwerte dominiert wird.

Das Zeitalter Rembrandts, Ausstellungskatalog, hg. von K. A. Schröder und M. Bisanz-Prakken, Albertina, Wien, Ostfildern 2009, Abb. 101, S. 220.

Bibliography
  • Schönbrunner/Meder 1896-1908, Bd. 3, Nr. 304, Abb.
  • Wurzbach 1906-1911, Bd. 2, S. 166
  • A.K. Wien 1949, Nr.127
  • Benesch 1964, Nr. 203, Abb.
  • Naumann 1978, S. 11 f., 30, Nr. 22, Taf. 15b
  • A.K. Rembrandt and his time. Masterworks from the Albertina (Vienna), Milwaukee 2005, Nr. 57
  • A.K. Das Zeitalter Rembrandts, hg. von K. A. Schröder und M. Bisanz-Prakken, Albertina, Wien, Ostfildern 2009, Nr. 101
  • Albertina, Rubens bis Rembrandt, hrsg. von Klaus Albrecht Schröder, Bad Vöslau: Grasl Druck & Neue Medien 2003, Abb. 71
  • Provenance
  • Cornelis Ploos van Amstel (Auktion Amsterdam 3.3.1800, C 1)
  • Philippus van der Schley (1724–1817), Amsterdam
  • Herzog Albert von Sachsen-Teschen
  • Online resources
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    Last edited08.07.2021