Kunz von der Rosen
Daniel Hopfer
um 1510/1515
Kunz von der Rosen (um 1470–1519) stammte aus Kaufbeuren, einer kleinen, aber am Ausgang des Mittelalters prosperierenden schwäbischen Reichsstadt. Sein Familienname war eigentlich Kunz Rößlin (Röslein). In den Diensten des Erzherzogs und späteren Kaisers Maximilian stieg er zu einem der engsten Berater des Herrschers auf. »Strengste Genauigkeit im Dienste, ein offenes muthiges Wesen, aber mehr als dies die Fertigkeit, allen Lagen des Lebens eine heitere Seite abzugewinnen, und sein stets schlagfertiger Witz«, berichtet 1555 der Ehrenspiegel des Hauses Österreich, machten ihn bald zum wichtigsten Begleiter seines Herrn, der ihn schließlich sogar in den Adelsstand erhob. Wenn Kunz sich in seinen verstreut überlieferten Reden und Schwänken »Narr« nannte, tat er dies wohl aus einer ihm eigenen Selbstironie. Gleichwohl führt Kunz in der Madrider Kopie des Triumphzuges die Gruppe der Narren an (Madrid, Biblioteca Nacional de Espana, Res. 254, s. Ausst.-Kat. Wien Albertina 2012, Nr. 54, Bl. 12). So hielt sich, nicht zuletzt aufgrund seiner (auch im wörtlichen Sinne) Schlagfertigkeit, von der Rosens Andenken allein »als lustiger Rat Kaiser Maximilians« in Erzählungen und Anekdoten lebendig. Noch 1844 setzte ihm Gustav Freytags Lustspiel Die Brautfahrt oder Kunz von der Rosen ein literarisches Denkmal.
Daniel Hopfer, der wie sein prominentes Modell aus Kaufbeuren gebürtig war, wollte mit seinem Porträt aber nicht den Possenreißer, der mit verschrobener Aufmachung und burlesken Auftritten zur Belustigung des Publikums beitrug, verewigen. Vielmehr zeichnet der Künstler Kunz von der Rosen als eine zu allem entschlossene Persönlichkeit, die ihrem Herrn als ernst zu nehmender und genommener Ratgeber und Helfer noch in brenzligsten Situationen zur Seite stand. So reichte der Ruf tollkühner Befreiungsversuche des 1488 in Brügge inhaftierten nachmaligen Kaisers weit über seine Zeit hinaus. Der von Hopfer monumental ins Bild gesetzte muskulöse Oberkörper, die modische Kleidung nach Art der Landsknechte, der dichte Vollbart, das schräg auf dem unfrisierten, nackenlangen Haar sitzende, mit Schnüren und zaddeligen Stoffstreifen verzierte Barett und das mächtige Schwert, das er in seiner Linken hält, verleihen Kunz von der Rosen den entsprechenden kämpferischen und verwegen-draufgängerischen Ausdruck.
In seinem imposanten Format und der opulenten Aufmachung des Helden wetteifert Hopfers Radierung mit den großen Porträtleistungen der Zeit (einer Vermutung Erwin Panofskys zufolge liegt dem Bildnis sogar ein gemaltes Original Hans Burgkmairs d. Ä. zugrunde), zeigt in der einnehmenden Person des Kunz von der Rosen aber auch die zutiefst menschliche Seite der Zeit Maximilians und ihrer herausragenden Protagonisten.
Hrsg. Eva Michel und Maria Luise Sternath, Kaiser Maximilian I. und die Kunst der Dürerzeit, Wien 2012, Abb. 87, S. 309.
