Daniel Hopfer, Kunz von der Rosen, Inv. Nr.: DG2010/398
Kunz von der Rosen
Daniel Hopfer, Kunz von der Rosen, Inv. Nr.: DG2010/398
Credit: ALBERTINA, Wien Image: ALBERTINA, Wien

Kunz von der Rosen

Daniel Hopfer

um 1510/1515




Kunz von der Rosen (um 1470–1519) stammte aus Kaufbeuren, einer kleinen, aber wohlhabenden schwäbischen Reichsstadt. In den Diensten des Erzherzogs und späteren Kaisers Maximilian stieg er zu einem der engsten Berater des Herrschers auf, der ihn schließlich sogar in den Adelsstand erhob. Wenn Kunz sich selbst auch „Narr“ nannte, tat er dies wohl aus Selbstironie. Daniel Hopfer wollte mit seinem Porträt aber nicht den Possenreißer verewigen, der mit verschrobener Aufmachung und burlesken Auftritten zur Belustigung des Publikums beitrug. Vielmehr zeichnet er Kunz von der Rosen als eine zu allem entschlossene Persönlichkeit, die ihrem Herrn als Ratgeber und Helfer noch in brenzligen Situationen zur Seite stand.


Künstler:in (Kaufbeuren 1471 - 1536 Augsburg)
Dateum 1510/1515
Object TypeDruckgraphik
Object typePrint
Materials / TechniquesEisenradierung
DimensionsBlatt: 29,6 x 21,9 cm
CreditALBERTINA, Wien
Object numberDG2010/398
EditionDruckkampagne II, Werkstatt Hopfer, mit Schraffur in Himmel und Wolken
Inscribedl.u. monogrammiert "D.H." (unter Hopfendolde)
Im Kontext der Sammlung
Die historischen Klebebände der Albertina konnten in einem umfassenden Forschungs- und Digitalisierungsprojekt erschlossen und digital zugänglich gemacht werden. Insgesamt umfasst die Sammlung der Albertina 1436 historische Folianten, davon beinhalten 749 die Druckgrafiken des herzoglichen Sammlerpaares. Mehr zum Projekt
Dieses Blatt befindet sich auf Seite D/I/28/59 des Klebebandes Deutsch nach Sektionen I/28. Der Band ist Teil der historischen Druckgrafiksammlung Herzog Alberts von Sachsen-Teschen und seiner Gemahlin Marie Christine. Die Druckgrafiken dieser Sammlung werden in ledergebundenen Folianten verwahrt, die traditionell als „Klebebände“ bezeichnet werden. Die Sammlung als solche ist nach europäischen Kunstlandschaften gegliedert und umfasst die Bereiche Deutsch, Frankreich, Holland und die Niederlande, Italien sowie England. Der Klebeband, in welchem sich das gezeigte Werk befindet, ist aus der Reihe, die den deutschen Sprachraum umfasst. Er gehört in der Sammlungsstruktur zur Sektion 1, welche vornehmlich Grafiken beinhaltet, bei welchen Erfindung und druckgrafische Ausführung meist in der Hand derselben Künstlerin bzw. desselben Künstlers liegt. Es ist der 28. Klebeband dieser Sektion. Über den Bereich „Verbundene Objekte“ können Sie den gesamten Klebeband einsehen.
Text

Kunz von der Rosen (um 1470–1519) stammte aus Kaufbeuren, einer kleinen, aber am Ausgang des Mittelalters prosperierenden schwäbischen Reichsstadt. Sein Familienname war eigentlich Kunz Rößlin (Röslein). In den Diensten des Erzherzogs und späteren Kaisers Maximilian stieg er zu einem der engsten Berater des Herrschers auf. »Strengste Genau­igkeit im Dienste, ein offenes muthiges Wesen, aber mehr als dies die Fertigkeit, allen Lagen des Lebens eine heitere Seite abzugewinnen, und sein stets schlagfertiger Witz«, berichtet 1555 der Ehrenspiegel des Hauses Österreich, machten ihn bald zum wichtigsten Begleiter seines Herrn, der ihn schließlich sogar in den Adelsstand erhob. Wenn Kunz sich in seinen verstreut überlieferten Reden und Schwänken »Narr« nannte, tat er dies wohl aus einer ihm eigenen Selbstironie. Gleichwohl führt Kunz in der Madrider Kopie des Triumphzuges die Gruppe der Narren an (Madrid, Biblioteca Nacional de Espana, Res. 254, s. Ausst.-Kat. Wien Albertina 2012, Nr. 54, Bl. 12). So hielt sich, nicht zuletzt aufgrund seiner (auch im wörtlichen Sinne) Schlagfertigkeit, von der Rosens Andenken allein »als lustiger Rat Kaiser Maximilians« in Erzählungen und Anekdoten lebendig. Noch 1844 setzte ihm Gustav Freytags Lustspiel Die Braut­fahrt oder Kunz von der Rosen ein literarisches Denkmal.
Daniel Hopfer, der wie sein prominentes Modell aus Kaufbeuren gebürtig war, wollte mit seinem Porträt aber nicht den Possenreißer, der mit verschrobener Aufmachung und burlesken Auftritten zur Belusti­gung des Publikums beitrug, verewigen. Vielmehr zeichnet der Künst­ler Kunz von der Rosen als eine zu allem entschlossene Persönlichkeit, die ihrem Herrn als ernst zu nehmender und genommener Ratgeber und Helfer noch in brenzligsten Situationen zur Seite stand. So reichte der Ruf tollkühner Befreiungsversuche des 1488 in Brügge inhaftierten nachmaligen Kaisers weit über seine Zeit hinaus. Der von Hopfer mo­numental ins Bild gesetzte muskulöse Oberkörper, die modische Klei­dung nach Art der Landsknechte, der dichte Vollbart, das schräg auf dem unfrisierten, nackenlangen Haar sitzende, mit Schnüren und zad­deligen Stoffstreifen verzierte Barett und das mächtige Schwert, das er in seiner Linken hält, verleihen Kunz von der Rosen den entsprechenden kämpferischen und verwegen-draufgängerischen Ausdruck.
In seinem imposanten Format und der opulenten Aufmachung des Helden wetteifert Hopfers Radierung mit den großen Porträtleistungen der Zeit (einer Vermutung Erwin Panofskys zufolge liegt dem Bildnis sogar ein gemaltes Original Hans Burgkmairs d. Ä. zugrunde), zeigt in der einnehmenden Person des Kunz von der Rosen aber auch die zu­tiefst menschliche Seite der Zeit Maximilians und ihrer herausragenden Protagonisten.

Hrsg. Eva Michel und Maria Luise Sternath, Kaiser Maximilian I. und die Kunst der Dürerzeit, Wien 2012, Abb. 87, S. 309.

Catalogue raisonné
  • Bartsch VIII.493.87
  • Hollstein German XV.121.97
  • Metzger, Hopfer 429.103/II
  • Bibliography
  • Panofsky 1942
  • Christof Metzger, Daniel Hopfer. Ein Augsburger Meister der Renaissance, Berlin München 2009, Kat. 103/II
  • Ausst.-Kat. Wien/München 2011, S. 242, Nr. 156 (Achim Riether)
  • AK, Wien 2011, KHM, Dürer-Cranach-Holbein. Die Entdeckung des Menschen: Das deutsche Porträt um 1500, Kat.Nr. 156, Abb.S. 241
  • Ausst.-Kat. Albertina 2012, Nr. 87 (Chr. Metzger)
  • Provenance
  • Altbestand Albertina
  • Online resources
    zum Catalogue raisonné

    IIIF Logo IIIFPermalinkhttps://sammlungenonline.albertina.at/objects/323620/kunz-von-der-rosenImage Request
    Last edited27.07.2021