Jan de Beer, Der heilige Judas Thaddäus (Scheibenriss), Inv. Nr.: 25140
Der heilige Judas Thaddäus (Scheibenriss)
Jan de Beer, Der heilige Judas Thaddäus (Scheibenriss), Inv. Nr.: 25140
Credit: ALBERTINA, Wien Image: ALBERTINA, Wien

Der heilige Judas Thaddäus (Scheibenriss)

Jan de Beer

um 1520




Künstler:in (Antwerpen um 1475 - 1528 Antwerpen)
Dateum 1520
Object TypeZeichnung
Object typeDrawing
Materials / TechniquesFeder und Pinsel in Braun, Pinsel in Weiß, auf grau grundiertem Papier
Dimensions24,7 cm (Durchmesser)
CreditALBERTINA, Wien
Object number25140
Markingsu.M. Stempel Grahl (Lugt 1199)
Text

Der Apostel inmitten einer felsigen Landschaft wird aufgrund seiner Attribute von einem aufgeschlagenen Buch in seiner Rechten und der Keule in der linken Hand traditionell als heiliger Judas Thaddäus bezeichnet. Das kreisförmige Blatt ist ein Scheibenriss, also eine maßstabsgetreue Entwurfszeichnung oder Visierung für eine Glasscheibe, in der hierfür typischen Clair-obscur-Zeichentechnik mit Feder und schwarzer Tinte sowie Weißhöhung auf farbigem Papier. Vermutlich war die Scheibe als Teil einer zwölfteiligen Apostelserie geplant. Friedrich Winkler zufolge gehörten dazu noch weitere in derselben Technik ausgeführte, auch in der Größe übereinstimmende und kompositionell eng verwandte Blätter: ein Apostel Paulus mit Schwert und Buch in einer Landschaft (Durchmesser 25 cm; Auktion C. G. Boerner, Leipzig, 24.–25.4.1940, Nr. 8) sowie ein Apostel Simon und ein Apostel Thomas (Durchmesser 24,3 bzw. 23,2 cm; Berlin, Staatliche Museen, Kupferstichkabinett, KdZ 6838 und 13505; bei letzterem Blatt, auf das mich Holm Bevers dankenswerterweise hinwies, handelt es sich wohl um eine Kopie). Im Dresdner Kupferstich- Kabinett befindet sich außerdem ein Scheibenriss der sogenannten Jan-de-Beer-Gruppe mit der Darstellung des Apostels Paulus, der mit Schwert und aufgeschlagenem Buch – genauso wie der heilige Judas Thaddäus – als Einzelfigur inmitten sich tief in den Hintergrund erstreckender Landschaft steht (Inv. C1961-14; Ketelsen u. a. 2011, S. 28 und S. 384). Komposition und Zeichentechnik der fünf Zeichnungen sind eng verwandt, allerdings ist das Dresdner Blatt mit einem Durchmesser von nur 18,7 cm deutlich kleiner als die übrigen Apostel. Offenbar waren in De Beers Atelier mindestens zwei ähnliche Zyklen unterschiedlicher Abmessung entworfen worden.

Bosch, Bruegel, Rubens, Rembrandt. Meisterwerke der Albertina, hg. von K. A. Schröder und C. Metzger, Albertina, Wien, Ostfildern 2013, Abb. 23, S. 52.

Catalogue raisonné
  • Benesch 1928, 032
  • Bibliography
  • AK Wien 1971, Nr. 124 (F. Koreny: »Jan de Beer«)
  • Orth 1988, S. 39, Abb. 5 (als »flämisch«, um 1520)
  • AK Bosch, Bruegel, Rubens, Rembrandt. Meisterwerke der Albertina, hg. von K. A. Schröder und C. Metzger, Albertina, Wien, Ostfildern 2013, Nr. 23 (Eva Michel)
  • Emily J. Peters, Laura Ritter (Hg.), AK Bruegel und seine Zeit, Albertina 15.2.2023 – 24.5.2023, Wien, München 2023, Kat. 9.
  • Provenance
  • Sammlung des Miniaturmalers August Grahl (1791-1868), Dresden
  • Auktion Boerner, Leipzig, 28.11.1912, Nr. 135
  • erworben 1926 aus dem Privatbesitz Erzherzog Friedrichs von Österreich-Teschen (1856 – 1936)

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    Last edited20.04.2023