Puttenstudien
Agostino Carracci
spätes 16. Jahrhundert
Der in Bologna geborene Maler und Kupferstecher Agostino Carracci erhielt eine erste künstlerische Ausbildung bei Prospero Fontana und wurde später von seinem Vetter, Ludovico Carracci, in die Werkstatt aufgenommen. Gemeinsam mit Agostinos jüngerem Bruder, Annibale, bildeten die drei Carracci die berühmte Bologneser Künstlergruppe, die durch ihre Rückkehr zum Naturstudium, den Rückgriff auf die Antike und die klassische Kunst der Hochrenaissance und durch das klare, leuchtende Kolorit ihrer Bilder eine Reform der Malerei herbeiführten, die von nachhaltigem Einfluss auf die Malerei Italiens war. 1582 gründete Agostino zusammen mit dem jüngeren Bruder Annibale die Accademia degli Incamminati, in der theoretische und praktische Aspekte der Malerei gelehrt wurden. Seit den 1580er-Jahren arbeitete das Dreigestirn an der Dekoration von Bologneser Palästen, die ihre Bekanntheit steigen ließ. Agostino führten in den 1580er-Jahren häufige Reisen nach Rom, Cremona, Parma und mehrfach nach Venedig. Gegen Mitte der 1590er-Jahre wurden Annibale und Agostino von Kardinal Odoardo Farnese nach Rom berufen, wo die berühmte Freskodekoration der Galleria Farnese entstand, bei deren Ausmalung Agostino seinem Bruder half. Aufgrund von Zwistigkeiten über die Arbeit begab sich Agostino auf Einladung von Herzog Ranuccio I Farnese nach Parma, wo er in einem Saal des Palazzo del Giardino Malereien ausführte, über deren Vollendung er verstarb.
Für welchen Zweck Agostino die Studien von Putten, die mit Girlanden hantieren, anlegte, lässt sich derzeit nicht bestimmen. Vielleicht sind es Entwürfe für einen gemalten dekorativen Fries, doch vielleicht waren sie auch für die Verzierung einer gestochenen Buchillustration vorgesehen.
Achim Gnann, Heinz Schödl (Hg.), Spurensuche. Die Sammlung Arthur Feldmann und die Albertina, Wien 2015
