François Boucher, Pferdestudie für den "Triumph der Aurora" in Schloß Fontainebleau, Inv. Nr.: …
Pferdestudie für den "Triumph der Aurora" in Schloß Fontainebleau
François Boucher, Pferdestudie für den "Triumph der Aurora" in Schloß Fontainebleau, Inv. Nr.: 12189
Credit: ALBERTINA, Wien Image: ALBERTINA, Wien

Pferdestudie für den "Triumph der Aurora" in Schloß Fontainebleau

François Boucher

1753




Die dynamische Studie entstand für das zentrale Deckengemälde im Ratssaal in Schloss Fontainebleau, das Die Sonne vertreibt die Nacht darstellt. Der Entwurf zeigt die beiden Pferde des Sonnenwagens. Boucher nutzt im Zusammenspiel mit dem getönten Papier die Differenzierungsmöglichkeiten der Kreidetechnik: Kraftvolle Konturlinien, starke Helldunkeleffekte bestehend aus unterschiedlichen Parallelschraffuren, subtil gewischte Partien und weiße Glanzlichter bringen sowohl die plastischen Qualitäten eines monumentalen Pferdekörpers als auch das kurze, glänzende Fell im Gegensatz zu den langen, seidigen Mähnen eindrucksvoll zur Geltung.



Künstler:in (Paris 1703 - 1770 Paris)
Date1753
Object TypeZeichnung
Object typeDrawing
Materials / TechniquesSchwarze und weiße Kreide, Rötel, auf blauem Papier
Dimensions24,3 x 22,8 cm
CreditALBERTINA, Wien
Object number12189
Markingsl.u. Herzog Albert von Sachsen-Teschen (Lugt 174); r.u. Chevalier de Damery (Lugt 2862)
Text
Die dynamische, betont malerische Zeichnung zweier sich nervös aufbäumender Pferde ist eine Studie für das zentrale Deckengemälde des Ratssaales (Salle du Conseil) in Schloss Fontainebleau. Boucher erhielt am 1. Mai 1753 den Auftrag für die Ausstattung des Plafonds; die für diesen Raum vorgesehenen Wandgemälde von Jean-Baptiste Marie Pierre und Carle Vanloo mit allegorischen Figuren waren zu diesem Zeitpunkt bereits fertig. Bouchers Deckengemälde sollte Die Sonne vertreibt die Nacht (Le Soleil qui commence son cours et chasse la Nuit; https://collections.louvre.fr/ark:/53355/cl010057452§) zum Thema haben, in den Eckfeldern waren Kinderallegorien der Vier Jahreszeiten (Quatre Saisons figurées par des enfants) erwünscht. Die vier Gemälde mit den Allegorien waren im August vollendet, das viel komplexere Deckenbild erst Ende des Jahres, obwohl Boucher – nach Aussage von Zeitgenossen – unermüdlich daran gearbeitet habe. Noch vor der endgültigen Fertigstellung wurde vor allem der italienische Einfluss, die starke Affinität zum Werk Pietro da Cortonas lobend erwähnt (zit. nach: Fontainebleau 2016, Kat. 70). Bouchers umfangreichen Arbeitsprozess dokumentiert eine Reihe von vorbereitenden Studien, darunter auch diese Entwurfszeichnung für die beiden Pferde des Sonnenwagens, dem zentralen Motiv des Deckengemäldes. Auf bestechende Weise nutzte Boucher im Zusammenspiel mit dem getönten Papier die Differenzierungsmöglichkeiten der Kreidetechnik: Kraftvolle Konturlinien, starke Helldunkeleffekte, bestehend aus unterschiedlich ausgeprägten Parallelschraffuren, subtil gewischten Partien und weißen Glanzlichtern, bringen sowohl die plastischen Qualitäten eines monumentalen Pferdekörpers als auch die unterschiedlichen Oberflächenstrukturen wie das kurze, dichte, glänzende Fell im Gegensatz zu den langen, dichten, seidigen Mähnen eindrucksvoll zur Geltung. In Bouchers zeichnerischem Œuvre finden sich kaum Tierstudien. Abgesehen von den frühen Pferdestudien, die er als Schüler an der Akademie nach Motiven von Lebrun und Bourdon fertigte, beschäftigte er sich erst wieder ab 1740 intensiver mit der Darstellung von Pferden, als unverzichtbares Kompositionselement für seine mythologischen Sujets. Neben den Stichen nach Pietro Testa diente Boucher vor allem Rubens als Inspirationsquelle, von dem er selbst zwanzig Pferdestudien besessen hat.

Das Motiv der beiden sich aufbäumenden Pferde hat Boucher in sehr ähnlicher Weise bereits 1750 für sein Gemälde Apollo gibt sich der Hirtin Isse  (Tours, Musée des Beaux-Arts; https://mba.tours.fr/TPL_CODE/TPL_COLLECTIONPIECE/98-18e.htm?PIECENUM=121&NOMARTISTE=BOUCHER+Fran%C3%A7ois§) als Gott zuerkennen verwendet.

Bibliography
  • AK François Boucher, hier et aujourd´hui, Paris, Musée du Louvre, 2003/04 (Jean-François Méjanès), bei Nr.60
  • AK Louis XV. à Fontainebleau, La demeure des rois au temps des Lumières, Chateau de Fontainebleau, 2016, Cat.70 (Françoise Joulie)
  • AK Von Poussin bis David, Wien, Albertina 2017, Nr. 41 (Christine Ekelhart)
  • Albertina, Meisterzeichnungen: Tiepolo bis Goya, hrsg. von Klaus Albrecht Schröder, Bad Vöslau: Grasl Druck & Neue Medien 2003, Abb.27
  • Provenance
  • Vasal de Saint Hubert
  • Gaspard de Sireuil
  • Bonnet
  • Ch. de Damery
  • Albert von Sachsen-Teschen
  • Online resources
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    Last edited30.11.2021