Der Sturz des Phaeton
Raymond Lafage
spätes 17. Jahrhundert
Die Augen angstvoll aufgerissen, der Mund vor Schreck geöffnet, im Äther schwebend, unter ihm sein Rossgespann kopfüber in die Tiefe stürzend, fällt der griechische Held Phaeton zur Erde. Übermut und Überheblichkeit führen zum tiefen Fall. Das Motiv des Sturz des Phaeton wurde in der Kunst häufig behandelt. Glaubt man der links unten erkennbaren Bezeichnung, dann war der französische Zeichner und Grafiker Raymond Lafage der Schöpfer dieses Blattes. Doch nur oberflächlich erinnert der Zeichenstil an seine Werke: Die Linienführung des Blattes ist gekonnt, der Tumult um den Sturz ist virtuos erfasst und die Lavierung verleiht der Szene die für die Darstellung des Geschehens notwendige Dramatik.
Verglichen mit Zeichnungen Lafages ist die Zeichnung jedoch feiner, der Körper Phaetons ist kaum modelliert und wurde mit nur sparsamer Binnenzeichnung erfasst. Lafages Figuren sind robuster, athletischer, »michelangelesker«, ihre Gesichter durchgezeichnet. Lafage schraffierte die Dunkelstellen und Schatten auf seinen Zeichnungen. Besonders in der Figur des Phaeton erinnern die Art des Umrisses, das antikisch-typisierte Gesicht und die fehlende Modellierung an einen Zeichenstil, der eine klassizistische Arbeit, z. B. in Form einer Aquatinta oder eines Schabblattes, vorweggenommen haben könnte.
Viele von Lafages gezeichneten Entwürfen wurden von Stechern, u. a. von Adam Bartsch und Richard Earlom, bis in das frühe 19. Jahrhundert in Form von Radierungen reproduziert und verbreitet. Doch konnten wir weder eine Zeichnung Lafages noch eine Reproduktion eines seiner Nachstecher in den umfangreichen Zeichnungs- und Grafikbeständen des Künstlers in der Albertina finden, die die Bezeichnung auf dem vorliegenden Blatt bestätigen würden.
Spurensuche. Die Sammlung Arthur Feldmann und die Albertina, Achim Gnann, Heinz Schödl (Hg.), Wien 2015, S. 120.
IIIFPermalinkhttps://sammlungenonline.albertina.at/objects/328096/der-sturz-des-phaetonImage Request