Landschaft
Giuseppe Zais
Mitte 18. Jahrhundert
Giuseppe Zais könnte eine anfängliche Ausbildung in Belluno erhalten haben, bevor er sich um 1725–30 nach Venedig begab, wo er fast 50 Jahre als Landschaftsmaler tätig war. Wahrscheinlich ging er dort bei Francesco Zuccarelli in die Lehre, bevor er 1748 in die Fraglia dei Pittori eingetragen wurde (vgl. MOSEL 1970, S. 12ff.), deren Mitglied er bis 1768 blieb. Ein weiterer prägender Einfluss ging von dem Maler Marco Ricci aus, dessen Radierungen gleichfalls als Inspirationsquelle für die Werke von Zais dienten. In die Zeit um 1760 fällt der Freskenzyklus mit Fantasielandschaften und Stadtansichten in den Loggien der Villa Pisani in Stra, den der Künstler gemeinsam mit Almorò Pisani ausführte. Von dem britischen Konsul in Venedig, Joseph Smith, soll Zais viele Aufträge erhalten haben, von denen sich jedoch keiner konkret nachweisen lässt. 1774 wurde der Künstler schließlich als Landschaftsmaler in die Accademia di Venezia aufgenommen. Motivisch umfassen seine Darstellungen Landschaften mit biblischen und mythologischen Szenen, pastorale Landschaften, Fantasiekompositionen mit antikischen Architekturen, Statuen und Reliefs – das sogenannte Ruinencapriccio – sowie Schlachtenszenen, in denen Zais vor allem von den Werken des Malers Francesco Simonini beeinflusst wurde (MOSEL 1970, S. 31ff.).
Auf der Zeichnung leitet ein Weg in einer weiten Kurve in die Landschaft ein. Auf der rechten Seite grenzt er an einen See, während er auf der linken Seite an einer Gruppe verlassener Gebäude entlangführt. Charakteristisch für den Zeichenstil ist der zarte, krakelige und immer wieder aussetzende Federstrich, mit dem alle Formen gleichmäßig umrissen sind. Zur Ausgestaltung der landschaftlichen Motive verwendet Zais eine graue und in den Vertiefungen graublaue Lavierung, wobei die Details durch die aufgetupfte bzw. flüssig aufgetragene Tinte mehr angedeutet als konkret herausgearbeitet werden. Die rötlich braune Federlinie ist mit den Tönen der Lavierung verwoben und verleiht der Darstellung eine farbige Wirkung. Typisch für die Blätter des Künstlers ist auch, dass der Fluchtpunkt außerhalb der Darstellung liegt, sich der Hintergrund im Atmosphärischen auflöst und mit dem Himmelsbereich verbindet und dass die Figuren keine kompositionelle Bedeutung haben, sondern als belebende Staffage in die Natur eingefügt sind. Auch die Architekturen sind in die Landschaft eingebettet, wachsen aus dieser empor, wobei sie eine für Zais kennzeichnende, kubisch-blockhafte, fast klötzchenartige Form annehmen. Es sind hier reine Fantasiegebilde, die nicht aus dem Studium einer konkreten topografischen Situation erwachsen sind, wie in den Landschaften von Canaletto, der seinen Gebäuden zudem eine monumentalere Wirkung zu geben mag. Unter den Zeichnungen, welche die angesprochenen Stilcharakteristika aufweist und in der Ausführung dem Blatt aus der Sammlung Feldmann ähnelt, sei auf ein Ruinencapriccio von Giuseppe Zais verwiesen, das sich im British Museum befindet (Inv.-Nr. 1929,0516.1).
Achim Gnann, Heinz Schödl (Hg.), Spurensuche. Die Sammlung Arthur Feldmann und die Albertina, Wien 2015.
