Zwei Jäger mit ihren Pferden bei einem Fluss
Philips Wouwerman
Mitte 17. Jahrhundert
Die querrechteckige Zeichnung zeigt zwei Jäger mit ihren Pferden an einem Fluss. Während der rechte sein Pferd durch einen seichten Nebenarm des Gewässers dirigiert, ist der andere bereits abgesessen und erfrischt sich ebenso wie die beiden Hunde und sein Pferd am Ufer. An seinem Gürtel hängen erlegte Vögel, die von der erfolgreichen Jagd zeugen. Die Stimmung ist gelöst, geprägt von einem kurzen Moment der Rast und Erholung vor der Fortsetzung des Weges.
Die einstige Zuschreibung an Karel Dujardin (um 1622 Amsterdam – Venedig 1678) basiert auf einer rückseitig mit Füllfeder angebrachten modernen Aufschrift. Zwar sind für diesen hochgeschätzten Maler italianisanter, in warmes südliches Licht getauchter Landschaften derlei Szenen mit Reitern oder Tierherden sehr typisch, wie etwa ein Vergleich mit der Darstellung eines Reiters, der sein Pferd an einem Fluss tränkt, verdeutlicht (1660 datiert, Öl/Leinwand, 35,6 x 45,7 cm; um 1650 bei W. Hugelshofer, Zürich; KILIAN 2005, S. 353, T. 50, Nr. 61), doch lassen sich zu keinem von Dujardins Werken direkte Bezüge herstellen. Auch Stil und Zeichentechnik unterscheiden sich wesentlich (freundlicher Hinweis von Marit Gruijs, E-Mail an die Verf. vom 12. April 2015; daher nicht in Gruijs’ Werkverzeichnis, De tekeningen van Karel Dujardin (1626–1678), unpubl. Diss., Utrecht 2003).
Zutreffender ist hingegen die im Ausstellungskatalog in Laren 1962 vorgeschlagene Verbindung mit Philips Wouwerman (1619–1668). Dieser war in seiner Heimatstadt Haarlem einer der produktivsten und beliebtesten Maler seiner Zeit, mit einem breiten Themenspektrum von Schlachtenbildern über Genre- und Landschaftsszenen bis zu religiösen Sujets. Vor allem als Darsteller von Pferden wurde er für seine lebendige und detailgetreue Wiedergabe sehr geschätzt. Bei seinem Tod hinterließ Wouwerman mindestens 600 Gemälde, jedoch sind nur wenige Zeichnungen von seiner Hand bekannt, von denen nur rund 25 Stück allgemein als eigenhändig akzeptiert werden. Angeblich veranlasste der Künstler am Sterbebett, dass seine Zeichnungen verbrannt werden sollten, was jedoch zweifelhaft ist, da alte Inventare und Auktionskataloge davon zeugen, dass seit dem 17. Jahrhundert eine Vielzahl von Zeichnungen Wouwermans am Kunstmarkt zirkulierte (vgl. Kassel und Den Haag 2009, S. 138). Die meisten bekannten Zeichnungen Wouwermans entstanden als eigenhändige Arbeiten für den Verkauf und nicht als vorbereitende Studien für Gemälde. Ob es sich bei der vorliegenden Zeichnung um eine eigenhändige Arbeit oder um das Werk eines Nachfolgers handelt, ist schwierig zu entscheiden, da ihre Wirkung durch das stark vergilbte Papier beeinträchtigt wird. Auch sind die Linien der hellbraunen Umrisszeichnung – möglicherweise durch die Montage des Blattes auf einem Untersatzpapier – aufgeschwommen, was den optischen Eindruck der einfühlsam mit grau-blauer Aquarellierung ergänzten Arbeit etwas schmälert. In Größe sowie technischer Ausführung eng verwandt ist eine aquarellierte Federzeichnung mit rastenden Jägern in der Albertina (Inv. 9374), die ein Gemälde Wouwermans in Privatbesitz kopiert (SCHUMACHER 2006, A 831; freundlicher Hinweis von Quentin Buvelot, E-Mail an die Autorin vom 12. Mai 2015).
Spurensuche. Die Sammlung Arthur Feldmann und die Albertina, Achim Gnann, Heinz Schödl (Hg.), Wien 2015, S. 64-65.
IIIFPermalinkhttps://sammlungenonline.albertina.at/objects/328307/zwei-jager-mit-ihren-pferden-bei-einem-flussImage Request