Bauernhaus mit zwei sitzenden Figuren
Anonym
18. Jahrhundert
Die Rötelzeichnung zeigt ein aus mehreren Steingebäuden und stallartigen Holzbauten bestehendes bäuerliches Anwesen, das im Vordergrund von einer dichten Hecke umgeben ist. Durch die versierte Verwendung des Rötelstifts werden eine reiche Skala an Tonvariationen, an fließenden Hell-Dunkel-Übergängen sowie der Eindruck einer atmosphärischen, von Licht flimmernden Stimmung erzielt. Arthur Feldmann hat das Blatt in Übereinstimmung mit der alten Aufschrift »A. Boisier fecit« auf der Rückseite dem Lyoner Künstler Jean Jacques de Boissieu (1736–1810) zugeschrieben. Boissieu verwendete jedoch den Rötelstift äußerst selten und wenn, dann nur für Porträtzeichnungen, während er für die Wiedergabe der Landschaft der monochromen Pinselzeichnung oder dem Aquarell den Vorzug gab. Zudem sprechen stilistische Unterschiede gegen Boissieu als Autor des Wiener Blattes, was Marie-Felicie Perez-Pivot, die an einem OEuvrekatalog dieses Künstler arbeitet, dankenswerterweise bestätigt hat. Boissieus meist kühltonige, gestochen scharfe Landschaften zeichnen sich durch eine betont detailreiche, außerordentlich feine Pinselführung aus und sind ähnlich minutiös wie seine mit spitzem Rötelstift festgehaltenen Porträtstudien. In der vorliegenden Zeichnung fällt dagegen eine tonig weiche, mehr summarisch angelegte Zeichenweise auf, die stilistisch eher den Landschaftsdarstellungen Hubert Roberts (1733–1808) oder denen Johann Georg Willes (1715–1808) und seinem Kreis entspricht.
Achim Gnann, Heinz Schödl (Hg.), Spurensuche. Die Sammlung Arthur Feldmann und die Albertina, Wien 2015.
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