Zwei Figuren neben einem Hirsch
Stefano della Bella
Mitte 17. Jahrhundert
Stefano della Bella wurde 1610 als fünftes Kind von Dianora Bonaiuti und dem Bildhauer Francesco della Bella in Florenz geboren. Ab seinem zehnten Lebensjahr lernte er bei verschiedenen Goldschmieden, zuletzt bei Orazio Vanni, und erhielt anschließend eine Ausbildung als Maler, zunächst in der Werkstatt von Giovanni Battista Vanni und dann bei Cesare Dandini. Vor allem durch das Studium der Druckgrafiken von Jacques Callot begann er sich intensiv mit der Radierkunst zu befassen, einer Technik, die seinem zeichnerischen Talent am ehesten entsprach und der er sich in der Folgezeit fast ausschließlich widmete. Er wurde zum bedeutendsten italienischen Radierer seiner Zeit, dessen Werk über 1.000 Druckgrafiken zählt. Die mit feiner und lebendiger Linie ausgeführten Blätter umspannen einen weiten Themenkreis, wobei della Bella seine ganze Originalität in der Schilderung vielfiguriger Darstellungen von historischen Begebenheiten, Festlichkeiten und Theaterszenen sowie in Sujets mit ornamentalen Motiven entfaltete. Die Unterstützung von Lorenzo de’Medici ermöglichte ihm von 1633 bis 1637 eine Studienreise nach Rom. Der spätere Aufenthalt in Paris von 1639 bis 1650 war künstlerisch äußerst fruchtbar und trug della Bella große Wertschätzung beim französischen Hof ein, für dessen Mitglieder wie die Regentin Anna von Österreich, Kardinal Richelieu oder Kardinal Mazarin er verschiedene Radierfolgen schuf. Nach seiner Rückkehr nach Italien ließ er sich in Florenz nieder, wo er hohes Ansehen genoss. Er unterrichtete den jungen Prinzen Cosimo III de’Medici im Zeichnen und war dort mit Ausnahme von kürzeren Aufenthalten in Venedig, Rom und Modena bis zu seinem Lebensende tätig. Der Künstler war auch ein ungemein produktiver Zeichner, dessen erhaltenes Œuvre ca. 2.500 Blätter umfasst (KLEMM 2009, S. 5). Er zeichnete unermüdlich nach der Natur und hielt die mannigfaltigen Eindrücke des Lebens fest. Wir treffen auf Zeichnungen mit einzelnen Figuren, Momenten des Alltagslebens, Landschaften, Tieren, topografischen Ansichten, Hafenszenen, Studien nach Antiken und nach Gemälden, Skulpturen und Grafiken anderer Künstler sowie auf Entwürfe für Ornamente und Kostüme. Einzelne der Motive verwendete der Künstler in seinen Radierungen. Charakteristisch für seine Zeichnungen ist der feine, nadelartig dünne Federstrich, der zugleich sehr lebendig ist und mit skizzenhafter Leichtigkeit über das Papier läuft. Gerne verwendet er eine rötlich braune Tinte wie bei dem vorliegenden kleinen Blatt, das auf der linken Seite eine kniende, gerade aufstehende Figur zeigt. Neben ihr läuft eine Gestalt mit einem Stock in der rechten Hand. Auf der rechten Blatthälfte ist ein Hirsch zu erkennen, der in ein rechtwinkeliges Dreieck eingeschrieben ist. In einer Serie von Radierungen mit Tieren widmet della Bella auch dem Hirsch ein Blatt (DE VESME, 1971, Nr. 705 II/III), doch besteht kein direkter Zusammenhang mit dieser Zeichnung und ebenso wenig haben die beiden Figuren Eingang in eine seiner Radierungen gefunden. Wie so häufig ist die Zeichnung des Künstlers kleinformatig, was dafür sprechen könnte, dass sie aus einem der Skizzenbücher herausgeschnitten wurde.
Achim Gnann, Heinz Schödl (Hg.), Spurensuche. Die Sammlung Arthur Feldmann und die Albertina, Wien 2015.
IIIFPermalinkhttps://sammlungenonline.albertina.at/objects/328312/zwei-figuren-neben-einem-hirschImage Request