Adriaen Thomasz. Key, Joab tötet Absalom, Inv. Nr.: DG2013/23
Joab tötet Absalom
Adriaen Thomasz. Key, Joab tötet Absalom, Inv. Nr.: DG2013/23
Credit: ALBERTINA, Wien Image: ALBERTINA, Wien

Joab tötet Absalom

Adriaen Thomasz. Key

1570er Jahre




Künstler:in (Niederlande, um 1544 - nach 1589)
Date1570er Jahre
Object TypeDruckgraphik
Object typePrint
Materials / TechniquesClair-obscur-Holzschnitt in drei Platten (grün)
DimensionsBlatt: 30,2 x 47,7 cm
CreditALBERTINA, Wien
Object numberDG2013/23
Signedr.u. "ATK (ligiert, im Druck)"
WatermarkWappenschild mit zusammengesetzten Buchstaben, beginnend mit P, darunter Aufschrift P PRICARD, vgl. Briquet 9613 (Wien 2013, Abb. S. 444)
Text

Adriaen Thomasz. Key, um 1544/45 geboren, war als Maler in Antwerpen tätig, wobei er vor allem durch seine Porträts Bedeutung erlangt hat. 1558 wurde er als Schüler von Jan Haeck in das Register der Antwerpener Künstler eingetragen und beim Tod Willems 1568 als Meister. Die letzte Erwähnung findet sich 1589. A. Bartsch hielt den hier besprochenen Holzschnitt für das Werk eines anonymen Formschneiders. G. K. Nagler erkannte jedoch, dass das ligierte Monogramm auf dem Blatt jenem auf den Bildern von Key entspricht und schrieb es dem Künstler zu. Ob er es selbst geschnitten oder ein Formschneider es nach seinem Entwurf ausgeführt hat, ist nicht geklärt. Die Darstellung gibt den Tod des Absalom wieder, der gegen seinen Vater, König David, einen Aufstand angezettelt hatte und in die Schlacht gezogen war (2 Sam. 18,6–32). Als sein Pferd unter einer großen Eiche hindurchlief, blieb er mit dem Kopf daran hängen, woraufhin ihn Joab mit einer Lanze durchbohrte. Es ist der zentrale Moment der Tötung verbildlicht, wie ihn auch eine Volkert Claesz zugeschriebene Vorlage für ein Glasfenster im Louvre (Amsterdam und Cleveland 1992–1993, Fig. 27), ein 1548 datierter Druck von Augustin Hirschvogel (Albertina, Wien, Inv. DG1930/1921), ein um 1585 entstandener Kupferstich von Johan Wierix nach Marten de Vos (Schuckman 1996, Nr. 121) oder eine Ottavio Semino zugeschriebene Zeichnung im Louvre zeigen (Inv. Nr. 11205 Recto). Während Joab in diesen Beispielen jedoch auf seinem Pferd reitet, führt er den Todesstoß auf dem Clair-obscur vom Boden aus. N. Bialler (Amsterdam und Cleveland 1992–1993) hat unlängst darauf hingewiesen, dass die Bewegung des wegsprengenden Pferdes mit zurückgewendetem Kopf sehr ähnlich auf dem Glasfensterentwurf im Louvre und dem Stich von Wierix wiederkehrt. Das Motiv könnte von dem zentralen Reiter in einer von Agostino Veneziano um 1517 bis 1518 gestochenen Schlachtenszene angeregt sein (B. XIV, S. 172, Nr. 212), die vermutlich auf Entwürfe von Raphael zurückgeht. In der dichten, reliefartigen Anordnung der Krieger auf dem Farbholzschnitt mag sich Key auch von den Kupferstichen mit Schlachtenszenen von Gian Jacopo Caraglio (B. XV, S. 93, Nr. 59) und Marco Dente da Ravenna (B. XIV, S. 316, Nr. 420) inspiriert haben lassen, die möglicherweise beide ebenfalls Ideen von Raphael wiedergeben. In der Literatur wurde wiederholt auf die engen Bezüge zu Werken von Frans Floris hingewiesen. F. Bruillot, der allerdings den Künstler der beiden Clair-obscur-Holzschnitte nicht kannte, dachte sogar, dass sie auf Entwürfe von Floris zurückgehen. In der Tat ähnelt der Stil dem seiner Farbholzschnitte wie die 1555 datierten, aus sechs Teilen zusammengesetzten Jagdszenen (Wouk 2011, Bd. 1, Nr. 9). Bei Floris sind die Farbfelder jedoch flüssiger gestaltet, wodurch die Kompositionen malerischer und die Bewegungen fließender und dynamischer anmuten. Die Farben der Tonplatten füllen große Flächen aus und werden in Kontrast zueinander und zu den Linien der schwarzen Strichplatte gesetzt, wodurch sich die Figuren klarer voneinander und von ihrer Umgebung abheben. In Keys Clair-obscur tritt dagegen das lineare Element stärker hervor, da er für die Lichthöhungen und die Partien der mittleren Tonplatte ähnlich kräftige, gerundete Linien wie für die Strichplatte verwendet. Die Linien der einzelnen Platten und der Glanzlichter stehen in ausgeglichenem Verhältnis zueinander und modellieren die Körper plastisch. Da sie dicht aneinander liegen und Key auf Kontraste zu größeren Farbflächen verzichtet, wirkt die Komposition in manchen Bereichen leicht unübersichtlich. Hinzu kommt, dass Key für die Strichplatte kein Schwarz, sondern ein Dunkelgrün als Farbton verwendet. In der Ausführung stehen dem Holzschnitt Werke von Ugo da Carpi wie dessen Olympos (Wien 2013, Sammlung Baselitz, Kat. 50) näher als Blätter von Niccolò Vicentino, dessen Stil deutlich die Clair-obscurs von Frans Floris geprägt hat. Die von N. Bialler aufgelisteten Exemplare sind alle in grünen bzw. blaugrünen Tönen gedruckt. K. Jonckheere datiert das Blatt in die Zeit um 1568 bis 1570, N. Bialler in die 1570er Jahre.  

 

Literatur: Bruillot 1832, S. 41, Nr. 298; Nagler 1858–1879, Bd. 1, 1858, S. 247, Nr. 1; Wurzbach 1904, S. 264; Reichel 1926, S. 26, Abb. 6; Winkler 1927, S. 228; Delen 1935, S. 86; Judson 1970, S. 93, Anm. 4; Strauss 1973, Nr. 115; Amsterdam und Cleveland 1992–1993, Nr. 8b; Braunschweig 2003–2004, S. 37; Jonckheere 2007, Kat. A. 123; Wouk 2011, Bd. 1, S. LV

Catalogue raisonné
  • Bartsch IX.407.1 (anonym)
  • Hollstein Dutch & Flemish IX.241.1
  • Bibliography
  • Achim Gnann, AK, In Farbe! Clair-obscur-Holzschnitte der Renaissance. Meisterwerke aus der Sammlung Georg Baselitz und der Albertina in Wien, München 2013, Nr. 153
  • Provenance
  • Prinz Eugen von Savoyen
  • Kaiserliche Hofbibliothek

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    Last edited06.11.2024