Ugo da Carpi, Badende Nymphen, Inv. Nr.: DG951
Badende Nymphen
Ugo da Carpi, Badende Nymphen, Inv. Nr.: DG951
Credit: ALBERTINA, Wien Image: ALBERTINA, Wien

Badende Nymphen

Ugo da Carpi

1526/1527 (Neuauflage Andreani 1605)




Künstler:in (Carpi bei Ferrara um 1480 - 1532 Rom)
Nach (Parma 1503 - 1540 Casalmaggiore)
Druck (Mantua (zwischen 1541-1559) - (zwischen 1623-1629) Mantua)
Date1526/1527 (Neuauflage Andreani 1605)
Object TypeDruckgraphik
Object typePrint
Materials / TechniquesClair-obscur-Holzschnitt von drei Platten
DimensionsBlatt: 29,8 x 20,2 cm
CreditALBERTINA, Wien
Object numberDG951
Edition2. Zustand
Signedl.u. "AA MDCV"
Text
Der berühmte Clair-obscur-Holzschnitt Badende Nymphen gibt eine lavierte und mit Weiß gehöhte Zeichnung Parmigianinos in den Uffizien gleichseitig und annähernd maßgleich wieder (Wien 2013, Abb. 35). Eindrucksvoll sind die zarten, fließenden Federlinien der Vorlage in die dünnen Stege der schwarzen Strichplatte und die wässrigen Lavierungen in die malerischen, aufgelösten Flächen der Tonplatte umgesetzt. Die aufblitzenden Weißhöhungen lassen die ganze Schönheit der grazilen Frauenkörper hervortreten und verleihen dem Raum eine sonnige, lichtdurchflutete Atmosphäre. A. E. Popham (1971, Nr. 74, Pl. 119) identifizierte die Szene versuchsweise als Bad der Diana. Eine solche Deutung scheint ihr auch Antonio Fantuzzi in seiner gegensinnigen Radierung (B. XVI, Nr. 14, S. 197) von 1543 zu geben, in der schräg über der zentralen Frauengestalt eine Mondsichel, das Attribut Dianas, eingefügt ist. V. J. Hull (2004) möchte in der Darstellung die von Ovid in den Metamorphosen und den Fasti geschilderte Entdeckung der Schwangerschaft der Kallisto erkennen (Ovid, Met. 2, 409ff.). Diese wurde offensichtlich, als sich Diana und die Nymphen für das Bad vorbereiteten und bei dieser Gelegenheit der sich ausruhenden Nymphe die Kleider vom Leibe zogen. Für diese Deutung könnte die Gegenwart des im Himmel angedeuteten Jupiter sprechen, der sie zuvor verführt hatte. Unklar ist aber, wer von den beiden liegenden Gestalten Kallisto sein sollte, da sich keine von beiden wegen ihrer nun sichtbaren Schwangerschaft schämt. Zudem erhalten sie keine Aufmerksamkeit von den anderen Nymphen, die ganz mit sich selbst beschäftigt sind. Vielleicht handelt es sich um eine eher unspezifische Darstellung badender Nymphen oder nackter Mädchengestalten in einer arkadischen Landschaft, wie sie in dieser Zeit nicht unüblich waren (vgl. München und Frankfurt 2007–2008, S. 154). A. Bartsch hielt den hier besprochenen Clair obscur Holzschnitt mit dem Monogramm von Andrea Andreani fälschlicherweise für den ersten Zustand, wohingegen der Zustand ohne dem Monogramm von Andrea Andreani (siehe Albertina inv. dg2002/500 und inv. dg2002/501) der zweite sei. Bereits A. Zanetti hat aber das Exemplar ohne Monogramm als die erste Fassung bestimmt und als eine Arbeit von Ugo da Carpi angesehen. Diese Zuschreibung wird bisweilen bezweifelt, und so ist das Blatt etwa in dem Werkkatalog von J. Johnson (1982) nicht aufgenommen. Entschieden für Ugo spricht die kongeniale Umsetzung der Vorzeichnung in den Farbholzschnitt, bei dem die Mädchengestalten mit wenigen Akzenten der dunkleren Farbplatte und der schwarzen Strichplatte Rundung erhalten und sich dank der wirkungsvollen Verkürzung der Gliedmaßen frei im Raum zu bewegen vermögen. In Niccolòs Holzschnitten überlagern sich dagegen die Tonplatten, modellieren den Körper nicht heraus, sondern drücken ihn in die Fläche. Die Umrisslinie umschreibt die Formen gleichmäßig, ohne Akzente zu setzen und die Plastizität der Körper hervorzuheben. Die Bewegungen sind fließend, aber spannungslos, und in keinem der Holzschnitte zeigt Niccolò Figuren mit derart artikulierten Körpern wie bei den Badenden Nymphen, die an den Gelenkstellen vollkommene Festigkeit aufweisen. Das Blatt entwickelt den malerischen Stil von Ugos Venusfest (Albertina, Inv. DG2002/307) weiter und schließt unmittelbar an Holzschnitte wie die Auferstehung Christi oder den Olympos an. A. E. Popham datiert Parmigianinos Vorzeichnung in die römische (1524–1527) oder die bolognesische Periode (1527–1530) des Künstlers. Für eine Entstehung gegen Ende der römischen Zeit sprechen die ausgreifenden Gesten der Frauengestalten und die Gliederung des Raumes durch eine kraftvolle Tiefenschräge, die sich mit der Hieronymusvision in der National Gallery in London vergleichen lassen. In der Bologneser Zeit werden die Figuren dagegen stärker in die Fläche gebreitet werden. Bereits C. Ricci (1914, Nr. 20) verwies auf den Zusammenhang des Blattes mit dem von Vasari (Ausg. Milanesi, Bd. V, 1880, S. 233) erwähnten »quadro di certe ninfe, che oggi è in casa di messer Niccolò Buffolini a Città di Castello«. Parmigianino hat 1526/27 im Auftrag eines anderen Mitgliedes der Bufalini-Familie, Maria Bufalini, die Hieronymusvision gemalt und könnte gleichzeitig an dem Bild mit den badenden Nymphen gearbeitet haben. Es ist daher nicht ausgeschlossen, dass Ugo seinen Farbholzschnitt in derselben Zeit geschaffen hat. 
In der Albertina sind weitere Zustände sowohl des ersten Zustands (Albertina, Inv. DG2002/500, Inv. DG2002/501, sowie in HB 33.2 p.46) als auch des hier besprochenen zweiten Zustands mit dem Monogramm Andreanis und der Datierung 1605 erhalten (Albertina, Inv. DG2002/502 sowie in HB 33.2 p.45). 
Catalogue raisonné
  • Bartsch XII.122.22 (Bartsch führt die Abzüge von Andreani als 1. Zustand, während beim 2. Zustand das Datum und der Schriftzug Andreanis entfernt worden wären. Aktueller Forschungsstand: 1. Zustand: Ugo da Carpi, 2. Zustand: Andrea Andreani)
  • Bibliography
  • vgl. Achim Gnann, AK, In Farbe! Clair-obscur-Holzschnitte der Renaissance. Meisterwerke aus der Sammlung Georg Baselitz und der Albertina in Wien, München 2013, S. 136-137

  • IIIF Logo IIIFPermalinkhttps://sammlungenonline.albertina.at/objects/334763/badende-nymphenImage Request
    Last edited12.03.2021

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