General Rapp meldet Kaiser Napoleon I. den Sieg über die russische Kavallerie in der Schlacht bei Austerlitz
Noël Dieudonné Finart
1835
Noël Dieudonné Finart stellte bevorzugt militärische Szenen in Aquarelltechnik dar. Das Blatt der Albertina ist dafür ein charakteristisches Beispiel: es zeigt einen der größten Triumphe #Kaiser Napoleon I., seinen Sieg über die verbündeten österreichischen und russischen Armeen in der Schlacht von Austerlitz, am 2. Dezember 1805. Finart wählte jenen glorreichen Moment, in dem General #Jean Rapp (1772-1821) dem Kaiser auf der Anhöhe von Pratze seinen Sieg über die russische Kavallerie meldet. In der Wahl des Themas ließ er sich vermutlich von dem, 1806 von Napoleon beauftragten und 1810 für den Saal des Staatsrates im ehemaligen Palais des Tuileries fertiggestellten Deckengemälde von #François Gérard (Versailles, Musée National du Château de Versailles, Inv. MV 2765) inspirieren, das von #François Godefroy 1813 als Kupferstich reproduziert wurde. 1815, nach dem Ende der napoleonischen Herrschaft, wurde das Bild abgenommen und im Louvre aufbewahrt. #König Louis-Philippe, sich der starken bonapartistischen Bewegung ständig gewahr, ließ es 1835 in der Galerie des Batailles in Schloss Versailles aufstellen. Es scheint im Hinblick darauf mehr als zufällig, dass das Aquarell von Finart im gleichen Jahr entstanden ist. Bei Gérard meldet General Rapp Napoleon, der u.a. von den Generälen #Bessières, #Berthier, #Junot und #Duroc umgeben ist, seinen Sieg, indem er dem Kaiser #Fürst Repnin als Gefangenen sowie eroberte russische Fahnen und Standarten übergibt (vgl. dazu: Claire Constans, Versailles, La Galerie des Batailles, Paris 1981, p. 43; dieselbe, Musée National du Château de Versailles, Les Peintures, Vol. I, Paris 1995, Nr. 2058; M. Allégret, La Bataille d´Austerlitz, in: Revue du Souvenir Napoléonien, Nr. 406, mars, avril 1996, S. 63-65). Während Gérards Monumentalbild eine Fülle an französischen und russischen Soldaten, darunter auch einige zu Rapps Regiment gehörende Mamelucken, Verwundete, Tote sowie viele bildwirksame Details aufweist, dominiert bei Finart Kaiser Napoleon I. zu Pferd die Darstellung. Die Anzahl der Personen wurde reduziert, auf die Szene der Übergabe des Fürsten Repnin gänzlich verzichtet, der Generalstab mit einigem Abstand zu Napoleon in die linke Bildhälfte und der heranreitende General Rapp ohne Gefolgschaft nach rechts platziert, wodurch Napoleon, ebenso bild- wie aussagewirksam vom Geschehen isoliert, zum eigentlichen Zentrum wird. Seine majestätische Pose akzentuieren darüber hinaus drei, mit gebührendem Abstand, um ihn gruppierte, berittene und für seinen persönlichen Schutz verantwortliche Jäger der kaiserlichen Garde. Dies verleiht der Darstellung eher denkmalartige Züge und rückt sowohl kompositionell als auch inhaltlich das eigentliche Schlachtengeschehen in den Hintergrund. Die von Gérard inspirierten, theatralisch düsteren Wolken, die sich gleichsam symbolisch auflösen, um dem Blau des Himmels Platz zu machen, erzeugen einen effektvollen Kontrast zu Napoleons heller Uniform und dem Weiß seines Schimmels.
zitiert aus: Klaus Albrecht Schröder (Hg.), Christine Ekelhart (Bearb.), Die französischen Zeichnungen und Aquarelle des 19. und 20. Jahrhunderts der Albertina. Beschreibender Katalog der Handzeichnungen in der Albertina, Bd. XI, Wien/Köln/Weimar 2007, S. 320, Nr. 141.
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