Gebirgslandschaft (Les Eaux-Bonnes in den Pyrenäen ?)
Eugène Delacroix
1845 (?)
Im zeichnerischen Œuvre Delacroix´ finden sich auch zahlreiche Landschaftsstudien, die auf seiner Reise in Nordafrika und größtenteils während seiner häufigen Aufenthalte auf dem Land wie z.B. in Valmont, Nohant, Champrosay oder Les Eaux-Bonnes entstanden sind. Dabei interessiert Delacroix weniger die topografische Genauigkeit, als vielmehr die subjektive Erfassung landschaftlicher Schönheit und ihrer atmosphärischen Stimmung. Die zumeist in Aquarell ausgeführten Arbeiten faszinieren sowohl durch ihre subtile Wahrnehmung der Natur als auch den geringen technischen Aufwand, mit dem Delacroix maximale Intensität des Ausdrucks erzielt. Sein sicherer Blick für das Wesentliche der Naturschilderung und die souveräne Beherrschung der zeichnerischen Mittel prägen auch das Blatt der Albertina: Mit lockerem, flüssigem Pinselstrich in zart abgestuften Farben erfasst Delacroix den von steil aufragenden Berghängen begrenzten Talschluss, wobei das getönte Papier maßgeblich zur atmosphärischen Gesamtwirkung beiträgt. Das mit bewundernswerter Ökonomie ausgeführte Aquarell suggeriert durch reich differenzierte Hell-Dunkel-Effekte nicht nur die topografische Gegebenheit, sondern auch das Gefühl für die plastisch-tektonisch geformten Berghügel sowie die räumliche Tiefenwirkung der lichtbeschienenen Ebene des sonnenseitigen Hanges bis hin zum dunklen, sich kesselartig verengendem Talende.
Wann und welche landschaftliche Region Delacroix mit dieser Ansicht skizziert hat, ist schwer zu klären. Im Ausstellungskatalog der Wiener Secession 1932 "Algerische Landschaft" genannt, von Günter Busch als "Marokkanische Landschaft" bezeichnet (AK Bremen 1964, Nr. 209), besteht, m.E., eine engere Verwandtschaft - bezüglich Topografie und Malweise - zu den Aquarellen, die Delacroix Juli und August 1845 während seines Aufenthaltes in dem Kurort Les Eaux-Bonnes in den Pyrenäen angefertigt hat (Sérullaz, I, Nr. 1188, 1190; C. Ganeval, P. C. Lamicq, 1845 Eugène Delacroix aux Pyrénées, Lourdes 1985, vor allem Taf. 13, 17). Delacroix war von der Landschaft, den steilen Pyrenäenhängen und der Enge des Tales tief beeindruckt, wie aus mehreren Briefstellen an Freunde hervorgeht, u.a. an #Léon Riesener: " La nature est ici très belle; on est jusqu´au cou dans les montagnes et les effets en sont magnifiques" (Brief vom 25.7.1845; Delacroix, Correspondance II, S. 222).
zitiert aus: Klaus Albrecht Schröder (Hg.), Christine Ekelhart (Bearb.), Die französischen Zeichnungen und Aquarelle des 19. und 20. Jahrhunderts der Albertina. Beschreibender Katalog der Handzeichnungen in der Albertina, Bd. XI, Wien/Köln/Weimar 2007, S. 208, Nr. 91.
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