Alexandre Gabriel Decamps, Die Tränke, Inv. Nr.: 24168
Die Tränke
Alexandre Gabriel Decamps, Die Tränke, Inv. Nr.: 24168
Credit: ALBERTINA, Wien Image: ALBERTINA, Wien

Die Tränke

Alexandre Gabriel Decamps

um 1832




Künstler:in (Paris 1803 - 1860 Fontainebleau)
Dateum 1832
Object TypeZeichnung
Object typeDrawing
Materials / TechniquesGouache, mit Deckweiß gehöht, auf ockerfarbenem Papier
Dimensions15,1 x 24,9 cm
CreditALBERTINA, Wien
Object number24168
Text

Seit jeher hatte die Welt des Orients Künstler fasziniert und inspiriert. Angeregt durch fremdartige Reisebeschreibungen und exotische Reiseandenken kamen Orient-Themen im 18. Jahrhundert besonders in Mode. Chinoiserien und Turquerien erfreuten sich in allen Bereichen der Kunst großer Beliebtheit. Im 19. Jahrhundert erhielt dieses Interesse darüber hinaus durch politische Ereignisse wie den Feldzug Napoleons nach Ägypten und Smyrna (1798/99), die französische Eroberung Algeriens (1830) oder den griechischen Widerstandskampf gegen die Türken (1821-1830) aktuelle Impulse. Als Lieblingsstoff der romantischen Bewegung erfuhr die Begeisterung für den Orient eine zusätzliche Steigerung. Die Themen reichen von wilden Schlachten- und blutrünstigen Jagdszenen über fremdländische Landschafts- und bunte Straßenschilderungen bis hin zu geheimnisvoll erotischen Haremsdarstellungen.
Noch vor #Eugène Delacroix´ großem Durchbruch in diesem Genre mit seinen 1834 im Salon ausgestellten "Frauen von Algier" (Paris, Louvre), begeisterte Alexandre-Gabriel Decamps das Pariser Publikum mit seinen fernöstlichen Sujets und galt für die Malerei als der eigentliche Entdecker des Orients. Überaus erfolgreich debütierte er 1827 mit dem Gemälde "Ein Janitschar aus der Garde des Wesirs" (London, Wallace Collection) im Pariser Salon, noch bevor er im gleichen Jahr den Marinemaler #Antoine Louis Garneray auf einer einjährigen Expedition nach Konstantinopel und an die kleinasiatische Küste begleitete. Decamps besuchte Nordafrika, verließ aber später die Expedition, um Kleinasien und Griechenland zu bereisen. Er kehrte mit einer beachtlichen Sammlung von Schwertern, türkischen Kostümen und exotischen Tieren zurück, die er als Formenrepertoire für seine Arbeiten verwenden konnte. Im Salon von 1831 trat er mit der "Türkischen Patrouille" (London, Wallace Collection) an die Öffentlichkeit und erzielte erneut einen großen Erfolg. Man bewunderte vor allem seine kongeniale Umsetzung von flirrendem südlichen Licht und sonnendurchtränkter Atmosphäre in leuchtende Farben und magische Hell-Dunkel-Kontraste.
Ein effektvolles Wechselspiel von Licht und Schatten kennzeichnet auch die Gouache der Albertina. Mit pastosem Deckweißauftrag sind die hellsten Partien zu intensiver Leuchtkraft gesteigert, darüber hinaus trägt das ockerfarbige Papier maßgeblich zur Illusion sengend heißen Wüstensandes und unendlicher Weite bei. Das Blatt mit türkischem (?) Reitertrupp, der am Fuße einer zitadellenartigen Mauer seine Pferde tränkt, und herannahender Kamelkarawane ist eine Vorstudie für das um 1832 entstanden Gemälde "Die Tränke" (London, Wallace Collection; Mosby 1977, Nr. 158, Taf. 23 A). Es ist dies, nach der "Türkischen Patrouille", seine zweite monumentale Orientkomposition, die 1833 im Salon ausgestellt war. Decamps bereitete dieses Werk besonders gründlich vor, da ihm die Kritik einen bisweilen sorglosen Bildaufbau vorgeworfen hatte. Die Frau mit dem Kind an der Hand und dem Krug auf dem Kopf findet sich als zentrales Motiv in einem Aquarell der Wallace Collection, London, nach Mosby (1977, S. 96) eine frühe, noch reduzierte Fassung zum Thema "Tränke". In einer Kohlezeichnung (Mosby 1977, Nr. 212, Taf. 129 A) befasst er sich ausschließlich mit dem später ganz rechts wiedergegebenen Reiter, der eine für die Bildkomposition wichtige Stellung einnimmt, da er durch seinen nach rückwärts gewandten Körper einerseits die Verbindung zu den übrigen Reitern herstellt und andererseits durch den nach der entgegengesetzten Richtung ausgestreckten Kopf seines Pferdes zu den beiden Frauen rechts überleitet. In Aberdeen (City of Aberdeen Art Gallery and Museums Collections) befinden sich zwei weitere Entwürfe: eine Federzeichnung, die die Frauen noch in unmittelbarer Nähe zu den Reitern zeigt, sowie eine Ölskizze (Mosby 1977, Nr. 532, Taf. 23 B) ohne herannahende Karawane, dafür bereits mit dem Spannung bewirkenden Abstand zwischen Hauptgruppe und den beiden Frauen mit Kind. Beide Studien gehen der Gouache der Albertina offensichtlich voran. Diese stimmt bereits in den wesentlichen Zügen der figuralen Komposition, von Wolkenformationen und vor allem der Lichtführung mit dem Gemälde überein. Das vollendete Werk wurde von #Delaunois lithografiert.

 

zitiert aus: Klaus Albrecht Schröder (Hg.), Christine Ekelhart (Bearb.), Die französischen Zeichnungen und Aquarelle des 19. und 20. Jahrhunderts der Albertina. Beschreibender Katalog der Handzeichnungen in der Albertina, Bd. XI, Wien/Köln/Weimar 2007, S. 164, Nr. 72.

Catalogue raisonné
  • Ekelhart 2007, 72
  • Provenance
  • 1924 erworben

  • IIIF Logo IIIFPermalinkhttps://sammlungenonline.albertina.at/objects/33874/die-trankeImage Request
    Last edited27.09.2011