Detailkopie aus der "Schlacht bei Nazareth" von Antoine Gros
Anonym
1. Hälfte 19. Jahrhundert
Die mit Hilfe subtil verriebener Pastelltöne duftig wirkende Darstellung kopiert eine dramatische Kampfszene aus dem Gemälde "Die Schlacht bei Nazareth" von #Antoine Gros (Nantes, Musée des Beaux-Arts).
Das 1801 entstandene Bild glorifiziert den Sieg des #Generals Junot mit seiner kleinen Truppe von nur 500 Mann über die zahlenmäßig überlegenen 6000 Türken bei Nazareth am Fuße des Berg Tabor am 8. April 1799. Gros´ Ölskizze gewann den Wettbewerb um die Ausführung eines großen Gemäldes zur Erinnerung an diese denkwürdige Schlacht, deren monumentale Umsetzung schließlich unterblieb, weil Napoleon die Verherrlichung seines Generals in dieser Darstellung angeblich für zu vordringlich empfunden habe. Gros´ lebendige und vor allem kraftvolle koloristische Wiedergabe fand ungeheuren Anklang und wurde zum bewunderten Vorbild, wie z.B. von #Delacroix und seinen Schlachtendarstellungen von Nancy und Taillebourg (Johnson I, Nr. 143, II, Taf. 125; Johnson III, Nr. 260, IV, Taf. 77). #Géricault bezahlte 1000 Fr. für die Erlaubnis, das Bild kopieren zu dürfen. Diese Kopie (Avignon, Musée Calvet) befand sich sogar einige Zeit leihweise in Delacroix´ Besitz, der Wohnung und Atelier (15, quai Voltaire) von #Horace Vernet nach dessen Berufung als Direktor an die Académie de France nach Rom gemietet hatte. Zu dessen Besitz gehörte auch Géricaults´ Wiederholung der "Schlacht bei Nazareth", für die Delacroix Vernet am 7.12.1828 eine Übernahmebestätigung ausgestellt hat (Correspondance V, S. 147, 7 décembre 1828; Johnson I, S. 143, unter Nr. 143).
Die Szene der Albertina war ursprünglich Delacroix zugeschrieben, lässt sich aber mit seinen Zeichnungen stilistisch nicht in Einklang bringen (siehe den Passepartoutvermerk von Arlette Sérullaz). Sie kopiert die wild bewegte, ineinander verkeilte Gruppe von stürzenden Pferden und von fallenden Reitern, die sich im Mittelgrund des Gemäldes befindet, und durch das Weiß des sich aufbäumenden Schimmels sowie des Turbans eines Türken hell aus dem dunklen Schlachtengewühl heraussticht. Der Kopist, dessen Identität nicht geklärt werden konnte, hat zuerst mit einem linearen Gerüst die Umrisse dünn fixiert, um dann die Pastellfarben zart zu modulieren und vor allem die strahlenden, im Gemälde so markant und wirkungsvoll hervortretenden Glanzlichter aufzusetzen.
zitiert aus: Klaus Albrecht Schröder (Hg.), Christine Ekelhart (Bearb.), Die französischen Zeichnungen und Aquarelle des 19. und 20. Jahrhunderts der Albertina. Beschreibender Katalog der Handzeichnungen in der Albertina, Bd. XI, Wien/Köln/Weimar 2007, S. 736, Nr. 342.
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