Porträtstudie eines bärtigen Mannes
Paul Gavarni
Paul Gavarni gehörte neben #Daumier zu den beliebtesten Genrekarikaturisten; sein immenses Œuvre umfasst tausende von Lithografien für Zeitungen, Buchillustrationen und Alben. Er begann zunächst erfolglos Kostüme für Modejournale zu entwerfen und der Versuch, ein eigenes Magazin, das "Journal des gens du monde" zu leiten, geriet zu einem Fehlschlag mit großen finanziellen Einbußen. Erst als Gavarni anfing, das tägliche Leben der Pariser Gesellschaft in den Salons, im Theater, auf der Straße oder in ihrer Privatsphäre zu studieren und in diversen Journalen, vor allem im "Charivari", zu publizieren, war er erfolgreich, errang Beachtung und die Aufmerksamkeit des Publikums. Den Großteil seiner berühmten lithografischen Szenen mit zeitkritischen Sittenschilderungen wie z.B. "Les Lorettes", "Les Fourberies des femmes" oder "Le Carnaval à Paris" schuf Gavarni zwischen 1837 und 1847. Nach mehrjährigem Aufenthalt in London 1847-1851, wo in erster Linie Szenen aus dem Arbeiterleben entstanden, nahm nach seiner Rückkehr die Darstellung des Elends der unteren Schichten in seinem Œuvre größeren Raum ein. Gavarni war ein vielseitig gebildeter Mann von Welt und verkehrte in den führenden Pariser Salons. Er kannte viele bedeutende Persönlichkeiten aus Kunst, Theater, Musik, Literatur sowie Politik und schuf auch zahlreiche Porträtlithografien (siehe dazu: Panthéon des illustrations françaises au XIXe siècle, un portrait, une biographie et un autographe de chacun des hommes les plus marquants dans l´administartion, les arts ..., hg. von Victor Frond, 15 Bde, Paris, Wien, London ...1867). Wie man sich die ersten vorbereitenden Ideenskizzen dafür möglicherweise vorzustellen hat, zeigt die vielleicht während eines gesellschaftlichen Ereignisses entstandene Zeichnung der Albertina mit sieben Studien für Männerporträts (siehe auch Inv. 28666v). Auf der Vorderseite gab Gavarni mit zarten, die physiognomischen Merkmale klar herausarbeitenden Bleistiftstrichen das Porträt eines nicht näher identifizierbaren Mannes ganzseitig wieder, das eine entfernte Ähnlichkeit mit dem Komponisten #Giuseppe Verdi aufweist. Dagegen sind auf der Rückseite (Inv. 28666v) sechs weitere Männerköpfe in unterschiedlicher Ausführung skizziert.
zitiert aus: Klaus Albrecht Schröder (Hg.), Christine Ekelhart (Bearb.), Die französischen Zeichnungen und Aquarelle des 19. und 20. Jahrhunderts der Albertina. Beschreibender Katalog der Handzeichnungen in der Albertina, Bd. XI, Wien/Köln/Weimar 2007, S. 362, Nr. 162.
IIIFPermalinkhttps://sammlungenonline.albertina.at/objects/33899/portratstudie-eines-bartigen-mannesImage Request