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Pourquoi que tu l'appelles, Sire ? Dam! Si c´est un bourgeois, il fait exception à la règle par ici - c´est lui qui est fautif!
Cham, Pourquoi que tu l'appelles, Sire ? Dam! Si c´est un bourgeois, il fait exception à la règle par ici - c´est lui qui est fautif!, Inv. Nr.: 33368
Credit: ALBERTINA, Wien Image: ALBERTINA, Wien

Pourquoi que tu l'appelles, Sire ? Dam! Si c´est un bourgeois, il fait exception à la règle par ici - c´est lui qui est fautif!

Cham

1869




Künstler:in (Paris 1819 - 1879 Paris)
Date1869
Object TypeZeichnung
Object typeDrawing
Materials / TechniquesFeder, in Schwarz, über Bleistift
Dimensions7,4 x 17,7 cm
CreditALBERTINA, Wien
Object number33368
Inscribedl.u. mit Feder in Schwarz: "Pourquoi que tu l'appelles, Sire? / Dam! Si c´est un bourgeois, il / fait exception à la / règle par ici - c´est lui / qui est fautif!"; auf dem Schild:"BADE"
Text

Cham, eigentlich Graf Amédée Charles Henry de Noel, begann bereits mit zwanzig für die Zeitschrift "Charivari" als humoristischer Zeichner zu arbeiten, für die er 36 Jahre lang überaus erfolgreich Karikaturen entwarf. Dieses Magazin wurde - wie auch "La Caritative" - von #Charles Philipen 1832 gegründet und erst 1893 eingestellt. Es erschien täglich und verzichtete weitgehend auf politische Angriffe, widmete sich dafür aber umso mehr der Gesellschaftssatire, um die Zensur nicht zu verletzen. Durch das Verbot der politischen Karikatur in den strengen Pressegesetzen von 1835 sahen sich die verschiedenen Gazetten gezwungen, Themen aus dem bürgerlichen Alltag aufzugreifen und sich über die Schwächen des Bürgertums zu mokieren. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts diente die Bildsatire, ähnlich der Fotografie, hauptsächlich der Schilderung gesellschaftlicher Ereignisse wie Theater, Karneval, Ausstellungen, Mode, Salons, Reisen oder neuen Errungenschaften wie z.B. die Eisenbahn. Die humorvollen Bildsatiren Chaims erfreuten sich besonderer Beliebtheit. Er war daher außer für den "Charivari" noch für viele andere Zeitschriften wie "Musée Philipen", "Journal amüsant", oder "Petit Journal pur rare" tätig. Sein Werk umfasst tausende von Illustrationen, die im Allgemeinen keine politische Botschaft vermitteln, dabei bestenfalls an der Oberfläche bleiben, was die jahrzehntelange immer gleiche Begeisterung eines wechselnden Publikums verständlich macht. Bevorzugte Ziele seiner spottenden Angriffe sind die kleinen Leute, "wie sie vor sich hinknurren, vornehm tun, sich empören, sich begeistern, ihre Dummheit oder ihr eheliches Unglück zum Ausdruck bringen" (M. Nathan, Cham - ein Polemiker, in: Rütten 1991, S. 200). Cham stellt pointiert Episoden des tägliche Lebens dar, ohne den ätzenden Spott und die starke sozialkritische Ader eines #Daumier oder #Gavarni. Zu seinen Lieblingsthemen gehören die vielfältigen Ereignisse der Industrie-, Welt- und Kunstausstellungen, das Militär, die Mode oder Szenen aus dem kleinbürgerlichen Familienleben. Chams Zeichnungen charakterisiert eine einfach, sparsame, bisweilen nervöse Linienführung. "Aus einer Art Gekritzel tauchen häßliche Visagen von Männern und Frauen auf, die Grimassen schneiden, mit runden Augen, zusammengekniffenen Lippen, vorstehenden spitzen Nasen, die Mißtrauen zum Ausdruck bringen. Zu klein, zu groß, zu dick, zu dünn, verbreiten diese Personen eine Atmosphäre von Neid, Säuerlichkeit und Verbitterung. Sie haben einen dümmlichen Blick und vor allem triefen sie vor Habgier. Abstoßend. In diesem Universum, wo alles bis zum Extrem vereinfacht ist, bleibt kein Platz für Großzügigkeit oder Idealismus" (M. Nathan in: Rütten 1991, S. 201).
Die acht Zeichnungen der Albertina (Inv. 33367, 33369, 33370, 33371, 33372, 33373, 33374) entstanden in den 1860er-Jahren als Vorlagen für Holzstich-Illustrationen verschiedener "Albums comiques", von denen jedes unter einem bestimmten Thema sechzig kleine Zeichenwitze mit amüsanten Untertiteln von Cham enthielt und für einen Franc erhältlich war. Es sind flott gezeichnete Skizzen mit eher komisch- harmlos, naivem Inhalt, die Cham mehr als "Humoristen, denn als Karikaturisten" (AK Dortmund 1985/86, S. 186) ausweisen.
Eines von Chams Lieblingsthemen galt der humoristischen Schilderung des stark in Mode gekommenen Badevergnügens. Nachdem die heilkräftige Wirkung von Seebädern medizinisch nachgewiesen war, wurden französische Badeorte wie Dieppe, Calais, Cherbourg, aber auch Scheveningen und Ostende zu einem gesellschaftlichen Treffpunkt für Erholungssuchende. Bereits 1851 beschäftigte Cham eine Folge von Lithographien mit dem Titel "Tribulations des bains de mer d´Ostende". Die Skizze diente als Vorlage für den Holzstich in dem 1869 publizierten Album "Histoire de plaisanter" und belächelt den snobistischen Gesellschaftston der Kur- und Badegäste.

 

zitiert aus: Klaus Albrecht Schröder (Hg.), Christine Ekelhart (Bearb.), Die französischen Zeichnungen und Aquarelle des 19. und 20. Jahrhunderts der Albertina. Beschreibender Katalog der Handzeichnungen in der Albertina, Bd. XI, Wien/Köln/Weimar 2007, S. 98, Nr. 41.

Catalogue raisonné
  • Ekelhart 2007, 41

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