Neues Testament (Luther-Bibel): Johannes und ein Bote (Briefe des Johannes)
Georg Lemberger
1524
Martin Luthers im Jahr 1522 begonnene Bibelübersetzung und die Drucklegung des vordringlich bearbeiteten Neuen Testaments im September desselben Jahres sind Meilensteine der Buch- und der Sprachgeschichte. Die Übersetzung des Alten Testaments nahm Luther nach dem Erscheinen des „Septembertestaments“ sofort in Angriff. Im Oktober 1524 waren Pentateuch und die historischen Bücher (bis Salomo) fertiggestellt und der bewährte Wittenberger Verleger Melchior Lotter publizierte die bisher erbrachte Übersetzungsleistung in der hier vorliegenden zweibändigen Oktavausgabe. Doch reichen die Planungen zu diesem Projekt wohl bis zur „Editio princeps“ zurück, denn einzelne Blätter tragen schon eine „XXII“ oder das Folgejahr als Datum. Mitnichten sollte aber eine auf das Notwendigste reduzierte „Volksbibel“ ediert werden, sondern ein kleines, kostbares Taschenbuch, das im Aufwand der Ausstattung der vorangegangenen Folioausgabe um nichts nachstehen durfte. Damit galt es, auch den Bildschmuck, den für den Erstdruck der ältere Cranach entworfen hatte – etwa den Zyklus zur Apokalypse, für den sich Cranach seinerseits Dürer zum Vorbild genommen hatte –, auf das neue Format zu reduzieren und dort, wo noch keine Vorlagen vorhanden waren, diesen zu ergänzen.
Vor diese knifflige Aufgabe, nämlich daraus ein einheitliches Ganzes zu machen, wurde Georg Lemberger gestellt, ein wohl in Landshut gebürtiger Künstler und möglicherweise der Bruder oder Sohn des Bildschnitzers Hans Leinberger. Ob letzterer auch sein Lehrmeister war oder Hans Wertinger oder gar Altdorfer, ist ungewiss – jedenfalls zeigt sich der Künstler, als er zu Beginn der 1520er-Jahre die Leipziger Szene betritt, mit den Mitteln des expressiven Stils bestens vertraut. Die Einbindung der oftmals pathetischen Figuren in eine urwüchsig-natürliche Landschaft ist das Prinzip seiner Bilder, durch das auch die plagiierten Illustrationen im wörtlichen Sinne auf eine Linie gebracht wurden.
Zu Lembergers typischen Eigenerfindungen zählen die imposante Darstellung des Schöpfergottes, die dem Alten Testament vorangeht, oder die Autorenbilder, die den diversen Verfassern des Neuen Testaments gewidmet sind. Er zeigt uns den Weltenschöpfer zwischen Erde und Kosmos, wie er mit starker Hand den Weltkreis in der Leere des Universums aufzieht. Der vom Wind stürmisch gebauschte Mantel und das von seinem Haupt in den Weltenraum strahlende Licht bezeugt die Wirksamkeit der eben erst geschaffenen Elemente. Ruhe und Kontemplation hingegen ist das Thema der Evangelisten, die in der Rolle des Eremiten in modrig triefender Natur der göttlichen Inspiration harren. Die vorliegende Ausgabe zeichnet sich zusätzlich aus durch eine kostbare Kolorierung mit feinsten goldenen Lichtern. So aufwendig staffierte Exemplare sind wohl als Vorzugsausgaben für handverlesene Klienten aus der Werkstatt des Künstlers gekommen und halten die bei der Edition von vornherein gewünschte Balance zwischen Massenware und Einzelstück.
Zur Ausgabe der Albertina: Illustration zum Alten Testament („Luther-Bibel“) von Georg Lemberger aus dem Jahr 1524; 485 Blatt (plus je 2 Blatt Vor- und Nachsatz), goldgeprägter roter Lederband der Albert-Bibliothek, 40 ganzseitige Holzschnitte, figürlich verzierte Kapitelinitialen, vermutlich vom Künstler alt koloriert.
Platte: je ca. 14,5 x 9,5 cm
IIIFPermalinkhttps://sammlungenonline.albertina.at/objects/340211/neues-testament-lutherbibel-johannes-und-ein-bote-briefImage Request