Studie eines Ringers
Honoré Daumier
um 1852
Die Zeichnung gibt einen Athleten am Eingang zur Manege wieder. Über seine Schulter hinweg wirft er einen Blick auf den gerade im Zelt stattfindenden Ringkampf. Sie entstand als unmittelbare Vorstudie für das Ölbild in Charlottenlund/Kopenhagen (Ordrupgaardsamlingen; Maison 1968, I, 45, Taf. 122), das von Maison um 1852, von Laughton (1966, S. 130 f.) um 1853 datiert wird und der in diesem Zusammenhang auf das 1853 im Salon ausgestellte Gemälde "Die Ringer" von #Courbet (Budapest, Szépmüvészeti Muzeum) als mögliche Anregung hinweist.
Im Mittelpunkt von Daumiers Darstellung steht weniger der Kampf in der Arena, als die Wiedergabe der großen, kraftvollen athletischen Figur des Ringers. Daumier konzentriert sich auf den muskulösen Körper, den er voluminös vor einen neutralen Hintergrund, aber doch auch in Relation zur Manege und dem Geschehen dahinter stellt, wodurch der Eindruck von Masse und Kraft gesteigert wird. Das dynamische Liniengewirr charakterisiert nicht nur die herkulische Gestalt, sondern bringt durch den unruhigen, fahrigen Duktus auch die nervöse Anspannung des Athleten zum Ausdruck. Für die beiden Kämpfenden, die in der Studie der Albertina mit nur wenigen flüchtigen Strichen dargestellt sind, haben sich sieben Einzelstudien (vier davon auf einem Blatt) erhalten (Lyon, Musée des Beaux-Arts). Im Gemälde dann sorgfältiger ausgeführt, sind sie in ihrer derben Kraft mit den "Ringern" von Courbet gut vergleichbar.
zitiert aus: Klaus Albrecht Schröder (Hg.), Christine Ekelhart (Bearb.), Die französischen Zeichnungen und Aquarelle des 19. und 20. Jahrhunderts der Albertina. Beschreibender Katalog der Handzeichnungen in der Albertina, Bd. XI, Wien/Köln/Weimar 2007, S. 144, Nr. 63.
