Landschaft bei Pontoise
Camille Pissarro
1872
Nach kurzer Tätigkeit in der väterlichen Handelsfirma auf den Antillen machte Pissarro 1856 Bekanntschaft mit #Corot und Werken der Schule von Barbizon und begann auf dessen Anraten vor der Natur zu arbeiten. 1870 emigrierte er wegen des Deutsch-Französischen Krieges nach London und ließ sein Haus in Louveciennes mit ca. 1500 Bildern zurück, von denen nur etwa 40 aus den Kriegswirren gerettet werden konnten. Nach seiner Rückkehr nahm Pissarro von 1874 bis 1886 regelmäßig an den Impressionistenausstellungen teil. 1880 hinderte ihn seine beginnende Augenkrankheit immer häufiger daran, im Freien zu malen. 1886 bis 1888 arbeitete er vorübergehend in pointillistischer Manier.
Pissarro hinterließ im Vergleich zu anderen impressionistischen Künstlern wie #Claude Monet, #Auguste Renoir oder #Alfred Sisley ein wesentlich umfangreicheres zeichnerisches Œuvre. Den thematischen Schwerpunkt bildet in erster Linie die Landschaft, aber auch dem bäuerlichen Alltag galt sein Interesse.
Die Ansicht aus der Umgebung von Pontoise entstand 1872: Pissarro hält mit sparsamen, dafür virtuos angewandten Mitteln - schwarzer Kreide und Aquarellfarbe - einen baumbestandenen, schattigen Weg fest, wobei weniger die reale Gegebenheit als vielmehr die optische Impression eines bewölkten, eher kühlen Tages im Mittelpunkt steht. Trotz subtiler, weitgehender Auflösung in farbige Flächen legt Pissarro darauf Wert, auch die Binnenstruktur der einzelnen Bildgegenstände, wie z. B. das Gerüst der Bäume, mit wenigen sicheren, kompakten Strichen wiederzugeben.
Pissarros Bemühen, seinen Darstellungen neben dem primären malerisch-atmosphärischen Aspekt Festigkeit und Ordnung zu verleihen, wurde vor allem für #Paul Cézanne beispielgebend, der zwischen 1872 und 1884 häufig mit ihm in Pontoise zusammengearbeitet hat. Nach einem Aufenthalt in London, wohin Pissarro mit seiner Familie vor dem Deutsch-Französischen Krieg geflüchtet war, kehrte er zunächst nach Louveciennes zurück, um sich im August 1872 zum zweiten Mal in Pontoise niederzulassen. Seine Motive fand Pissarro vor allem in der Marktstadt Pontoise selbst, in L'Hermitage, einem ländlichen Viertel am Stadtrand, und im benachbarten Dorf Auvers.
Christine Ekelhart, in: Klaus Albrecht Schröder (Hg.), Die großen Meister der Albertina (Kat. Best. Albertina, Wien 2008), Petersberg 2008, Nr. 185.
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