Spielende nackte Kinder mit einem Esel
Jean-Baptiste Carpeaux
1860?
Die Zeichnung mit einer Gruppe nackter Putten, die einen Esel antreiben, auf dem einer von ihnen zu reiten versucht, entstand - wie auch Inv. 24174 - als Vorlage für die seitenverkehrte Radierung "Bacchanale d´ enfants à l´ âne" (Delteil 1906-1926, Nr. 8). Ein Pendant dazu bildet das "Bacchanale d´enfants au charriot" (Delteil 1906-1926, Nr. 9). In dieses Zeichnung fehlen die beiden Putten vor dem Esel, deshalb dürfte sie unmittelbar vor der Radierung entstanden sein: die entsprechende, finale Form scheint bereits gefunden, da die einfache Konturlinie unter Verzicht auf Binnenstruktur genügt, um die wesentlichen Umrisse - ähnlich einer Pauszeichnung - zwecks Vorlage festzulegen.
Carpeaux gilt als der bedeutendste Bildhauer des zweiten Kaiserreichs, war aber auch als Maler, Zeichner und Radierer tätig. In der Druckgrafik scheint er über Anfangsversuche nicht hinausgekommen zu sein: Sein druckgrafisches Werk beschränkt sich auf elf Radierungen, die über seine Ungeübtheit in dieser Technik nicht hinwegtäuschen können. Die erste, von ihm bekannte Druckgrafik "Les Brigands calabrais" (Delteil 1906-1926, Nr. 1), hat er 1859 in Rom radiert. Sechs weitere (Delteil 1906-1926, Nr. 2-7) entstanden 1860 in seiner Heimatstadt Valenciennes, wo sich Carpeaux bei dem Advokaten #Jean-Baptiste Foucart aufhielt, um eine Büste von dessen Tochter zu modellieren. Gleichzeitig korrigierte er die druckgrafischen Versuche von dessen Sohn Paul und beschäftigte sich selbst mit diesem Medium. Ob die Entstehung der beiden pendantartigen Radierungen "Bacchanale d´ enfants à l´ âne" und "Bacchanale d´ enfants au charriot" ebenfalls in diese Zeit fällt, lässt sich nicht mit Sicherheit beantworten, wohl aber vermuten, da die 1860 ausgeführte Radierung "Le Génie de l´ Histoire" (Delteil Delteil 1906-1926, Nr. 2) ganz ähnliche, grob vereinfachte parallele Strichlagen zeigt. Zu dem Sujet spielender Putten dürften ihn diverse Illustrationen mit ähnlichen Darstellungen von #Charles Nicolas Cochin fils inspiriert haben (Siehe dazu: Delteil 1906-1926, Nr. 7).
zitiert aus: Klaus Albrecht Schröder (Hg.), Christine Ekelhart (Bearb.), Die französischen Zeichnungen und Aquarelle des 19. und 20. Jahrhunderts der Albertina. Beschreibender Katalog der Handzeichnungen in der Albertina, Bd. XI, Wien/Köln/Weimar 2007, S. 52, Nr. 18.
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