Madame Paul Lavergne, geborene Marie-Marguerite-Agathe Duru
Jean-Auguste-Dominique Ingres
um 1830
Das Porträt stellt Madame Paul Lavergne, geborene Marie-Marguerite-Agathe Duru, mit Spitzenhäubchen und im Schoß übereinandergelegten Händen auf einem Stuhl sitzend dar. Wenige dünne Linien suggerieren überzeugend schweres, faltenreiches Gewand, während Gesichtszüge und Haarlocken fotografisch genau ausgeführt sind. Über das Ehepaar Lavergne konnte Naef (1977-1980, Bd. 2, Kap. 95, S. 275-278) aufgrund fehlenden Archivmaterials nur einige Fakten in Erfahrung bringen: Marie-Marguerite-Agathe Duru wurde 1770 geboren, ihre Gatte Paul am 17. Juli 1771 in Athis-Mons. Die zivile Trauung fand am 18. November 1794 in Paris statt, die kirchliche erst am 13. Juli 1801. Am 8. September 1795 wurde ein Sohn (Paul), um 1797/98 eine Tochter (Justine) geboren. 1801 übersiedelte die Familie nach Madrid, wo Paul Lavergne in den Dienst des spanischen Königs #Karl IV. trat. Dieser ging 1812 - nach seiner Absetzung durch Napoleon - mit seinem Hofstaat nach Rom ins Exil. Auch Paul Lavergne mit seiner Familie, der das Amt eines Hofstallmeisters bekleidete, befand sich darunter. Ingres zeichnete das Ehepaar bereits 1818 in Rom (Paris, Petit Palais; Naef 1977-1980, Bd. 4, Nr. 222, 223) und dann erneut 1830 vermutlich in Paris. Das Porträt der Albertina ist nicht datiert und wird von Naef anhand der Kleidermode um 1827 angesetzt (Naef 1977-1980, Bd. 5, Nr. 307). Es scheint jedoch naheliegender, dass es ebenfalls 1830, im selben Jahr wie das datierte Porträt von Paul Lavergne (Bayonne, Musée Bonnat; Naef 1977-1980, Bd. 5, Nr. 335) entstanden ist, zumal beide in der Art der Darstellung wie Pendants wirken: Paul ist ebenfalls sitzend, jedoch halbfigurig und näher an den vorderen Bildrand gerückt, wiedergegeben. Während diese beiden einen intimen, privaten Eindruck vermitteln, sind die in Rom gezeichneten Dreiviertelansichten auf repräsentative Wirkung bedacht, was nicht allein in der effektvollen Haltung der Dargestellten, sondern vor allem auch in der betont modisch eleganten Kleidung zum Ausdruck kommt. 1819 starben Karl IV. und seine Gemahlin #Maria Luisa. Ob die Familie Lavergne in Rom blieb, ist ungeklärt.
zitiert aus: Klaus Albrecht Schröder (Hg.), Christine Ekelhart (Bearb.), Die französischen Zeichnungen und Aquarelle des 19. und 20. Jahrhunderts der Albertina. Beschreibender Katalog der Handzeichnungen in der Albertina, Bd. XI, Wien/Köln/Weimar 2007, S. 428, Nr. 193.
IIIFPermalinkhttps://sammlungenonline.albertina.at/objects/34097/madame-paul-lavergne-geborene-mariemargueriteagathe-duruImage Request